Niedersachsen. Zum Equal Pay Day 2026 fordert Gleichstellungsminister Dr. Andreas Philippi eine gerechte Verteilung von Care-Arbeit und eine bessere Nutzung des Fachkräftepotenzials von Frauen. Trotz Fortschritten bestehen weiterhin geschlechtsspezifische Entgeltunterschiede, die besonders im höheren Alter stark zunehmen.
Gleiche Bezahlung fordern
Bedeutung des Equal Pay Day 2026
Der Equal Pay Day markiert symbolisch den Tag im Jahr, bis zu dem Frauen rechnerisch ohne Bezahlung arbeiten, verglichen mit Männern. In Niedersachsen liegt der bereinigte Gender Pay Gap bei 5 Prozent, etwas unter dem bundesweiten Durchschnitt von 6 Prozent. Unbereinigt verdienen Frauen durchschnittlich 4,10 Euro pro Stunde weniger als Männer. Diese Lohnlücke verstärkt sich im Verlauf des Berufslebens und erreicht bei den 60- bis 64-Jährigen mit 27 Prozent die größte Differenz.
Herausforderungen bei der vereinbarten Entgeltgleichheit
Dr. Philippi betont, dass Frauen weiterhin häufiger als Männer in Teilzeit arbeiten, weil sie berufliche Aufgaben mit Familien- und Pflegeverantwortung verbinden. Dies führt häufig zu schlechter bezahlten Positionen und geringeren Karrierechancen, was sich wiederum negativ auf Vermögensaufbau und Altersvorsorge auswirkt. Eine gerechte Aufteilung von Care-Arbeit soll hier Abhilfe schaffen, um die strukturelle Benachteiligung zu verringern und das Fachkräftepotenzial von Frauen besser zu nutzen.
„Frauen stellen ein bedeutendes, jedoch oft ungenutztes Fachkräftepotenzial dar. Die volle Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt kann erheblich zur Deckung des Fachkräftebedarfs beitragen und die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft stärken“, sagte Gleichstellungsminister Dr. Andreas Philippi.
Flexiblere Arbeitsbedingungen und gesetzliche Reformen
Förderung familienbewusster Arbeitsplätze
Minister Philippi fordert Unternehmen auf, alte Rollenbilder abzubauen und flexible Arbeitszeitmodelle zu ermöglichen. Untersuchungen zeigen, dass 45 Prozent der Mütter bereit wären, ihre Arbeitszeit bei familienfreundlicheren Bedingungen um durchschnittlich 8,6 Wochenstunden zu erhöhen. Auch Männer sollten sich stärker in Care-Aufgaben einbringen, um Frauen die Vereinbarkeit von gut bezahlter Arbeit und Familie zu erleichtern.
Politische Maßnahmen in Niedersachsen und Deutschland
Das Land Niedersachsen plant mit einer Reform des Niedersächsischen Gleichstellungsgesetzes (NGG) die Vereinbarkeit von Beruf und Care-Verantwortung für alle Beschäftigten zu fördern. Die Teilzeitbeschäftigung soll auch in Führungspositionen möglich werden. Bundesweite Forderungen richten sich an die Abschaffung des Ehegattensplittings und eine Anpassung des Bundeselterngeldgesetzes zur Förderung einer gerechten Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern. Zudem steht die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie bis zum 7. Juni 2026 aus, die mehr Transparenz bei Entgeltunterschieden schaffen soll.
„Auch mit der Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht machen wir einen wichtigen Schritt. Doch die Bundesregierung muss sicherstellen, dass diese Maßnahmen schnell und konsequent in die Praxis umgesetzt werden“, sagte Philippi.
Weiterer Ausblick zur Entgeltgleichheit in Niedersachsen
Das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung setzt sich weiterhin für die Beseitigung von Benachteiligungen aufgrund der Übernahme von Care-Verantwortung ein. Die Reformen zielen darauf ab, familienbewusste betriebliche Bedingungen zu etablieren und die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen in allen Lebensphasen zu stärken.
Weitere Informationen zum Equal Pay Day und zur Gleichstellungspolitik in Niedersachsen finden Sie auf der Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung.
Lesen Sie auch unseren Beitrag zu aktuellen arbeitsmarktpolitischen Themen in Niedersachsen auf regionalupdate.de.
Ausblick auf weitere Maßnahmen
Die kommenden Monate werden richtungsweisend für die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben im Bereich Entgeltgleichheit. Insbesondere die praktische Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie und die Reformen im Niedersächsischen Gleichstellungsgesetz werden zeigen, wie schnell und wirksam Maßnahmen zur Förderung der Gleichstellung greifen. Die landespolitischen Initiativen sollen dabei helfen, die Balance zwischen Beruf, Familie und Pflege in Niedersachsen nachhaltig zu verbessern.
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