Die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein hat die Organisation des ambulanten Notdienstes optimiert. Ziel ist es, die hausärztliche Versorgung außerhalb der Sprechzeiten zu verbessern und die Praxen zu entlasten.
Digitale Steuerung für schnellere Hilfe
Ein Freitagnachmittag in Neuss: Dr. Duc Phu Dinh, Internist und Allgemeinmediziner, verlässt mit seinem Arztkoffer und Tablet das Johanna-Etienne-Krankenhaus. Seine Fahrerin, Alexandra Bindels, erwartet ihn bereits, um ihn zu den Patienten zu fahren. Dank der neuen digitalen Steuerung durch die Servicenummer 116 117 kann der ambulante Notdienst im Rheinland effektiver und flexibler arbeiten. Ab April 2026 wird dieses Modell auf ganz Nordrhein-Westfalen ausgeweitet.
Neues Modell schafft Entlastung für Ärzte
Die Abläufe des ambulanten Notdienstes bleiben dabei für die Patienten bewährt. Anrufe außerhalb der regulären Praxiszeiten werden zunächst über die kostenlose Servicenummer 116 117 entgegengenommen und von der Disposition in Köln organisiert. Dadurch hat Dr. Dinh sofort Zugang zu sämtlichen relevanten Informationen über die Patienten, was ihm die Möglichkeit gibt, schnell und präzise zu entscheiden, ob er sofort zu einem Hausbesuch aufbrechen soll oder ob eine telefonische Klärung ausreicht.
Diese digitale Unterstützung sorgt nicht nur für eine erhöhte Sicherheit, insbesondere während nächtlicher Einsätze, sondern reduziert auch die Transportwege erheblich. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Einsatz bei einer 86-jährigen Patientin mit Bauchschmerzen wird durch die effiziente Koordination schnell umgesetzt – Dr. Dinh kann sofort mit der Familie der Patientin sprechen und die Einweisung in eine Klinik organisieren.
Effiziente Strukturen für bessere Versorgung
Mit dieser Reform wurde die Verpflichtung von Haus- und Fachärzten, Fahrdienste zu übernehmen, aufgehoben. Stattdessen sind jetzt speziell für diesen Dienst engagierte Ärzte zuständig, die mit der KV Nordrhein kooperieren. Dies entlastet die niedergelassenen Ärzte von organisatorischen Belastungen und ermöglicht planbare Einsätze. Die neue Fahrdienststruktur bedeutet auch, dass Ärzte nicht mehr ihre privaten PKWs für Hausbesuche nutzen müssen, was zusätzlichen Druck von ihnen nimmt.
Ab April 2026 wird zudem die Anzahl der Fahrdienstbezirke von 54 auf 20 neu strukturiert. Diese Umgestaltung basiert auf einer umfassenden Analyse der vergangenen Einsatzfahrten und ermöglicht eine flexiblere Steuerung der Einsätze, insbesondere an Tagen mit hohem Patientenaufkommen.
Für die fast zehn Millionen Menschen im Rheinland stellt diese Reform sicher, dass sie auch außerhalb der regulären Sprechstunden zuverlässig medizinische Hilfe erhalten. Durch den neuen Ansatz zeigt sich, wie wichtig digitale Prozesse in der Gesundheitsversorgung sind, um schnelle und effiziente Lösungen zu bieten und gleichzeitig die Patientenorientierung zu stärken.

