Berlin. Die aktuelle DIHK-Umfrage zur Initiative „Buy European“ zeigt, dass Europas Industrie Freiheit statt neuer Fesseln benötigt. Der geplante Industrial Accelerator Act der EU-Kommission soll zwar Genehmigungsverfahren beschleunigen und heimische Produktion fördern, doch viele Unternehmen befürchten mehr Bürokratie und handelspolitische Risiken.
Industrie braucht Freiheit
Der Industrial Accelerator Act (IAA) der EU-Kommission zielt darauf ab, strategische Industrien durch schnellere Genehmigungsverfahren und „Buy European“-Vorgaben zu stärken. Ziel ist eine höhere Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz in Zeiten globaler Unsicherheiten.
Kritik an Lokalisierungs- und Präferenzregeln
Der DIHK äußert Bedenken hinsichtlich der geplanten Lokalisierungs- und Präferenzvorgaben, die neue bürokratische Hürden schaffen könnten. Volker Treier, Außenwirtschaftschef des DIHK, erklärt:
„Die deutsche Industrie braucht jetzt vor allem das Signal, dass das Wirtschaften in Europa für alle einfacher und kostengünstiger wird. Branchenspezifische und kleinteilige Ansätze, die Bürokratie und Abschottung mit sich bringen, sind nicht der nötige Befreiungsschlag, den der Standort Europa braucht.“
Solche Vorgaben könnten kleinen und mittelständischen Unternehmen besonders schaden, etwa durch aufwändige Herkunftsnachweise und verschärfte Anforderungen bei öffentlichen Vergaben. Dies bedeute zusätzliche Kosten und Wettbewerbsnachteile.
Ergebnisse der DIHK-Umfrage
Die Umfrage zeigt, wie sensibel die Unternehmen auf „Buy European“-Maßnahmen reagieren:
- 75 Prozent erwarten spürbare Auswirkungen auf ihr Geschäft.
- 55 Prozent fürchten mehr bürokratischen Aufwand wegen Herkunftsnachweisen.
- 43 Prozent rechnen mit höheren Produktionskosten.
- 42 Prozent hoffen auf bessere Wettbewerbschancen im EU-Binnenmarkt.
- 36 Prozent befürchten Gegenreaktionen von Handelspartnern und erschwerten Zugang zu Drittlandmärkten.
- 29 Prozent sorgen sich um den Verlust bestehender Lieferanten.
Diese Zahlen verdeutlichen die komplexen Herausforderungen bei der Umsetzung solcher Maßnahmen.
Offenheit statt Abschottung
Der DIHK kritisiert zudem die geplanten Auflagen für Investitionen aus Drittstaaten. Europa brauche vielmehr offene und verlässliche Rahmenbedingungen, die den internationalen Verpflichtungen, wie denen der Welthandelsorganisation, entsprechen.
„Wer Europas Industrie stärken will, verbessert die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts, reduziert Bürokratie und erleichtert Investitionen – anstatt neue Hürden aufzubauen.“
Diese Aussagen unterstreichen den Bedarf nach freiheitlichen Bedingungen für die Industrie in Europa.
Weiterentwicklung der Industriepolitik im Fokus
Die Diskussion um den Industrial Accelerator Act und „Buy European“ steht am Anfang entscheidender Verhandlungen in Brüssel. Unternehmen, Politik und Interessenvertretungen werden die Folgen für Europas Industrie weiterhin genau beobachten. Geplant sind weitere Analysen der Auswirkungen und Anpassungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Für mehr Informationen zur europäischen Industriepolitik besuchen Sie auch unsere Beiträge auf regionalupdate.de. Offizielle Details zum Industrial Accelerator Act sind bei der EU-Kommission erhältlich: europa.eu.
