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Klimawandel und Landwirtschaft im Emsland und Cloppenburg: Was die Trockenheit 2026 für die Region bedeutet

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Klimawandel und Landwirtschaft im Emsland hängen enger zusammen, als es der Blick auf einzelne Hitzetage vermuten lässt. Die Sandböden der Region gehören zu den Gebieten in Deutschland, die auf anhaltende Trockenheit besonders empfindlich reagieren, weil sie Wasser schlecht speichern und Landwirte deshalb früh und intensiv beregnen müssen. Bundesweite Wetterdaten zeigen für 2026 ein Muster, das sich in den kommenden Jahrzehnten nach Einschätzung der Klimamodelle noch verschärfen dürfte: mehr Regen im Winter, deutlich weniger im Sommer. Für das Emsland und die Grafschaft Bentheim, zwei stark landwirtschaftlich geprägte Landkreise, ist das keine abstrakte Zukunftsfrage, sondern bereits im laufenden Erntejahr spürbar, etwa bei Getreide, Mais, Kartoffeln und Zwiebeln.

Temperaturentwicklung seit 1881: Warum es kein „neues Normal“ mehr gibt

Die Jahresmitteltemperatur in Deutschland stieg über weite Strecken des 20. Jahrhunderts nur langsam, seit den 1980er-Jahren jedoch deutlich schneller. Referenzpunkt ist dabei die sogenannte Klimareferenzperiode: Der Deutsche Wetterdienst (DWD) nutzte lange den Zeitraum 1961 bis 1990 als Vergleichsgrundlage, mit einer Jahresmitteltemperatur von rund 8,2 Grad. Seit Ende 2020 gilt zusätzlich die neue Referenzperiode 1991 bis 2020, deren Mittelwert rund ein Grad höher liegt. Wer die Gegenwart am älteren Klimamittel misst, unterschätzt damit systematisch, wie stark sich das Klima bereits verschoben hat.

Für 2026 zeigt sich diese Verschiebung konkret: Der DWD bezeichnete das Frühjahr 2026 als sehr mild, ungewöhnlich sonnig und deutlich zu trocken. Bundesweit fielen im Frühjahr nur rund 126 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, gerade einmal 68 Prozent des langjährigen Mittels der Referenzperiode 1961 bis 1990. Hinzu kamen ausgeprägte Hitzewellen Ende Mai und Ende Juni, die nach Einschätzung von Klimaforschern ohne den anthropogenen Klimawandel in dieser Form kaum denkbar gewesen wären.

Was die Klimamodelle für den Niederschlag in Deutschland vorhersagen

Die Klimamodelle deuten darauf hin, dass der Jahresniederschlag in Deutschland und Mitteleuropa langfristig eher leicht zunehmen könnte, allerdings mit einer entscheidenden jahreszeitlichen Verschiebung. Die Wintermonate dürften demnach deutlich nasser werden, die Sommermonate dagegen spürbar trockener. In Zahlen ausgedrückt gehen die Modelle bis Ende des Jahrhunderts von 10 bis 30 Prozent mehr Niederschlag im Winter aus, im Sommer dagegen von einem Rückgang um etwa 20 Prozent. Für die Landwirtschaft bedeutet das: Mehr Wasser fällt genau dann, wenn die Felder es am wenigsten brauchen, während ausgerechnet in der Wachstumsphase von Mai bis August das Wasser knapper wird.

Klimawandel und Landwirtschaft im Emsland: Sandböden treffen auf mehr Trockenheit

Das Emsland zählt zu den Regionen in Niedersachsen, deren leichte, sandige Böden Niederschlag kaum zurückhalten. Landwirte sind hier traditionell stärker auf künstliche Beregnung angewiesen als etwa auf schwereren Lehmböden weiter östlich. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen laufen im Emsland die Beregnungsanlagen vor allem in Getreide- und Zwiebelkulturen bereits früh im Jahr an, sobald das pflanzenverfügbare Bodenwasser im Oberboden unter Wintergetreide stark absinkt. In früheren Trockenphasen sank dieser Wert im Emsland zeitweise auf nur rund 10 Prozent, ein Niveau, bei dem Getreide und Raps sichtbar unter Trockenstress geraten und von unten her abzusterben beginnen.

Die Beregnung in Niedersachsen erfolgt fast ausschließlich aus dem Grundwasser. Die verfügbaren Reserven unterscheiden sich zwischen den rund 120 Grundwasserkörpern des Landes erheblich: In manchen Gebieten lassen sich noch zusätzliche Wasserrechte vergeben, in anderen sind die Reserven bereits stark ausgeschöpft. Für Betriebe im Emsland bedeutet die zunehmende Frühsommertrockenheit deshalb nicht nur höhere Beregnungskosten, sondern auch eine wachsende Abhängigkeit von der langfristigen Verfügbarkeit lokaler Grundwasserreserven.

