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In der Altstadt von Telgte, einem traditionellen Marienwallfahrtsort im Münsterland, liegt das RELíGIO – Westfälisches Museum für religiöse Kultur. Das Haus versteht sich als kulturgeschichtliches Spezialmuseum, das religiöse Kunst und Kultur in Westfalen und darüber hinaus zeigt. Es geht dabei von der christlich geprägten Geschichte der Region aus, bezieht aber ausdrücklich den Dialog der Religionen und die säkulare Gegenwart mit ein. Bekannt ist das Museum zudem für eine der größten Krippensammlungen Deutschlands. (Quelle: museum-telgte.de) (Quelle: museum-telgte.de)

Träger ist seit 1974 eine GmbH, an der der Kreis Warendorf, das Bistum Münster, die Stadt Telgte, die Stadt Münster und die Handwerkskammer Münster beteiligt sind. Nach Angaben des Museums war es das erste Museum in Deutschland mit dieser Rechtsform. Gegründet wurde es bereits 1934 als Wallfahrts- und Heimatmuseum auf Initiative von Paul Engelmeier, der noch im selben Jahr damit begann, zur Weihnachtszeit zeitgenössische Krippen auszustellen. In den 1970er und 1980er Jahren firmierte es als „Heimathaus Münsterland“ und wurde später vor allem als Krippenmuseum bekannt. Seinen heutigen Namen erhielt es im April 2012 mit der Eröffnung einer neuen Dauerausstellung. (Quelle: museum-telgte.de)

Vom Heimathaus zum Religionsmuseum

Die Museumsgeschichte zeigt einen deutlichen Wandel. Mit Franz Krins erhielt das Haus ab 1975 erstmals eine wissenschaftliche Leitung, die das volkskundliche Profil stärkte. 1983 wurde unter seiner Leitung ein großer Erweiterungsbau eröffnet. Sein Nachfolger Thomas Ostendorf, der das Museum ab 1985 leitete, baute es konsequent zum Krippenmuseum aus. 1994 eröffnete ein markantes Gebäude des Architekten Josef Paul Kleihues als „Krippenmuseum“. Ab etwa 2000 entstand eine neue Konzeption, die 2012 unter dem Namen RELíGIO umgesetzt wurde. Seitdem steht die religiöse Praxis aller Menschen in Westfalen im Mittelpunkt, das Museum wendet sich zunehmend auch an ein säkulares und multireligiöses Publikum. (Quelle: museum-telgte.de)

Architektur: Pfarrscheune, Böhm-Bau und Kleihues

Das Museum verbindet mehrere Bauphasen. Den Altbau bildet eine ehemalige Pfarrscheune aus dem 16. Jahrhundert, an die sich ein dreigiebeliger Bau von 1937 anschließt. Er stammt von Dominikus Böhm, dem damaligen Kölner Dombaumeister. In den 1980er Jahren und 2012 folgten weitere An- und Umbauten. Der Neubau von 1994 geht auf Josef Paul Kleihues zurück, der den Begriff der „kritischen Rekonstruktion“ prägte. In Telgte zeichnet sein moderner Bau den historischen Grundriss des Vorgängergebäudes nach. (Quelle: museum-telgte.de)

Das Telgter Hungertuch

Das wohl bekannteste Objekt ist das Telgter Hungertuch, das das Museum als eines der bedeutendsten religiösen Kulturgüter Westfalens bezeichnet. Das Fastentuch wurde 1623, fünf Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges, vom Burgmann Henrich Vos und seiner Frau Catarina Droste gestiftet. Es ist eine sogenannte Filetstopfarbeit: Die hellen Figuren und Inschriften sind auf einen geknüpften, netzartigen Grund gestickt. 33 Bildfelder wechseln sich in sechs Reihen mit 33 unverzierten Leinenquadraten ab. Die ersten vier Reihen zeigen das Leiden Christi bis zur Auferstehung. (Quelle: museum-telgte.de)

Bis 1907 hing das Tuch jedes Jahr in der Fastenzeit im ersten Chorbogen der Pfarrkirche St. Clemens und verdeckte den Altarraum. Die Wappen in der untersten Reihe verweisen auf die Familien der vier adligen Frauen, die das Tuch anfertigten, sowie auf den Pfarrer, der es in Auftrag gab. (Quelle: museum-telgte.de)

Die Schausammlung

Die Dauerausstellung, die das Museum Schausammlung nennt, zeigt religiöse Praxis in Westfalen von der Frühgeschichte bis in die Gegenwart, von bronzezeitlichen Grabbeigaben bis zur religiösen Vielfalt heute. Ein zentrales Element ist der „Tisch der Religionen“, an dem die großen Weltreligionen mit markanten Objekten vertreten sind. In Medienstationen berichten Menschen unterschiedlicher Religionen von ihrem Glauben. Der Bereich „Feste im Lebenslauf“ stellt Rituale wie Taufe, Konfirmation, Firmung, Bar Mizwa, Hochzeit und Bestattung vor. Für jeden neuen Lebensabschnitt durchschreitet man in der Ausstellung ein Tor. (Quelle: museum-telgte.de)

