Am Rand der Warendorfer Altstadt, in den Mauern eines ehemaligen Franziskanerklosters, befindet sich das Westpreußische Landesmuseum. Es versteht sich als zentrale Einrichtung in der Bundesrepublik Deutschland zur Erforschung und Vermittlung von Geschichte und Kultur des historischen Westpreußen. Gemeint ist die Region entlang der unteren Weichsel, die heute zu Polen gehört. Träger des Museums ist die Kulturstiftung Westpreußen, gefördert wird es vom Bundesministerium des Innern und vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Der LWL hatte bereits 1960 eine Patenschaft für die heimatvertriebenen Westpreußen übernommen. (Quelle: westpreussisches-landesmuseum.de)
Die Geschichte des Museums reicht bis 1975 zurück. Am 6. Juli 1975 wurde im Drostenhof in Münster-Wolbeck ein Dokumentations- und Kulturzentrum Westpreußen eröffnet, das erstmals eine dauerhafte Ausstellung über Westpreußen zeigte. Weil der Drostenhof umfassend hätte modernisiert werden müssen und darüber keine Einigung zustande kam, zog das Museum Ende 2014 nach Warendorf um. (Quelle: de.wikipedia.org) Ursprünglich richtete sich das Haus vor allem an Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Westpreußen vertrieben worden waren; heute spricht es ein allgemein geschichts- und kulturinteressiertes Publikum an. (Quelle: westpreussisches-landesmuseum.de)
Das Franziskanerkloster als Museumsbau
Das Gebäude selbst ist ein Stück Warendorfer Stadtgeschichte. Die Franziskaner ließen sich 1628 im Zuge der Gegenreformation in Warendorf nieder. 1652 begannen sie mit dem Bau ihrer Kirche, die 1673 fertiggestellt war; unmittelbar danach folgte der Bau der Klostergebäude, der 1683 abgeschlossen wurde. Die Ordensbrüder lebten hier bis 2008, dann wurde das Kloster aufgegeben. In den Jahren 2012/13 baute das Münsteraner Architekturbüro Pfeifer – Ellermann – Preckel die Anlage für das Museum um. Drei um einen Innenhof gruppierte Flügel nehmen heute die Ausstellungsräume auf: Im Erdgeschoss liegen der Kreuzgang und das ehemalige Refektorium, das für Sonderausstellungen genutzt wird, im Obergeschoss ist die Dauerausstellung in den früheren Mönchszellen untergebracht. Im Norden schließt die ehemalige Klosterkirche an. (Quelle: westpreussisches-landesmuseum.de)
Beim Umbau wurde die historische Substanz so behutsam behandelt, dass Spuren des Klosterlebens sichtbar geblieben sind. Neben dem Museum beherbergt die Anlage heute unter anderem Wohnungen und eine Tagespflege der Malteser; die Klosterkirche wird weiterhin als Kirche genutzt und ist auch Ort für Konzerte und Feste. (Quelle: kloster-warendorf.de)
Die Dauerausstellung: ein historischer Parcours
Die Dauerausstellung trägt den Titel „Begegnungen mit einer deutsch-polnischen Kulturlandschaft“ und ist als historischer Rundgang angelegt. Er beginnt mit der kulturellen und politischen Bedeutung des Deutschen Ordens und führt über den Ostseehandel und Friedrich den Großen mit dem Jahr 1772 bis zum Versailler Vertrag, zum Zweiten Weltkrieg und zu dessen Folgen. Behandelt werden unter anderem die Hansestädte Danzig und Elbing, die kulturelle Blüte der Barockzeit im Königlichen Preußen, der Maler Bruno Krauskopf sowie deutsch-polnische Partnerschaftsprojekte. (Quelle: westpreussisches-landesmuseum.de)
Themenräume: Danzig, Landleben und Bernstein
Einzelne Schwerpunkte sind in aufwendig gestalteten Themenräumen inszeniert. Das Danzig-Zimmer widmet sich der Metropole an der Weichselmündung und ihrer historischen Bedeutung, der Raum „Leben auf dem Lande“ der ländlichen Lebenswirklichkeit. Ein eigener Bereich gilt dem Bernstein und seiner wissenschaftlichen wie künstlerischen Bedeutung. Wer sich vorab ein Bild machen möchte, findet auf der Museumsseite virtuelle Rundgänge. (Quelle: westpreussisches-landesmuseum.de) Zu sehen sind Alltagsgegenstände, Zeugnisse der wechselvollen Geschichte, Gemälde und Kunsthandwerk; Medienstationen vermitteln Eindrücke der Region von heute. (Quelle: warendorf.de)
