Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass Fach- und Führungskräfte der Chemie- und Pharmaindustrie unzufrieden mit der Lage in Deutschland sind. Besonders die Energiepreise und die Bürokratie belasten den Wirtschaftsstandort erheblich. Ohne zeitnahe Reformen droht eine Deindustrialisierung.
Unzufriedenheit wegen hoher Energiepreise
Fach- und Führungskräfte aus der Chemie- und Pharmaindustrie äußern massive Bedenken über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. Die Branchenorganisationen VAA und DECHEMA haben in einer Umfrage festgestellt, dass die Energiepreise als größter Schmerzpunkt für die Branche gelten. Hinter diesen Kostenfaktoren steht die Angst, dass sie Arbeitsplätze gefährden und somit die deutsche Resilienz beeinträchtigen. Dr. Christoph Gürtler, 2. Vorsitzender des VAA, betont: „Industriepolitisch ist ein Jahr verloren gegangen. Wir müssen endlich eine konsistente Wirtschaftspolitik verfolgen, um Arbeitsplätze zu sichern.“
Folgen der Irankrise für die Industrie
Die anhaltende Irankrise trägt zur Unsicherheit bei und hat die bereits hohen Energiepreise weiter ansteigen lassen. Insbesondere die chemische Industrie, die stark energieabhängig ist, sieht sich vor ernsthafte Herausforderungen gestellt. VAA-Hauptgeschäftsführer Stephan Gilow macht deutlich: „Halbmaßnahmen reichen nicht aus! Die Energiepreisbelastung muss dringend reduziert werden, um die Branche zu unterstützen.“
Positive Aspekte der Umfrage
Trotz der überwiegen negativen Rückmeldungen zeigt die Umfrage auch einige positive Ergebnisse. So bewerten die Fachkräfte die Verkehrs- und Digitalinfrastruktur sowie die Verfügbarkeit von Fachkräften besser als im Vorjahr. Auch das Ausbildungsniveau der Arbeitskräfte findet breite Anerkennung. Dr. Andreas Förster von DECHEMA hebt hervor, dass Deutschland über exzellente, kreativ ausgebildete Fachkräfte verfügt, die für die Innovationskraft der Branche unerlässlich sind. „Jetzt braucht es jedoch die richtigen Rahmenbedingungen, damit diese Potenziale entfaltet werden können,“ fordert Förster.
Die Umfrage wurde zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 unter den Mitgliedern von VAA und DECHEMA durchgeführt, die in Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Chemie- und Pharmabranche tätig sind. Christoph Gürtler warnt: „Arbeitsplätze in der deutschen Chemieindustrie, die verloren gehen, werden sich nur sehr schwer zurückholen lassen. Die Bundesregierung muss dringend beim Reformtempo zulegen, um eine Deindustrialisierung zu verhindern.“

