Berlin. Pflanzliche Arzneimittel Europa sind ein bedeutender Bestandteil der Gesundheitsversorgung und tragen maßgeblich zur wirtschaftlichen Stärke des Kontinents bei. Beim zweiten European Herbal Health Product Summit in Brüssel diskutierten Experten über die gesundheitspolitische und ökonomische Bedeutung dieser Produkte.
Mehr politische Wertschätzung für pflanzliche Arzneimittel Europa
Pflanzliche Arzneimittel sind vor allem in der Selbstmedikation relevant. Sie sind rezeptfrei in Apotheken erhältlich und entlasten die europäischen Gesundheitssysteme durch ihren Einsatz im Over-the-Counter-Markt (OTC). Laut Thomas Heil, Vize-Präsident bei IQVIA Consumer Health, erreichte der europäische Phytomarkt im Jahr 2025 einen Wert von fast 15 Milliarden Euro. Davon entfallen knapp die Hälfte des Volumens auf Deutschland (26 Prozent) und Italien (21 Prozent). Gleichzeitig zeigte sich eine Verschiebung innerhalb des Marktes: Der Anteil registrierter, zum Beispiel arzneilich zugelassener, pflanzlicher Produkte nimmt ab, während die nicht registrierten Produkte zunehmen.
Bedeutung in der medizinischen Praxis
Trotz ihrer vielfältigen Anwendung sind pflanzliche Arzneimittel nach Einschätzung von Fachärztinnen und -ärzten bisher in der medizinischen Praxis und Ausbildung noch unterrepräsentiert. Dr. med. Silke Cameron aus Hannoversch Münden betonte, dass Phytopharmaka zwar in einigen deutschen Leitlinien verankert sind, das Wissen darüber jedoch stärker in die Ausbildung von Heilberufen integriert werden müsse. Ähnlich äußerten sich Experten aus Griechenland und der GA, dem europäischen Verband für Heilpflanzenforschung. Sie fordern eine engere Verknüpfung von Arzneipflanzen-Monografien mit der klinischen Praxis und eine intensivere Förderung der Forschung.
Wirtschaftliche und politische Dimensionen
Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, appellierte an die europäische Politik, die Bedeutung pflanzlicher Arzneimittel stärker anzuerkennen und regulatorische Rahmenbedingungen zu verbessern. Die Produktion mit überwiegend europäischen Lieferketten stärkt die Wertschöpfung und verringert Abhängigkeiten von Drittstaaten. Damit leisten Phytopharmaka einen Beitrag zur Resilienz und Sicherheit der Arzneimittelversorgung.
„Phytopharmaka sind wirksame, sichere und systemrelevante Arzneimittel“, sagte Dorothee Brakmann.
Der Verband Pharma Deutschland vertritt die Interessen von rund 400 Mitgliedsunternehmen, die fast 80 Prozent der rezeptfreien Arzneimittel und einen Großteil der verschreibungspflichtigen Medikamente in Deutschland bereitstellen.
Mehr Informationen zu verwandten Themen finden Sie bei regionalupdate.de sowie auf den Seiten von Pharma Deutschland.
Welche politische Bedeutung das für die Region hat, zeigt der folgende Abschnitt.
Schlussbetrachtung und Ausblick auf die politische Förderung
Pflanzliche Arzneimittel spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheitsversorgung in Europa. Für Bürgerinnen und Bürger bedeuten sie eine sichere und verfügbare Behandlungsoption, die zur Entlastung der Gesundheitssysteme beiträgt. Die bislang unzureichende politische Aufmerksamkeit soll künftig durch verstärkte regulatorische Maßnahmen und Förderung der Forschung ausgeglichen werden. Damit wird auch regional die Versorgung mit pflanzlichen Arzneimitteln langfristig gesichert. Die nächsten Schritte sehen vor, die Einbindung von pflanzlichen Arzneimitteln in die Ausbildung von Heilberufen zu intensivieren und politische Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene weiterzuentwickeln. Termine für entsprechende Gesetzgebungsverfahren oder politische Initiativen sind derzeit noch nicht konkret bekannt.