Sonderausstellungen, Archiv und Außenstelle in Polen
Im ehemaligen Refektorium zeigt das Museum wechselnde Sonderausstellungen, häufig in Zusammenarbeit mit polnischen Kultureinrichtungen. (Quelle: warendorf.de) Im Herbst 2026 ist laut Museumsseite die Sonderausstellung „Trakehner“ zu sehen, die sich mit der Geschichte dieser Pferderasse und den Menschen um sie befasst. Für die Stadt des Pferdes Warendorf liegt das Thema nahe. (Quelle: westpreussisches-landesmuseum.de)
Über die Ausstellungen hinaus verfügt das Haus über eine Präsenzbibliothek, ein Westpreußen-Archiv und ein Fotoarchiv. Eine Außenstelle besteht im polnischen Krokowa (Krockow) in der Woiwodschaft Pommern, untergebracht im 1784 errichteten Schloss Krockow. (Quelle: de.wikipedia.org) Sie ist aus der grenzübergreifenden Zusammenarbeit mit polnischen Partnern hervorgegangen. (Quelle: westpreussisches-landesmuseum.de)
Angebote für Familien und Schulen
Die Museumspädagogik hält mehrere Formate für Kinder, Familien und Schulklassen bereit. Mit der App „Biparcours“ können Besucherinnen und Besucher bei „Auf den Spuren der Mönche“ in rund 45 Minuten das ehemalige Kloster erkunden, Aufgaben lösen und digitale Schatztruhen öffnen. Für Familien mit Kindern von sieben bis elf Jahren gibt es den Entdecker-Rucksack „Westpreußen in 10 Objekten“ mit Rätseln und Spielen. Für Fünf- bis Elfjährige werden etwa 90-minütige Programme wie „Fantastische Tierwesen“ und „Schiff ahoi, volle Fahrt voraus!“ angeboten, die eine Führung mit einem Kreativteil verbinden. An Zehn- bis Vierzehnjährige richtet sich „Mein Weg in die Zukunft“, bei dem Schulklassen eigene Objekte mitbringen können. (Quelle: westpreussisches-landesmuseum.de)
Öffentliche Führungen durch die Dauerausstellung finden an Sonntagen um 11 Uhr statt, eine Anmeldung ist nicht nötig; die Teilnahme kostet 2,50 Euro. Gruppen können Führungen von 60 oder 90 Minuten buchen, auch auf Englisch oder Polnisch. (Quelle: westpreussisches-landesmuseum.de)
Öffnungszeiten und Eintritt
Westpreußisches Landesmuseum, Franziskanerkloster, Klosterstraße 21, 48231 Warendorf
Das Museum ist dienstags bis freitags von 12 bis 19 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet; der letzte Einlass ist jeweils 30 Minuten vor Schließung. Der Eintritt kostet 4 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, die Familienkarte 7 Euro. Sonntags ist der Eintritt frei. Das Haus ist nach eigenen Angaben barrierefrei, ein Behindertenparkplatz liegt direkt am Museum. (Quelle: westpreussisches-landesmuseum.de) Mit der Bahn ist Warendorf über die Regionalbahn RB 67 „Der Warendorfer“ aus Münster oder Bielefeld erreichbar, außerdem über die Buslinie R 11 ab Münster Hauptbahnhof. (Quelle: westpreussisches-landesmuseum.de)
Öffnungszeiten, Preise und Führungstermine können sich ändern. Besucher sollten die aktuellen Angaben vor der Anreise auf der offiziellen Website des Museums prüfen.
Fazit
Das Westpreußische Landesmuseum verbindet zwei Geschichten: die einer historischen Region an der Weichsel, die heute in Polen liegt, und die eines Warendorfer Franziskanerklosters aus dem 17. Jahrhundert. Die Dauerausstellung erzählt die Geschichte Westpreußens bewusst als deutsch-polnische Geschichte, die Zusammenarbeit mit polnischen Partnern bis hin zur Außenstelle in Krockow unterstreicht diesen Ansatz. Mit moderaten Preisen, freiem Eintritt am Sonntag und familienfreundlichen Formaten ist das Museum ein lohnendes Ziel in der Warendorfer Altstadt.
