Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bestätigt in einer ARD-Doku die großflächigen GPS-Störungen im Ostseeraum, die von Russland ausgehen. Diese Störungen gefährden nicht nur den Luftverkehr, sondern auch die maritime Sicherheit.
Hybride Angriffe auf Navigationssysteme
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas hat die Recherchen des NDR über mutmaßliche Störungen von Navigationssignalen durch Russland im Ostseeraum bekräftigt und als hybride Angriffe eingestuft. In der ARD-Dokumentation „Unsichtbarer Angriff“, die am Dienstag, dem 26. Mai, ausgestrahlt wird, äußert Kallas, dass solche Taktiken nicht zur neuen Normalität werden dürfen. Die NDR-Reporter haben dabei Flug- und Schiffskapitäne sowie Sicherheitsexperten interviewt, die die Ernsthaftigkeit der Situation unterstreichen.
Gefährdung der Luftfahrt
Ein deutscher Pilot der „Vereinigung Cockpit“, Niklas Ahrens, warnte vor den Folgen von gestörten GPS-Signalen, oft verursacht durch „Jamming“ und „Spoofing“. Die verlässlichen Navigationssysteme sind die Grundlage für die Sicherheit der Luftfahrt. Diese Störungen führen zu verzweifelten Maßnahmen: Teile des Sicherheitssystems werden im Cockpit abgeschaltet, um Fehlwarnungen zu vermeiden. „Wir nehmen uns so aber auch das Sicherheitsnetz, das uns in kritischen Momenten schützen könnte,“ sagt Ahrens. Ein Pilot einer dänischen Airline bestätigt, dass diese Störungen seit 2022 erheblich zugenommen haben. Besondere Berichte über gesetzte Gefahren kommen von Routen in den Baltischen Raum und nach Finnland.
Risiken für die Schifffahrt und weiterführende Folgen
Die GPS-Störungen sind auch für die maritime Sicherheit besorgniserregend. Magnus Winberg von der finnischen Seefahrtsakademie Aboa Mare äußert im Dokumentarfilm, dass er eine ernsthafte Gefahr für die Schifffahrt befürchtet: „Ich befürchte wirklich, dass irgendwann ein Schiff auf Grund läuft oder es eine Kollision gibt.“ Laut dem britischen Royal Institute of Navigation sind die Störsignale dazu gedacht, feindliche Drohnen in Kriegsgebieten abzulenken. Russland strahlt diese Signale jedoch weit über die tatsächlichen Konfliktzonen hinaus aus. Ein tragischer Vorfall, der im Jahr 2024 zu einem Absturz einer aserbaidschanischen Passagiermaschine mit 38 Todesopfern führte, wird ebenfalls auf diese Störungen zurückgeführt.
In der Doku betont Sicherheitsexperte Nico Lange, dass Russland die GPS-Störungen strategisch in den Bereich der Kriegführung einordnet. Er erläutert, dass Russland offenbar sowohl gedanklich als auch planerisch Überlegungen zu militärischen Operationen im Ostseeraum anstellt, die sich gegen Anrainerstaaten, inklusive Deutschland, richten. Die Lufthansa hat auf Anfrage bestätigt, dass solche Störungen eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der Zivilluftfahrt darstellen, doch ihr Sicherheitssystem gewährleiste dennoch den Schutz der Passagiere.
Die Russische Botschaft in Berlin wies in der Vergangenheit die Vorwürfe als unbegründet und haltlos zurück. Die Doku „Unsichtbarer Angriff: Wie Russlands Störsignale Europa bedrohen“ wird am Dienstag, dem 26. Mai, um 22.50 Uhr im Ersten ausgestrahlt und ist bereits ab dem 23. Mai in der ARD Mediathek verfügbar.

