Osnabrück. Wie emotional waren die hellenistischen Königinnen und Könige – und was sagen diese Zuschreibungen über das antike Geschlechterbild aus? Mit dieser Leitfrage startet im Januar 2026 an der Universität Osnabrück das Forschungsprojekt „Emotionen von Herrschenden im Hellenismus“. Es wird mit rund 228.000 Euro durch das niedersächsische Wissenschaftsministerium und die VolkswagenStiftung im Rahmen von „zukunft.niedersachsen“ gefördert.
Das Team um Projektleiterin Prof. Dr. Christiane Kunst analysiert antike Texte aus der Zeit von Alexander dem Großen bis zu Kleopatra mit einem diskursanalytischen Ansatz. Ersten Auswertungen zufolge zeigt sich: Königinnen wurden von den antiken Geschichtsschreibern nicht emotionaler dargestellt als ihre männlichen Kollegen – eine Erkenntnis, die bestehende Annahmen über Geschlechterrollen in der Geschichtsschreibung infrage stellt.
Emotionale Zuschreibungen in der Antike
Untersucht werden in den kommenden drei Jahren verschiedene Herrschergestalten wie Antiochos II., Ptolemaios Physkon sowie mehrere Kleopatras. Ziel ist der Aufbau einer systematischen Datenbank, die emotional kodierte Zuschreibungen erfasst und analysierbar macht. „Wir wollen herausfinden, ob es überhaupt eine geschlechtsspezifische Emotionsdarstellung gab“, erläutert Projektmitarbeiterin Dr. Nicole Diersen.
Dabei werden sowohl klassische geschichtswissenschaftliche Methoden als auch moderne Diskursanalysen eingesetzt. Die Forschung soll langfristig neue Perspektiven auf die Konstruktion von Geschlecht und Macht in der Antike eröffnen.
Ein Blick auf das Verhältnis von Emotion und Macht lohnt sich auch heute noch – mehr dazu nach dem Klick!
Forschung für neues Geschichtsverständnis
„Dieses Projekt rückt eine oft übersehene Dimension historischer Machtanalysen in den Fokus“, sagt Prof. Dr. Kunst. „Die emotionale Darstellung von Herrschenden war schon damals Teil politischer Deutung.“ Die gewonnenen Erkenntnisse sollen nicht nur die historische Genderforschung bereichern, sondern auch neue Impulse für den Schulunterricht und die universitäre Lehre liefern.