Grafschaft Bentheim: Grundwasserstände trotz Winterniederschlag niedrig

Im Landkreis Grafschaft Bentheim galt Ende Juli 2026 zwar noch kein allgemeines Bewässerungsverbot, die Grundwasserstände hatten sich trotz des vorangegangenen Winters vielerorts jedoch nicht spürbar erholt und lagen im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich. Verschärft wird die Lage durch die unmittelbare Nähe zu den Niederlanden: Im niederländischen Grenzgebiet, etwa in der Provinz Overijssel, übersteigt der Wasserbedarf inzwischen die verfügbaren Zuflüsse, was die Wasserverbände beider Seiten der Grenze zunehmend beschäftigt. Da Flüsse und Grundwasserleiter sich nicht an Landesgrenzen orientieren, wirkt sich die niederländische Trockenheit mittelbar auch auf die Wasserverfügbarkeit in der Grafschaft Bentheim aus.

Für landwirtschaftliche Betriebe in der Region bedeutet dieser Zustand eine gewisse Unsicherheit für den weiteren Sommerverlauf: Ohne ergiebige Niederschläge im August bleibt die Situation angespannt, auch wenn ein formelles Verbot der Bewässerung bislang nicht verhängt wurde.

Ernte 2026: konkrete Auswirkungen auf Getreide, Mais und Kartoffeln

Die Hitzewelle Ende Juni 2026 beschleunigte bundesweit die Abreife von Wintergetreide, während später reifende Sorten wie Weichweizen während der Kornfüllung unter Hitze und Wassermangel litten. Bei Körnermais rechneten Marktbeobachter zuletzt mit einem Ertrag von rund 6,93 Tonnen je Hektar, ein Rückgang von etwa 6 Prozent gegenüber der Vormonatsschätzung. Bei Kartoffeln lag die Ertragsprognose bei rund 36,5 Tonnen je Hektar, etwa ein Prozent unter dem mehrjährigen Mittel. Beide Kulturen könnten sich bei ausreichenden Niederschlägen im weiteren Sommerverlauf noch regional erholen, entscheidend ist dafür jedoch, wie viel Regen tatsächlich noch fällt.

Was das für Landwirte und Verbraucher in der Region bedeutet

Für Betriebe im Emsland und in der Grafschaft Bentheim rückt die Frage der Wasserverfügbarkeit damit weiter in den Mittelpunkt der Betriebsplanung, nicht nur als kurzfristige Reaktion auf einzelne Hitzewellen. Die absehbare Verschiebung zu nasseren Wintern und trockeneren Sommern spricht dafür, dass Investitionen in effizientere Beregnungstechnik, Wasserspeicherung und trockenheitstolerantere Sorten in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen dürften. Für Verbraucherinnen und Verbraucher in der Region kann sich die Entwicklung mittelfristig auch in schwankenden Preisen für regionale Produkte wie Kartoffeln, Getreide oder Milch bemerkbar machen, je nachdem, wie stark einzelne Erntejahre von der Trockenheit betroffen sind.

Häufige Fragen zum Klimawandel und zur Landwirtschaft im Emsland

Warum sind die Böden im Emsland besonders anfällig für Trockenheit?
Die überwiegend sandigen Böden der Region speichern Wasser schlechter als schwerere Böden, weshalb Landwirte im Emsland traditionell stärker auf künstliche Beregnung angewiesen sind.

Gilt in der Grafschaft Bentheim aktuell ein Bewässerungsverbot?
Nach Stand Ende Juli 2026 galt kein allgemeines Verbot, die Grundwasserstände lagen jedoch trotz des vorangegangenen Winters im niedrigen bis sehr niedrigen Bereich.

Wie verändert sich der Niederschlag in Deutschland laut den Klimamodellen langfristig?
Die Modelle erwarten bis Ende des Jahrhunderts 10 bis 30 Prozent mehr Niederschlag im Winter, im Sommer dagegen einen Rückgang um rund 20 Prozent.

Welche Kulturen sind in der Region besonders von der Trockenheit 2026 betroffen?
Betroffen sind vor allem Körnermais, Kartoffeln, Wintergetreide und Grünland, wobei sich Mais und Kartoffeln bei ausreichenden Niederschlägen im weiteren Sommer noch regional erholen könnten.

Woher stammt das Beregnungswasser für die Landwirtschaft im Emsland?
Die Beregnung erfolgt in Niedersachsen fast ausschließlich aus Grundwasser, dessen Reserven sich zwischen den einzelnen Grundwasserkörpern der Region deutlich unterscheiden.

Redaktioneller Hinweis: Dieser Beitrag ordnet aktuelle Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD), Einschätzungen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sowie überregionale Ernteprognosen für 2026 mit Bezug auf Emsland und Grafschaft Bentheim ein. Regionale Einzelwerte zur Bodenfeuchte im Emsland stammen aus früheren Trockenphasen der Landwirtschaftskammer und dienen als Beispiel für das typische Ausmaß der Beregnungsnotwendigkeit, nicht als tagesaktueller Messwert 2026.

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