Strafverfahren vor dem Landgericht Osnabrück: Terminte in der ersten Juniwoche 2026

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Schwere Verbrechen und Betrugsfälle beschäftigen die Osnabrücker Gerichte in der kommenden Woche

Das Landgericht Osnabrück hat für die Woche vom 1. bis 5. Juni 2026 eine umfangreiche Liste von Strafverfahren angesetzt. Die Termine zeigen die Vielfalt der Kriminalität in der Region: Von schweren Körperverletzungen über organisierte Betrugsnetzwerke bis zu Drogenhandel reicht das Spektrum der anstehenden Fälle.

Montag, 1. Juni 2026

1. Große Strafkammer – Saal A 223 (9:00 Uhr)

Erpresserischer Menschenraub und Raub

Eine besonders grausame Strafsache steht auf dem Programm: Ein 40-jähriger Mann aus dem Einzugsgebiet Lingen muss sich vor Gericht verantworten. Er soll mindestens zweimal Prostituierte überfallen haben – zunächst im Januar 2025, dann erneut im Februar 2025. In beiden Fällen setzte er eine Softair-Pistole ein, die von den Opfern für eine echte Waffe gehalten wurde.

Bei der ersten Tat fesselte der Mann sein Opfer mit Kabelbinder ans Bett und durchsuchte die Wohnung nach Bargeld. Beim zweiten Überfall flüchtete die Frau und konnte sich retten. Der Bundesgerichtshof hob in der Folge das ursprüngliche Urteil teilweise auf – die 1. Große Strafkammer muss nun neu über die Einzelstrafen entscheiden.

Fortsetzung: 3. Juni 2026

3. Große Jugendkammer – Saal B 302 (9:00 Uhr)

Beihilfe zu räuberischer Erpressung

Ein 26-Jähriger aus Meppen sitzt auf der Anklagebank. Ihm wird vorgeworfen, einem Komplizen eine Schreckschusspistole übergeben zu haben. Mit dieser Waffe drangen die Männer im Mai 2021 in ein Bordell in Haselünne ein und überfielen eine Angestellte. Die Geschädigte wurde am Hals gepackt und gegen die Tür gedrückt. Sie übergab der Täter 1.020 Euro Bargeld.

Fortsetzung: 8. Juni 2026, neun Zeugen sind geladen

10. Große Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Organisiertes Callcenter-Betrugsnetzwerk

Ein 51-jähriger Mann aus Oldenburg wird des bandenmäßigen Betruges in fünf Fällen angeklagt. Nach Ermittlungen betrieb er 2019 in der Türkei ein Callcenter, dessen Geschäftsmodell simpel war: Ältere Menschen in Deutschland sollten durch betrügerische Anrufe um große Vermögensanteile gebracht werden.

Der Angeklagte fungierte als Geschäftsführer und Weisungsgeber. In mehreren Fällen war er selbst als Anrufer tätig. Die Betrügereien richteten sich gegen Opfer in Duisburg, Villingen-Schwenningen, Gelsenkirchen, Regensburg und Belm. Der Prozess ist umfangreich und ist mit Fortsetzungen bis Ende Juni angesetzt.

Termine: 2., 3., 5., 12., 15., 17., 19., 22., 24. Juni, jeweils 9:00 Uhr

Montag, 1. Juni – Kleine Strafkammern (Berufungen)

7. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Falsche Verdächtigung im Verkehrskontext

Ein 47-Jähriger aus Gehrde legte gegen seine Verurteilung Berufung ein. Das Amtsgericht Osnabrück verurteilte ihn zu 50 Tagessätzen à 100 Euro. Der Grund: Er gab sich nicht als Fahrerführer eines Autos aus, das in Dissen geblitzt wurde – obwohl er es war. Im Bußgeldverfahren versuchte er, eine andere Person zu belasten.

7. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (11:00 Uhr)

Betäubungsmittel im Gefängnis

Ein 38-Jähriger, derzeit in JVA Lingen inhaftiert, legt Berufung gegen eine zweimonatige Freiheitsstrafe ein. Ihm wird vorgeworfen, im Gefängnis mit einem betäubungsmittelhaltigen Papierstück angetroffen worden zu sein.

13. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Angriff auf Polizeibeamte während Hausdurchsuchung

Eine 28-Jährige aus Sustrum muss sich wegen ihres Verhaltens während einer Wohnungsdurchsuchung vor Gericht verantworten. Sie soll einen Polizeibeamten gestoßen und am Kragen gepackt haben. In der folgenden Auseinandersetzung wurde der Beamte verletzt.

