Was bedeutet es, die Heimat unfreiwillig verlassen zu müssen? Acht Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs haben sich Jugendliche aus ganz Niedersachsen dieser existenziellen Frage gestellt. Die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung stehen nun im Mittelpunkt einer besonderen Veranstaltung: Am 8. April 2026 lädt der Niedersächsische Landtag zur Preisverleihung des Videowettbewerbs „Heimatvertrieben“ ein. In Kooperation mit dem Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe sowie dem Bund der Vertriebenen wird das Forum des Landtages zum Ort des Dialogs zwischen den Generationen.
Junge Perspektiven auf ein schweres Erbe
Der Videowettbewerb, initiiert vom Landesbeauftragten Deniz Kurku, rief Jugendliche dazu auf, sich mit der Geschichte von Flucht und Vertreibung auseinanderzusetzen – ein Thema, das Niedersachsen als Aufnahmeland für Millionen Vertriebene nach 1945 tief geprägt hat. Die entstandenen Beiträge leisten einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur.
Landtagspräsidentin Hanna Naber betont die Bedeutung des Projekts: „Die entstandenen Videos erzählen die Geschichten von Menschen, die ihre Heimat unfreiwillig verlassen mussten – ein existenzieller Einschnitt. Die Beiträge halten die Erinnerung lebendig und laden dazu ein, das Verständnis für diesen Teil unserer Geschichte zu vertiefen.“ Indem junge Menschen die Schicksale ihrer Vorfahren oder Mitmenschen filmisch aufbereiten, wird Geschichte aus den Archiven in die Gegenwart geholt.
Programm: Reflexion und Dialog
Die Veranstaltung am 8. April bietet neben der Würdigung der Wettbewerbsbeiträge auch Raum für tiefgehende fachliche Diskussionen. Ein zentraler Programmpunkt ist das Podiumsgespräch, an dem unter anderem die renommierten Autoren Werner Sonne und Thomas Kreutzmann teilnehmen. Beide haben sich in ihrem Werk intensiv mit den Themen „Schuld und Leid“ beschäftigt.
Der geplante Ablauf im Forum des Landtages:
- 16:00 Uhr: Begrüßung durch Landtagspräsidentin Hanna Naber.
- 16:05 Uhr: Vorstellung des Wettbewerbs durch Deniz Kurku.
- 16:10 Uhr: Präsentation und feierliche Auszeichnung der Jugendbeiträge.
- 16:40 Uhr: Vorstellung der Autoren Werner Sonne und Thomas Kreutzmann.
- 16:50 Uhr: Podiumsgespräch mit den Autoren, dem Videofilmer Michael Eibl und der Historikerin Natalie Reinsch.
- 17:20 Uhr: Schlusswort durch Prof. Dr. Junk (Stiftung Verbundenheit).
Erinnerung als Brücke zur Gegenwart
Die Auseinandersetzung mit Vertreibung ist heute, vor dem Hintergrund aktueller weltweiter Fluchtbewegungen, aktueller denn je. Die Veranstaltung im Landtag schlägt eine Brücke zwischen den historischen Erfahrungen der Nachkriegsgeneration und den Wahrnehmungen heutiger Jugendlicher. Sie verdeutlicht, dass Heimatverlust eine universelle menschliche Erfahrung ist, die Mitgefühl und historisches Bewusstsein erfordert.
Medienschaffende sind eingeladen, über die Veranstaltung zu berichten. Eine Anmeldung bei der Pressestelle des Landtages ([email protected]) ist für die Teilnahme erforderlich.

