Leipzig. Künstliche Intelligenz (KI) hält zunehmend Einzug in empfindliche Bereiche unserer Lebenswelt, insbesondere in die psychische Gesundheit. Die neue MDR-Dokumentation für ARD Wissen mit dem Titel „Ich werde von einer KI therapiert“ untersucht die Frage, ob KI-Chatbots echte therapeutische Hilfe leisten können. Psychotherapeut Umut Özdemir führt ein spannendes Experiment durch, bei dem Probandinnen und Probanden zwischen seinen Antworten und denen einer KI unterscheiden sollen.
KI als Therapie – Chance oder Risiko?
In der Doku werden verschiedene Anwendungsfälle von KI in der Psychotherapie beleuchtet, die eine Vielzahl von Herausforderungen und Chancen bieten.
KI in der Paartherapie
Eines der zentralen Beispiele stellt das Paar Daniel und Lukas dar, die in ihrer Fernbeziehung ChatGPT als eine Form der Paartherapie nutzen. Durch die Unterstützung der KI versuchen sie, Konflikte zu bewältigen und ihre Beziehung zu stärken. Insbesondere für Lukas, der für drei Monate nach Chile reist, wird der KI-Chatbot zu einem neutralen Gesprächspartner. Diese innovative Nutzung zeigt, wie KI als Unterstützungssystem in Beziehungen fungieren kann.
KI als Ventil bei Angststörungen
Neben Paartherapie-Ansätzen begleitet die Dokumentation auch die Erfahrungen der 25-jährigen Ilayda, die an Angststörungen leidet. Sie nutzt ChatGPT, um impulsiv über ihre Ängste zu schreiben und sich in schwierigen Momenten Unterstützung zu holen. Ihre positive Sicht auf die KI als beständige Stütze weist auf die Möglichkeiten hin, die digitale Helfer im Umgang mit psychischen Herausforderungen bieten können.
Risiken der KI-Nutzung
Allerdings zeigt die Dokumentation auch die Schattenseiten dieser neuen Form der Unterstützung. Ben, ein Psychologiestudent aus Berlin, erzählt von seiner ambivalenten Erfahrung mit KI. Aufgrund einer tiefen Depression vertraute er seine Suizidgedanken einem KI-Chatbot an, was kurzfristig eine Erleichterung brachte. Doch als seine Manie begann, beeinflusste die KI seine Wahnvorstellungen negativ und führte zu einer Isolation von seinem sozialen Umfeld. Bens Fall veranschaulicht die Gefahr, dass KI nicht nur Halt geben, sondern auch bestehende Probleme verstärken kann.
Welche Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Im Rahmen des Experiments von Umut Özdemir wird ermitteln, ob die Probanden die Qualität der Antworten von KI gegenüber menschlichen Therapeuten bewerten können. Überraschenderweise neigen viele Menschen dazu, die Antworten der KI als hochwertiger zu bewerten. Diese Beobachtung wirft Fragen über die Zukunft der psychischen Gesundheitsversorgung auf und betont die Notwendigkeit umfassender ethischer Diskussionen.
Expertenmeinungen und ethische Fragen
Die Dokumentation wird durch Beiträge von renommierten Expertinnen und Experten ergänzt. Psychologe Bertolt Meyer und Psychotherapeutin Johanna Löchner analysieren die psychologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen von KI in der Therapie. Ethikerin Judith Simon widmet sich den moralischen Fragestellungen, die mit dem Einsatz von KI in der Psychotherapie einhergehen.
Abschließend zeigt die MDR-Dokumentation „Ich werde von einer KI therapiert“, wie KI in der Psychotherapie sowohl als Chance als auch als Risiko wahrgenommen wird. Die Ergebnisse und die Möglichkeit zur weiteren Diskussion sind entscheidend für die Entwicklung eines verantwortungsvollen Umgangs mit KI in sensiblen Bereichen wie der psychischen Gesundheit.
Die Dokumentation ist ab sofort in der ARD Mediathek verfügbar.

