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Sprachstörungen bei Kindern: ÄKN fordert frühere Diagnostik und mehr Förderung

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Hannover. Sprachstörungen bei Kindern nehmen in Niedersachsen deutlich zu. Nach aktuellen Daten des Landesgesundheitsamtes zeigen inzwischen jeder vierte Einschulungskandidat sprachliche Auffälligkeiten. Die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) und mehrere Fachinstitutionen fordern deshalb umfassende Maßnahmen, um Sprachstörungen bei Kindern früher zu erkennen und wirksamer zu behandeln.

Zwischen 2015 und 2025 stieg der Anteil der Kinder mit behandlungsbedürftigen Sprachauffälligkeiten von 21,2 auf 24,9 Prozent. ÄKN-Präsidentin Dr. Martina Wenker spricht von einer „enormen gesellschaftlichen Herausforderung“, da Sprachprobleme häufig weitere Entwicklungsstörungen nach sich ziehen. Auch Dr. Thomas Buck, Kinder- und Jugendmediziner sowie Mitglied im Landesvorstand der ÄKN, warnt, dass unbehandelte Störungen Kinder langfristig begleiten können.

Sprachstörungen bei Kindern nehmen zu

Ein interdisziplinärer Arbeitskreis der ÄKN hat ein Konsenspapier vorgelegt, das zentrale Problemfelder und Lösungsansätze benennt. Besonders kritisch sehen die Expertinnen und Experten die unzureichende und uneinheitliche Diagnostik. Vorgeschlagen wird eine standardisierte Sprachdiagnostik für alle Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen. Dafür müssten Ärztinnen und Ärzte stärkere digitale Unterstützung erhalten, sozialpädiatrische Zentren kürzere Wartezeiten ermöglichen und die pädaudiologische Versorgung landesweit ausgebaut werden.

Mehr Förderung in Kitas und bessere Therapieversorgung

In Kindertageseinrichtungen bewerten die Fachleute die bestehenden Sprachförderangebote als sinnvoll, jedoch regional stark unterschiedlich verfügbar. Da viele Kommunen unter einem Mangel an Sprachförderkräften leiden, empfiehlt das Konsenspapier den ergänzenden Einsatz digitaler Angebote, darunter eine neu zu entwickelnde Sprachförder-App.

Erhebliche Herausforderungen bestehen auch in der logopädischen Versorgung. Therapieplätze seien zu knapp und regional ungleich verteilt, was zu langen Wartezeiten führt. Der Arbeitskreis fordert deshalb mehr Investitionen in die Ausbildung von Logopädinnen und Logopäden.

Verbesserungen in der Kinderrehabilitation notwendig

Bei ausgeprägten Störungen können spezialisierte Kinderrehabilitationseinrichtungen innerhalb weniger Wochen deutliche Fortschritte erzielen. Die stetig steigenden Fallzahlen und begrenzten Behandlungskapazitäten sorgen jedoch für Wartezeiten, die aus Sicht der ÄKN dringend reduziert werden müssen. Nur mit ausreichenden personellen und strukturellen Ressourcen könne die Versorgung betroffener Kinder nachhaltig verbessert werden.

Die Forderungen des Arbeitskreises sollen laut ÄKN dazu beitragen, Sprachstörungen bei Kindern früher zu erkennen und Kindern in Niedersachsen bessere Entwicklungsbedingungen zu ermöglichen. Weitere Informationen stellt die Ärztekammer auf ihrer Website bereit (aekn.de) sowie in den sozialen Medien.

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