1. FC Köln gegen den Hamburger SV: Köln gewinnt 4:1 nach irrer Schlussphase
Köln. Das RheinEnergieSTADION war mit 50.000 Fans voll, und du hast ein Spiel bekommen, das komplett eskaliert ist. Der 1. FC Köln schlägt den Hamburger SV mit 4:1, nachdem der HSV am Ende sogar zu neunt auf dem Platz steht. Dieser Abend wird beim HSV weh tun.
Fangen wir vorne an.
Die Kölner erwischen den besseren Start. Sie pressen hoch, gewinnen zweite Bälle, sind klar zielstrebiger. Die Daten zur Pause sprechen eine deutliche Sprache: 12:4 Torschüsse, 1,89 zu 0,34 erwartete Tore, Köln klar besser. In der 25. Minute fällt dann das 1:0: Kainz erobert den Ball aggressiv, Maina scheitert erst noch an Heuer Fernandes, aber Ragnar Ache staubt schließlich aus kurzer Distanz ab. Für Ache ist es das erste Bundesliga-Tor seit Mai 2021.
Direkt nach Wiederanpfiff wird es technisch schön. In der 48. Minute schlenzt Florian Kainz einen direkten Freistoß traumhaft ins kurze Eck. 2:0 für Köln. Das war sein erster direkt verwandelter Freistoß überhaupt im Profibereich der Bundesliga bzw. 2. Bundesliga – nach fast 30 Versuchen.
Hamburg zeigt Moral. Der HSV drückt, bekommt Tiefe über die Flügel, und in der 61. Minute setzt Jean-Luc Dompé ein Ausrufezeichen. Nach einer Hereingabe von rechts nimmt er den Ball im Strafraum technisch stark an, zieht nach innen, schlenzt dann mit rechts ins lange Eck. Wunderschön. 2:1. Das Spiel ist wieder offen.
Zwischen Minute 49 und 55 gab es übrigens schon fast den Anschluss. Hamburg hatte ein Tor zum möglichen 2:1, aber der Treffer wurde nach VAR zurückgenommen. Grund: Abseitsposition plus Foulspiel im Luftduell. Das Muster zieht sich durch diese Partie. Hamburg kam oft gefährlich, aber immer war irgendwas.
Dann wird es wild.
Der HSV wirft in der Schlussphase alles nach vorne. Riesenchance für Remberg in der Nachspielzeit, aber er rutscht weg und scheitert an Schwäbe. Köln kontert direkt. In Minute 90+4 macht Saïd El Mala das 3:1. Vorlage von Kamiński quer in die Mitte, El Mala muss nur noch einschieben. Vier Minuten später ist wieder Köln dran: Diesmal bedient El Mala, der gerade sowieso in Köln als neuer Publikumsliebling durchgeht, quer zurück in den Strafraum. Der Ball rutscht durch, Jakub Kamiński steht komplett frei und macht den Deckel drauf. 4:1 in Minute 90+9.
Köln spielt es am Ende eiskalt runter, während der HSV emotional durchdreht. Erst fliegt Immanuël Pherai mit Gelb-Rot (Gelb in der 78., Gelb-Rot in der 79., weil er gegen Lund zu spät kommt). Dann kassiert Fábio Vieira in der 83. Minute ebenfalls Gelb-Rot, nach Diskussionen und Reklamieren. Und sogar Co-Trainer Merlin Polzin sieht noch Gelb. Hamburg beendet die Partie zu neunt, Köln nutzt die offenen Räume gnadenlos.
Spannend für dich aus taktischer Sicht: Köln zeigte phasenweise richtig saubere Defensivarbeit. Kaum etwas zugelassen, aggressiv in den Zweikämpfen, hohe Laufbereitschaft. Laut Torschuss-Statistik sammelte Köln 17 Abschlüsse, neuer Saisonbestwert. Dazu ein klarer Unterschied im Speed auf den Außenbahnen: Linton Maina war mit 35,15 km/h der schnellste Spieler auf dem Platz.
Individuelle Geschichten, die du dir merken solltest:
- Ragnar Ache: Eröffnet (25.) und zeigt Präsenz als Zielspieler.
- Florian Kainz: Traumfreistoß zum 2:0 (48.), erstmals wieder Startelf.
- Saïd El Mala: Tor zum 3:1 (90+4), Assist-ähnliche Aktion vor dem 4:1, Publikumsliebling.
- Jakub Kamiński: Schiebt eiskalt das 4:1 rein (90+9) und liefert zuvor viel Dynamik auf links.
Der 1. FC Köln steht nach diesem Spieltag bei 14 Punkten nach neun Spielen. Das ist bemerkenswert, wenn du dich erinnerst: In der kompletten Hinrunde ihrer Abstiegssaison 2023/24 kam Köln nur auf elf Punkte. Die Kurve zeigt klar nach oben.
Der HSV dagegen erlebt einen richtig bitteren Abend. Kein Auswärtssieg in dieser Bundesliga-Saison, nur zwei von möglichen 15 Auswärtspunkten, zwei Platzverweise in einem Spiel – etwas, das ihnen zuletzt im März 2008 passiert ist. Und obendrauf zwei aberkannte Treffer. Emotionaler Schlag in den Nacken.
Unterm Strich: Köln feiert, der Dom bebt, beim HSV brennt die Sicherung.
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