Acht Zeugen sind geladen

16. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Körperverletzung mit Bierglas in Gaststätte

Ein 23-Jähriger aus Wilsum soll am 29. Dezember 2024 während eines Gerangels in einer Gaststätte einen anderen Mann mit seinem Bierglas am Kopf getroffen haben. Das Opfer erlitt ein Bluterguss am Auge und mehrere Schnittwunden. Ein Sachverständiger ist als Zeuge geladen.

Dienstag, 2. Juni 2026

3. Große Jugendkammer – Saal B 302 (9:00 Uhr)

Gemeinschaftliche Vergewaltigung im Hasepark

Ein schwerer Fall sexueller Gewalt belastet die Gerichtsakten: Zwei Männer (jetzt 28 und 31 Jahre alt) werden angeklagt, eine Frau im August 2025 im Hasepark in Osnabrück überfallen und vergewaltigt zu haben.

Die Vorwürfe sind gravierend: Die Männer sollen die Frau ins Gebüsch gezogen haben, Sie mit einem Schweizer Taschenmesser bedroht haben, das die Frau zu ihrer Verteidigung gezückt hatte. Die Täter sollen der Frau die Kleidung zerschnitten, sie damit gefesselt und schließlich mit Messer, Bargeld und Smartphone geflohen sein.

Fortsetzungen: 23. Juni (9:00 Uhr), 25. Juni (14:00 Uhr), 30. Juni (9:00 Uhr) Zwei Dolmetscher und zwei Sachverständige sind geladen

21. Große Jugendkammer – Saal A 114 (9:30 Uhr)

Drogenhandel in großem Stil

Zwei junge Männer (30 und 25 Jahre alt) aus Lähden und Haselünne müssen sich wegen Drogenhandels verantworten. Der 30-Jährige wurde vom Amtsgericht Meppen zu 1 Jahr und 10 Monaten verurteilt (Bewährung ausgesetzt). Der 25-Jährige erhielt eine Geldauflage von 1.200 Euro.

Zwischen Mai und Oktober 2021 soll der 30-Jährige mehrfach Betäubungsmittel verkauft haben. Der 25-Jährige übernahm teilweise die Auslieferung. Bei einer Durchsuchung im November 2022 fanden Ermittler diverse Drogen: Amphetamine, Marihuana, MDMA, Ecstasy-Tabletten.

Fortsetzung: 3. und 4. Juni, jeweils 9:30 Uhr. Vier Zeugen geladen

5. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Verdacht des Diebstahls in Pflegeheim

Eine 30-Jährige aus Wallenhorst legte Berufung ein. Sie soll als Arbeitnehmerin in einem Pflegeheim Bargeld und Schmuck gestohlen haben – allerdings sprach das Amtsgericht sie in zwei Fällen frei. Die Verurteilung zu 70 Tagessätzen betraf nur die „Diebesfalle“-Tat.

5. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (14:00 Uhr)

Ladendiebstahl im Supermarkt

Ein 28-Jähriger ohne festen Wohnsitz soll am 13. Januar 2026 eine Flasche Vodka (Wert: 8,49 Euro) aus einem Supermarkt in Haselünne gestohlen haben und diese in seinen Hosenbund gesteckt haben.

9. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Fahren ohne Führerschein und Urkundenfälschung

Ein 44-Jähriger aus Papenburg soll nicht nur ohne Fahrerlaubnis gefahren sein, sondern auch ein falsches Kennzeichen angebracht haben. Das Fahrzeug war zudem nicht haftpflichtversichert.

9. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (11:00 Uhr)

Betrug bei Solaranlagen-Installation

Ein 45-jähriger Installateu aus Melle wurde vom Amtsgericht freigesprochen. Ihm war vorgeworfen worden, 2022 und 2023 Kunden Angebote für Solaranlagen gemacht zu haben, ohne die Arbeiten erbringen zu wollen. Das Gericht sah jedoch keine ausreichenden Beweise.

Donnerstag, 4. Juni 2026

5. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Marihuana-Handel in großem Umfang

Ein 46-Jähriger aus Lingen (Ems) muss sich wegen verbotenen Handeltreibens mit Cannabis in 49 Fällen vor Gericht verantworten. Der Mann soll zwischen Januar 2022 und Januar 2023 regelmäßig Marihuana verkauft haben.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Januar 2023 fanden Beamte CBD, Cannabis-Samen und Marihuana. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu 1 Jahr Freiheitsstrafe (Bewährung ausgesetzt) und ordnete die Einziehung von 8.150 Euro an.

