Würzburg. Zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen zieht die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) eine ernüchternde Bilanz. Laut aktuellen Klimadaten steuert die Welt nicht auf das angestrebte 1,5-Grad-Ziel zu – sondern auf eine Erderwärmung von 2,8 Grad Celsius. Die ÖDP warnt in ihrer aktuellen Mitteilung vor einem gesellschaftlichen Gewöhnungseffekt und fordert einen grundsätzlichen Wandel im politischen und wirtschaftlichen Denken.
Viele Versprechen der Staatengemeinschaft, die 2015 bei der Weltklimakonferenz in Paris gefeiert wurden, seien nicht eingehalten worden. „Die Klimakrise entwickelt sich nicht als Knall, sondern leise und schleichend“, so die Einschätzung der Partei. Regionale Extremwetterereignisse wie Dürren oder Stürme reichten offenbar nicht aus, um grundlegende politische Kursänderungen einzuleiten.
Gesellschaftliche Trägheit und wirtschaftlicher Egoismus
Laut ÖDP verschärft sich die Situation dadurch, dass sich Teile der Gesellschaft an die Klimakrise zu gewöhnen scheinen – mit Folgen für Konsumverhalten und politische Akzeptanz. „Der Wille zu Veränderungen wie Fleischverzicht oder Einschränkungen im Flugverkehr sinkt“, heißt es weiter. Kritik äußert die Partei besonders an Stimmen aus der Wirtschaft, die unter dem Schlagwort „neuer Realismus“ eine Abschwächung von Klimaschutzmaßnahmen fordern.
Klimapolitik dürfe nicht den kurzfristigen Interessen einzelner Branchen geopfert werden, so ÖDP-Pressesprecher Gerd Pfitzenmaier. Vielmehr brauche es eine ehrliche Neubewertung gesellschaftlicher Prioritäten – von der Produktion über die Mobilität bis zum individuellen Konsumverhalten.
Hoffnung auf neue Impulse bei Klimakonferenz in Belem
Aktuell richtet sich der Blick nach Belem, wo Ende November erneut eine internationale UN-Klimakonferenz stattfindet. Die ÖDP hofft auf Impulse, die über symbolische Gesten hinausgehen. Zwar würden solche Gipfel selten sofortige Veränderungen bringen, doch könnten sie Stimmungen und öffentliche Wahrnehmung beeinflussen.
„Es geht darum, den Klima-Blues in konstruktiven Aufbruch umzuwandeln“, so die Parteimitteilung. Gerade jetzt sei es entscheidend, dass Debatten über Formulierungen und Maßnahmen nicht nur geführt, sondern auch mutig umgesetzt würden. Die ÖDP verweist dabei auch auf eigene Parteitage, bei denen ähnliche Herausforderungen in der Konsensfindung bestehen – jedoch notwendig und zielführend seien.
Appell an Politik und Bürger
Die ÖDP fordert ein klares Bekenntnis zur sozial-ökologischen Transformation und ruft Politik und Gesellschaft auf, dem Klimaschutz wieder Priorität einzuräumen. Die Partei sieht die derzeitige wirtschaftspolitische Orientierung vieler Staaten kritisch – insbesondere, wenn Klimaziele wirtschaftlichen Wachstumszielen geopfert würden.
Nur durch grundlegende Weichenstellungen könne das Ziel, den Planeten für künftige Generationen bewohnbar zu erhalten, realistisch bleiben. Auch die Bürger seien gefragt, ihr Konsumverhalten zu hinterfragen und sich aktiv an der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft zu beteiligen.