BERLIN. Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, hat anlässlich der „State of the Union“-Rede von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen umfassenden industriepolitischen Kurswechsel in Europa gefordert. Besonders die Rahmenbedingungen für die Automobilindustrie müssten dringend verbessert werden, um Wettbewerbsfähigkeit, Klimaschutz und Beschäftigung zu sichern.
Während auf der IAA MOBILITY in München derzeit die internationale Automobilbranche Innovationen für klimaneutrale Mobilität präsentiert, warnt Müller vor strukturellen Nachteilen des Standorts Europa. „Die Strompreise sind im Vergleich zu den USA oder China viel zu hoch, hohe Arbeitskosten, Steuern und überbordende Regulierung gefährden den Standort“, so die VDA-Präsidentin. Damit günstige Fahrzeuge auch in Europa produziert werden können, seien wettbewerbsfähige Standortbedingungen unabdingbar.
Besonders kritisch sieht Müller mögliche Local-Content-Vorgaben im Rahmen der geplanten „small affordable car initiative“. Internationale Lieferketten seien für Wachstum und Beschäftigung zentral – einseitige Vorgaben könnten hingegen zur Isolation führen und Gegenreaktionen anderer Länder provozieren.
Begrüßt wird seitens des VDA das geplante EU-Paket in Höhe von 1,8 Milliarden Euro zur Förderung der Batterieproduktion in Europa. Allerdings fordert Müller eine zügige und unbürokratische Umsetzung der Fördermaßnahmen, gekoppelt an eine durchdachte industriepolitische Strategie. Kritik äußerte sie an der geplanten CO₂-Berechnung in der EU-Batterieverordnung: Die angestrebte Methode, die sich am nationalen Strommix orientiert, sei nicht sinnvoll und müsse revidiert werden. Stattdessen solle der Einsatz CO₂-neutraler Energie angemessen berücksichtigt werden.
Zentral für den Erfolg der Mobilitätswende sei laut Müller ein technologieoffener Ansatz. Elektromobilität werde dominieren, doch auch Plug-in-Hybride, Wasserstoff und erneuerbare Kraftstoffe müssten als Teile der Lösung anerkannt werden. Eine einseitige Regulierung, etwa durch Strafzahlungen und starre Zielvorgaben, sei nicht zielführend.
Im Fokus stehe außerdem die Flottenregulierung: Müller plädiert für eine CO₂-Reduktionsziel-Anpassung auf minus 90 Prozent bis 2035, wobei verbleibende Emissionen durch höhere Anteile erneuerbarer Kraftstoffe kompensiert werden könnten. „Unser Ziel ist es, die Emissionen zu senken und zugleich den Standort zu stärken“, so die VDA-Präsidentin.
Für den VDA ist klar: Nur durch wettbewerbsfähige Energiepreise, ein günstigeres Steuer- und Abgabensystem sowie den Abschluss strategischer Handels- und Rohstoffabkommen könne Europa seine Rolle als führender Industriestandort behaupten.
Auch für die Region im Nordwesten Deutschlands, in der zahlreiche Automobilzulieferer und Maschinenbauunternehmen ansässig sind, dürften die industriepolitischen Rahmenbedingungen der EU von großer Bedeutung sein. Die Forderungen des VDA könnten daher auch die wirtschaftliche Perspektive in Emsland und Grafschaft Bentheim direkt beeinflussen.
Quelle: Verband der Automobilindustrie