Weitere Themen sind die „Glaubenslandschaft Westfalen“ mit dem Hungertuch, Feste im Jahreslauf sowie Wallfahrt und Pilgern. Telgte ist ein Marienwallfahrtsort mit einer Pietà aus der Zeit um 1370, die nach Museumsangaben jährlich etwa hunderttausend Wallfahrerinnen und Wallfahrer besuchen. Ein eigener Bereich widmet sich Kardinal Clemens August Graf von Galen, der 1941 in drei Predigten öffentlich die nationalsozialistische Vernichtungspolitik kritisierte. Zu den Highlights der Sammlung zählt das Museum auch eine Menora, das Modell der bundesweit größten Moschee, eine Wachskrippe und einen Fanschal von Borussia Dortmund. (Quelle: museum-telgte.de) (Quelle: museum-telgte.de)

Krippen und Sonderausstellungen

Die Krippen sind bis heute ein Markenzeichen des Hauses. Jedes Jahr zeigt das Museum eine Krippenausstellung, in der sich Künstlerinnen und Künstler neu mit der Weihnachtsgeschichte auseinandersetzen. Die Sammlung ist in sieben Gebiete gegliedert: Weltreligionen, Weihnachten und Krippen, Volkskunst, Alltagskultur, moderne Kunst, Grafik sowie Gebet- und Andachtsbücher. Hinzu kommt ein Bildarchiv zum religiösen Alltagsleben. (Quelle: museum-telgte.de) (Quelle: museum-telgte.de)

Im Sommer 2026 liefen die Kabinettausstellung „Fadenkunst“ mit textilen Bildern der 1933 geborenen Künstlerin Martha Kreutzer-Temming und die Mitmachausstellung „Tierische Abenteuer“ zu biblischen Tiergeschichten. Beide endeten am 30. August 2026. Als nächstes Projekt kündigt das Museum die Ausstellung „Tacheles. Jüdische Stimmen gestern und heute“ an, die sich noch in Planung befindet. (Quelle: museum-telgte.de) (Quelle: museum-telgte.de) (Quelle: museum-telgte.de)

Angebote für Schulen und Familien

Das Museum versteht sich als außerschulischer Lernort für die Fächer Geschichte, Kunst, Ethik und Religion. Grundschulen können etwa die Führung „Religionen mit allen Sinnen entdecken“ am Tisch der Religionen buchen, dazu Workshops zur Krippenausstellung, zum Hungertuch, zum Judentum und zum Thema Schöpfung. Für weiterführende Schulen gibt es unter anderem einen Workshop zur Alten Synagoge in Telgte und zum Schicksal der Familie Auerbach in der NS-Zeit. Führungen für Schulklassen kosten 30 Euro, Workshops meist 50 Euro. Für die Fahrtkosten nennt das Museum Förderwege über die NRW-Stiftung und die Sparkasse Münsterland Ost. (Quelle: museum-telgte.de)

Für Familien hat das Museum im Untergeschoss eine Stillecke und einen Wickelbereich eingerichtet. Eine Web-App stellt die wichtigsten Objekte der Dauerausstellung zum Hören oder Lesen auf Deutsch und Englisch vor, ein Download ist nicht nötig. (Quelle: museum-telgte.de) (Quelle: museum-telgte.de)

Öffnungszeiten und Eintritt

Die Adresse lautet: RELíGIO – Westfälisches Museum für religiöse Kultur, Herrenstraße 1-2, 48291 Telgte. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, montags ist geschlossen. Für die Feiertage gelten Sonderöffnungszeiten, am 24. und 31. Dezember bleibt das Haus geschlossen. Die Herrenstraße ist eine Sackgasse, das Museum empfiehlt den Parkplatz Dümmert. Vom Bahnhof Telgte sind es etwa zehn Minuten zu Fuß. (Quelle: museum-telgte.de)

Der Eintritt in die Schausammlung kostet für Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 4 Euro. Mit Sonderausstellung sind es 7 beziehungsweise 6 Euro. Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre haben laut Preisübersicht freien Eintritt. Am letzten Samstag im Monat ist der Eintritt frei, ausgenommen von November bis Januar. Die öffentliche Führung findet am zweiten Sonntag im Monat um 15 Uhr statt und kostet 2,50 Euro zusätzlich. Stand der Angaben ist September 2026. Besucherinnen und Besucher sollten vor der Anreise die aktuellen Öffnungszeiten und Preise auf der offiziellen Website des Museums prüfen. (Quelle: museum-telgte.de)

Fazit

Das RELíGIO hat sich vom Heimat- und Krippenmuseum zu einem Museum entwickelt, das religiöses Leben in Westfalen in seiner ganzen Breite zeigt, vom Hungertuch aus dem Dreißigjährigen Krieg bis zum Tisch der Religionen. Die Verbindung von Pfarrscheune, Böhm-Bau und Kleihues-Neubau macht auch das Gebäude sehenswert. Der überschaubare Eintritt, der freie Eintritt für junge Menschen und die Schulprogramme sprechen für einen Besuch mit Familie oder Klasse. Ein Rundgang lässt sich gut mit der Wallfahrtskapelle und der Telgter Altstadt verbinden.

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