Fortsetzungen: 16. und 23. Juni, jeweils 9:00 Uhr. 13 Zeugen geladen

13. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Unterschlagung bei Paketdienst

Ein 23-Jähriger aus Messingen soll als Kurierfahrer eines Paketdienstes in Lingen Pakete als zugestellt markiert haben, ohne sie tatsächlich ausgeliefert zu haben. Er behielt die Pakete für sich. Zwischen Januar und März 2023 geschah dies in 11 Fällen. Der Schaden: etwa 1.302 Euro.

16. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (9:15 Uhr)

Fahren ohne Versicherungsschutz

Ein 37-Jähriger aus Esterwegen fuhr 2024 ohne gültige Fahrerlaubnis und ohne Haftpflichtversicherung. Ein Mitarbeiter seiner Firma fuhr zudem ein Auto, dessen Versicherungsschutz schon lange erloschen war.

Freitag, 5. Juni 2026

8. Große Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Schwerer Raub mit Waffe

Ein dramatischer Fall von Gewalt: Eine 42-Jährige und ein 45-Jähriger (beide derzeit in JVA Vechta) sollen am Abend des 3. September 2025 eine Wohnung in Bramsche überfallen haben. Sie betraten unter Vorhalten einer Pistole die Wohnung und forderten Geld auf.

Die Frau entriss der 42-Jährigen eine Goldkette vom Hals und nahm zwei Smartphones. Der 45-Jährige schlug eine Tonfigur auf den Kopf eines Bewohners. Beide bedrohten die Opfer mit einer Schere.

Fortsetzungen: 18. und 22. Juni, jeweils 9:00 Uhr

21. Große Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Geldwäsche durch Kontoinhaber

Ein 21-Jähriger aus Osnabrück wurde wegen leichtfertiger Geldwäsche in zwei Fällen zu 1 Jahr und 4 Monaten Jugendstrafe verurteilt. Er stellte sein Konto für Geldtransfers zur Verfügung. Im November und Dezember 2024 gingen Zahlungen von insgesamt etwa 18.000 Euro ein, die er weiterleitete – obwohl ihm bekannt war, dass das Geld aus Straftaten stammte.

9. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Schwere Körperverletzung mit Schraubendreher

Ein 47-Jähriger (derzeit in JVA Oldenburg) soll im Oktober 2023 mit einem Schraubendreher auf das linke Ohr eines Mannes eingestochen haben – so heftig, dass das Opfer taub wurde. Zudem wurden ihm zwei Fälle von bewaffnetem Diebstahl vorgeworfen (in einem Supermarkt und einer Drogerie), bei denen er Messer und Pfefferspray bei sich trug.

9. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (11:00 Uhr)

Falschangaben zur Aufenthaltserlaubnis

Ein 40-Jähriger aus Osnabrück soll gegenüber der Ausländerbehörde falschangegeben haben, noch mit seiner Ehefrau zusammenzuleben, obwohl er die Wohnung verlassen hatte. Dies geschah bei der Beantragung von Aufenthaltstiteln.

16. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Trunkenheit im Straßenverkehr

Ein 51-Jähriger aus Lingen wurde wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss verurteilt – zweimal. Im Oktober 2024 fuhr er mit 1,94 Promille Blutalkoholkonzentration mit einem E-Scooter. Im Februar 2025 steuerte er einen Pkw mit 2,52 Promille BAK durch Neuenhaus, obwohl er keine Fahrerlaubnis hatte.

22. Kleine Strafkammer – Saal A 114 (9:00 Uhr)

Reizstoffsprühgerät ohne Prüfzeichen

Ein 45-Jähriger aus Osnabrück soll bei einer Wohnungsdurchsuchung im Juli 2025 ein Reizstoffsprühgerät ohne erforderliches Prüfzeichen besessen haben.

Hinweise

Die Termine können kurzfristig ausfallen oder verschoben werden. Aktuelle Informationen sind auf der Hinweistafel im Eingangsbereich des Landgerichts Osnabrück abrufbar. Bitte beachten Sie auch die allgemeinen Hinweise auf der Internetseite des Gerichts zum Zugang zum Gerichtsgebäude.

Stand: 27. Mai 2026

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