Berlin. Die Vision einer dezentralen Weltausstellung nimmt Form an: Mit der EXPO 2035 möchte Berlin nicht nur Gastgeber eines globalen Großereignisses werden, sondern eine neue Definition dessen schaffen, was eine Weltausstellung im 21. Jahrhundert sein kann. Im Fokus stehen Nachhaltigkeit, partizipative Stadtentwicklung und innovative Architektur. Die Planungen werden von einem interdisziplinären Konzeptteam unter Einbindung führender Architekturbüros, Kreativagenturen und Wissenschaftlerinnen begleitet.
Eine EXPO, die sich über die ganze Stadt entfaltet
Anders als frühere Weltausstellungen wird sich die EXPO 2035 nicht auf ein zentrales Gelände konzentrieren, sondern auf eine Vielzahl von Orten in ganz Berlin verteilt sein. Neben einem Hauptareal mit Länderpavillons sollen urbane Satellitenstandorte entstehen – etwa in Tegel, Tempelhof, Marzahn oder am Funkhaus Nalepastraße. Sie greifen jeweils spezifische Themen auf, darunter Energie und Mobilität, digitale Bildung oder Kreislaufwirtschaft.
Dazwischen entstehen sogenannte „Kiez-Labs“ – temporäre und dauerhafte Experimentierräume für nachhaltige Stadtentwicklung, gestaltet von lokalen Initiativen. Dort soll zukunftsweisendes urbanes Leben erlebbar werden: mit urbaner Landwirtschaft, dezentralen Energienetzen und neuen Wohnformen.
Architektur als Instrument gesellschaftlicher Veränderung
Die architektonischen Entwürfe setzen auf Leichtigkeit und ökologische Intelligenz: Photovoltaik-Hüllen, adaptive Fassaden, modulare Strukturen und begrünte Dachlandschaften gehören ebenso zum Konzept wie die Wiederverwendbarkeit vieler Bauelemente. Ziel ist eine Architektur, die nicht nur gestaltet, sondern aktiv gesellschaftliches Lernen unterstützt.
Wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich wirksam
Ein von PricewaterhouseCoopers (PwC) erstellter Businessplan belegt die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Konzepts. Die EXPO 2035 könnte laut Prognose 2,1 Milliarden Euro Umsatz generieren und langfristig einen gesamtwirtschaftlichen Effekt im zweistelligen Milliardenbereich erzielen. Finanziert werden soll das Projekt über eine Kombination aus öffentlicher Förderung, privaten Partnerschaften und internationalen Kooperationen.
Initiative aus der Zivilgesellschaft
Hinter der Idee steht der Verein Global Goals Berlin e.V., der bereits über 850 Projekte zur Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele in Berlin begleitet. 2024 wurde mit der EXPO 2035 Berlin GmbH eine operative Plattform gegründet, um die Pläne in konkrete Bahnen zu lenken.
Daniel-Jan Girl, Vorstand des Vereins, betont: „Berlin kann zur ersten Weltausstellung der Nachhaltigkeit werden – und zum globalen Labor der Transformation.“
Stimmen aus dem Konzeptteam
Architekt Thomas Willemeit (GRAFT) spricht von Berlin als Stadt, „in der das Unmögliche Wirklichkeit werden kann“. Nicole Srock.Stanley sieht die EXPO 2035 als „Chance, Berlin zur Bühne einer neuen, nachhaltigen, urbanen Lebensweise zu machen“. Für Univ.-Prof. Christoph Langhof ist klar: „Berlin braucht große Themen.“
Eine neue EXPO für eine neue Zeit
Die EXPO 2035 soll mehr sein als eine Schau – sie versteht sich als Prozess, als Plattform für globale und lokale Kooperationen, als Werkzeug der Stadtentwicklung und als Ort gelebter Zukunft. Wenn das Konzept gelingt, könnte Berlin sich als Pionierin einer neuen Form der Weltausstellung weltweit positionieren.
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