Beckum und der Zement gehören zusammen. Wie eng diese Verbindung ist, zeigt das Zement-Museum in der Hammer Straße, auch Beckumer Zementmuseum genannt. Das kleine Museum ist in der denkmalgeschützten „Köttings Mühle“ untergebracht und wurde am 12. Mai 2010 eröffnet. Getragen wird es von ehrenamtlich Engagierten im Umfeld des Geschichtsvereins Beckum. (Quelle: zement-museum.de)
Die Idee geht auf vier Männer mit Berufserfahrung in der Zementindustrie zurück: Adolf Blechschmidt, Werner Haverkemper, Alfred Jungilligens und Heiner Schleimer stellten 2008 öffentlich vor, die Entwicklung des Beckumer Zementreviers in einer Ausstellung darzustellen. (Quelle: zement-museum.de) Als Arbeitsgruppe „Zement“ unter dem Dach des Heimat- und Geschichtsvereins Beckum bauten sie die frühere Wassermühle in Eigenleistung um, renovierten sie und richteten sie als Museum ein. (Quelle: heimatverein-beckum.de)
Das Beckumer Zementrevier
Der Hintergrund des Museums ist die Industriegeschichte der Region. Nach Darstellung des Museums ballte sich die Zementindustrie in keinem Teil Deutschlands auf so engem Raum wie im ehemaligen Kreis Beckum. Kalk und Mergel wurden schon im Mittelalter von Bauern abgebaut und in einfachen Feldöfen gebrannt. Den Anstoß zur Industrialisierung gab die 1847 eröffnete Köln-Mindener Eisenbahn, 1872 wurde das erste Zementwerk gegründet. Bis 1915 entstanden 30 Werke, um 1930 war mit 32 Zementwerken der Höchststand erreicht. (Quelle: zement-museum.de)
Auch die Produktionszahlen spiegeln die Geschichte des Reviers. 1939 wurden nach Angaben des Museums 1,7 Millionen Tonnen Zement im Jahr hergestellt, 1945 waren es infolge des Krieges nur noch 134.000 Tonnen. 1951 war das Vorkriegsniveau wieder erreicht, 1961 lag der Absatz bei 3,7 Millionen Tonnen. In den besten Zeiten arbeiteten mehr als 2.000 Menschen in der Branche. Heute sind es nach Darstellung des Museums noch rund 500 Beschäftigte in drei produzierenden Werken. (Quelle: zement-museum.de)
Das Zementlabor als Herzstück
Kernstück des Museums ist ein intaktes Zementlabor. Hier lassen sich die Qualitätskontrolle und die Bestimmung der Zementgüte anschaulich vorführen. Die ehrenamtlichen Museumsführer kommen selbst aus einem solchen Labor und können entsprechend aus der Praxis berichten. (Quelle: zement-museum.de)
Exponate aus über 150 Jahren
Rund um das Labor zeigt das Museum originale Exponate, Maschinen, Geräte, Modelle, Fotos, Zeichnungen und Dokumente aus mehr als 150 Jahren Zementgeschichte. (Quelle: heimatverein-beckum.de) Modelle machen den Produktionsprozess vom Rohstoffabbau bis zum fertigen Zement nachvollziehbar. Weitere Exponate erinnern an den regionalen Maschinenbau, der mit dem Zement an Bedeutung gewann, vor allem Firmen für Zementofenbau und Fördertechnik. Zement und Kalkstein können die Besucher auch selbst in die Hand nehmen. Dazu kommen Mineralien und Fossilien aus den örtlichen Steinbrüchen. (Quelle: zement-museum.de)
Erdgeschichte und Rohstoffe
Das Museum gibt auch Einblicke in die Kalksteinschichten des Beckumer Raums, die teilweise rund 300 Millionen Jahre alt sind. Mit Dokumenten, Bildern, Filmen und Modellen wird erklärt, wie der Baustoff hergestellt wurde und welche wirtschaftliche Bedeutung er für die Stadt hatte. (Quelle: muensterland.com)
Ehrenamt und Online-Angebot
Getragen wird das Museum vollständig vom Ehrenamt. Nach Angaben von Münsterland e.V. engagieren sich inzwischen acht Ehrenamtliche, darunter ehemalige Beschäftigte der Zementindustrie, seit mehr als zehn Jahren für die Erhaltung der Beckumer Zementgeschichte. (Quelle: muensterland.com) Das Mühlengebäude stellt die Familie Kötting zur Verfügung; 2017 ließ die Eigentümerin das Dach neu mit Tonziegeln eindecken und die Außenwände neu verfugen. (Quelle: zement-museum.de)
Auf seiner Website bietet das Museum einen virtuellen Rundgang sowie eine umfangreiche Dokumentation zur Zementgeschichte, unter anderem mit einer Liste der einzelnen Zementwerke in Beckum und Ennigerloh, Karten des Zementreviers und Informationen zu Rohstoffen sowie zu Kalköfen und Kalkwerken in Beckum. Das Angebot eignet sich auch zur Vor- oder Nachbereitung eines Besuchs mit Gruppen oder Schulklassen. (Quelle: zement-museum.de)
Öffnungszeiten und Eintritt
Zement-Museum Beckum, Hammer Straße 12, 59269 Beckum
Vom 1. Mai bis 31. Oktober ist das Zement-Museum an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Darüber hinaus lassen sich das ganze Jahr über Besichtigungstermine vereinbaren, besonders für Gruppen und Vereine mit bis zu zehn Personen. Einen festen Eintrittspreis gibt es nicht; das Museum freut sich über eine kleine Spende. (Quelle: zement-museum.de)
Da das Museum ehrenamtlich betrieben wird und nur an wenigen Terminen regulär öffnet, sollten Besucher die aktuellen Angaben vor der Anreise auf der offiziellen Website prüfen und für Besuche außerhalb der Öffnungstage rechtzeitig Kontakt aufnehmen.
Fazit
Das Zement-Museum ist ein kleines, aber gut begründetes Museum. Hier erklären Menschen, die die Branche selbst kennen, die Geschichte, die Beckum und das südliche Kreisgebiet über mehr als 150 Jahre geprägt hat. Das intakte Labor, die Modelle und die Originalgeräte machen einen Industriezweig anschaulich, den man sonst meist nur von außen kennt. Wegen der begrenzten Öffnungszeiten braucht ein Besuch etwas Planung. Zusammen mit dem Stadtmuseum am Markt, das die Zementgeschichte in den größeren stadtgeschichtlichen Zusammenhang stellt, ergibt sich ein gutes Bild der Beckumer Industriekultur.
