Kassym-Schomart Tokajew, Präsident von Kasachstan, hat den UN-Sicherheitsrat dafür kritisiert, notwendige Reformen der Vereinten Nationen zu blockieren. In seiner Rede beim Antalya Diplomacy Forum in der Türkei forderte er mehr Fortschritte in der Modernisierung der Organisation.
Blockaden im UN-Sicherheitsrat
Beim Antalya Diplomacy Forum äußerte Tokajew, dass die internationale Gemeinschaft zwar regelmäßig über die Zukunft der UN spreche, jedoch konkrete Maßnahmen zur Reformierung ausbleiben. Er sieht die grundlegende Ursache in den strukturellen Blockaden innerhalb des Sicherheitsrates, der seiner Meinung nach nicht mehr den politischen Realitäten des 21. Jahrhunderts Rechnung trage. Tokajew bezweifelt, dass dies kurzfristig Veränderungen zulassen wird.
Schwächung multilateraler Institutionen
Der kasachische Staatschef warnte darüber hinaus vor der fortschreitenden Schwächung multilateraler Institutionen. Er stellte fest, dass immer mehr internationale Gespräche und Krisenverhandlungen außerhalb des Rahmens der Vereinten Nationen stattfinden, was die Einflussmöglichkeiten der UN bei der Lösung globaler Konflikte einschränke.
Die Rolle mittlerer Mächte
Tokajew hob die wachsende Bedeutung mittlerer Mächte hervor, wie Kasachstan und die Türkei. Diese Staaten könnten einen bedeutsamen Beitrag zur internationalen Stabilität leisten, indem sie pragmatische Außenpolitik und ausgewogene Beziehungen zwischen verschiedenen Mächten pflegen. Besonders in einer zunehmend fragmentierten Weltordnung komme ihnen eine größere Verantwortung zu.
Im Hinblick auf die Spannungen im Nahen Osten rief Tokajew alle beteiligten Parteien zu strategischer Zurückhaltung auf und betonte die Notwendigkeit politischer sowie diplomatischer Lösungen. Der Präsident mahnte, dass Fragen der nuklearen Sicherheit besonderen Fokus erhalten sollten.
Kasachstan verfolgt bereits seit Jahren eine außenpolitische Linie des Ausgleichs und möchte sich als Mittler zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten positionieren. Tokajews Auftritt in Antalya untermauert den Anspruch des Landes, als konstruktive Mittelmacht und Brückenbauer in internationalen Krisen zu fungieren.

