BDEW warnt vor Investitionslücke bei Energienetzen durch geplante Regulierung

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Berlin. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kritisiert die von der Bundesnetzagentur geplanten Änderungen im NEST-Regulierungsrahmen scharf. Laut aktuellen Berechnungen drohen Netzbetreibern Einnahmerückgänge in Milliardenhöhe – mit Folgen für die Energieinfrastruktur der Zukunft.

Anlässlich der Branchenveranstaltung „Treffpunkt Netze“ betont BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae die zentrale Rolle leistungsfähiger Netze für die Energiewende: „Die Transformation zu einer klimaneutralen Wirtschaft gelingt nur mit starken Verteil- und Gasnetzen. Dafür braucht es Investitionssicherheit und stabile Rahmenbedingungen.“ Laut BDEW führt die derzeit diskutierte Neuausrichtung der Anreizregulierung zu einem erwarteten Erlösrückgang von insgesamt rund fünf Milliarden Euro pro Regulierungsperiode – davon 3,5 Milliarden Euro bei Strom- und 1,5 Milliarden Euro bei Gasnetzen.

Sorge um Investitionsfähigkeit und Standortattraktivität

Die Bundesnetzagentur hatte im Mai prognostiziert, dass die neuen Methoden keine Erlösminderung bewirken würden. Der BDEW widerspricht: Die Berechnungen berücksichtigten nicht alle realistischen Folgen für Netzbetreiber und Investoren. Ein sinkendes kalkulatorisches Eigenkapital und eine unklare OPEX-Regelung seien laut Andreae ein Investitionshemmnis. Sie warnt: „Ein moderner Wirtschaftsstandort braucht moderne Netze – nicht weniger Investitionen.“

Die Branche fordert daher eine vollständige und transparente Folgenabschätzung. Auch die Eigenkapitalverzinsung müsse international wettbewerbsfähig ausgestaltet sein. Der OPEX-Faktor – also der pauschale Aufschlag auf Betriebskosten – müsse dauerhaft verlässlich für alle Netzbetreiber gelten. Zudem solle die Anerkennung von Fremdkapitalzinsen gesichert sein.

250 Milliarden Euro bis 2030 notwendig

Angesichts wachsender Anforderungen – etwa durch Ladeinfrastruktur, Wärmepumpen oder neue Gewerbeanschlüsse – sei der Investitionsbedarf bis 2030 mit über 250 Milliarden Euro enorm. Andreae: „Digitalisierung, Flexibilität und Tempo müssen sich in den Netzen widerspiegeln. Es kann nicht sein, dass wir auf der einen Seite Milliarden investieren sollen, aber auf der anderen Seite bei den Erlösen gekürzt wird.“

Der BDEW ruft die Bundesnetzagentur auf, gemeinsam mit der Branche eine tragfähige Lösung für die Zukunft der Netzinfrastruktur zu erarbeiten.

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

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