Eine internationale Studie zeigt, dass schnellere Entscheidungen beim Schachspielen einem höheren Qualitätsniveau entsprechen. Die Forschung wurde in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht und untersucht den Zusammenhang zwischen Entscheidungsdauer und -qualität.
Studie analysiert 215.000 Schachzüge
In einer umfassenden Untersuchung hat ein Forschungsteam unter Leitung von Professor Uwe Sunde von der LMU München die Qualität komplexer Entscheidungen im Schachspiel analysiert. Dabei wurden 215.000 Züge aus 3.600 Turnierpartien untersucht. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine kürzere Überlegenszeit mit einer höheren Entscheidungsqualität einhergeht.
Korrelation zwischen Zeitdruck und Entscheidungsqualität
Die Studie weist darauf hin, dass länger nachzudenken nicht unbedingt zu besseren Entscheidungen führt, sondern oft darauf hindeutet, dass die Aufgabe als schwieriger empfundenda wird. Uwe Sunde äußert sich zu den bisherigen Studien, die in Laborsituationen meist einfache Entscheidungen untersuchten: „Wir wollten echte Entscheidungen in komplexen Situationen analysieren.“ Dazu haben die Forscher die Zeit, die Schachspieler für ihre Entscheidungen benötigen, gemessen und die Qualität dieser Züge mit Benchmarks von Schachcomputern verglichen.
Intuition als entscheidender Faktor
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist, dass schnellere Entscheidungen häufig mit einer höheren Qualität einhergehen, auch wenn man die Komplexität der Entscheidungsfindung in Betracht zieht. „Die Fähigkeit, intuitiv zu entscheiden, scheint entscheidend zu sein“, so Sunde. Wer länger über einen Zug nachdenkt, könnte sich der Entscheidung komplexer erscheinen und damit schlechtere Ergebnisse erzielen. „Der Mensch hat die Fähigkeit, situativ zu erkennen, was gut ist“, erklärt Sunde weiter.
Die Erkenntnisse könnten nicht nur für Schachspieler von Bedeutung sein, sondern auch für Situationen im Alltag, in denen schnelle Entscheidungen getroffen werden müssen. Sunde und sein Team hoffen, dass die Ergebnisse ihrer Forschung auch auf andere komplexe Entscheidungsfelder übertragen werden können.

