dm-Chef Christoph Werner kritisiert Boykott-Aufrufe nach AfD-Debatte

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Karlsruhe. Christoph Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Drogeriekette dm, sieht sich derzeit massiver öffentlicher Kritik ausgesetzt. Auslöser sind Äußerungen im Zusammenhang mit einem Unternehmerverband und dessen Umgang mit der AfD. Während Wettbewerber wie Rossmann den Verband verlassen haben, sprach sich Werner für einen „kritischen Dialog“ aus – was in sozialen Medien zu Boykottaufrufen gegen dm führte.

AfD-Einladung bringt Verband unter Druck

Der Wirtschaftsverband „Die Familienunternehmer“ hatte Vertreter der AfD zu einem parlamentarischen Abend eingeladen. Dieser Schritt wurde als Bruch mit der bisherigen Brandmauer gegenüber der rechtspopulistischen Partei gewertet. In der Folge traten mehrere namhafte Unternehmen wie Rossmann, Fritz-Kola und Vorwerk aus dem Verband aus – sie lehnen die Einladung grundsätzlich ab und setzen ein Zeichen gegen eine Normalisierung der AfD.

Christoph Werners umstrittene Haltung

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung äußerte sich Christoph Werner zur Debatte und verteidigte die Einladung als „grundsätzlich legitim“, solange es um Parlamentarier im Bundestag gehe. Es sei wichtiger, AfD-Wähler argumentativ zu überzeugen, statt die Partei pauschal zu „verteufeln“. Diese Haltung stieß bei vielen Kundinnen und Kunden auf Unverständnis.

Gleichzeitig betonte Werner, dm habe den Austritt aus dem Verband bereits vor Monaten erklärt – der formale Vollzug war allerdings erst für Ende 2025 vorgesehen und wurde durch die aktuelle Debatte nun öffentlich bekannt.

dm in der Kritik – Reaktionen und Stellungnahme

Die Kritik an Werner entlädt sich vor allem in sozialen Netzwerken. Unter dm-Posts auf Instagram fordern viele Nutzer eine eindeutige Abgrenzung zur AfD und einen sichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Konsens gegen rechtspopulistische Positionen. Boykottaufrufe kursieren unter Hashtags wie #BoycottDM oder #KeinePlattformFürRechts.

dm reagierte mit einem öffentlichen Statement: Man stehe für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, Ausgrenzung und Diskriminierung hätten keinen Platz im Unternehmen. Der Dialog, so Werner, solle dazu dienen, demokratische Werte zu verteidigen – nicht, sie zu relativieren.

Zwischen Dialog und Distanz

Die Kontroverse wirft grundsätzliche Fragen auf: Ist ein sachlicher Dialog mit der AfD noch vertretbar – oder unterläuft er die Brandmauer zur politischen Rechten? Ökonomen wie Marcel Fratzscher warnen vor dem Signal, das eine Öffnung gegenüber der AfD an die Öffentlichkeit und Investoren sende. dm steht nun vor der Herausforderung, seine Position klarer zu kommunizieren – besonders im Vergleich zu Wettbewerbern wie Rossmann, die einen konsequenten Bruch mit dem Verband vollzogen haben.

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