Lou Massenberg und Jonathan Schauer mit Gold-Coup in Paris – Turmspringerin Pauline Pfeif gewinnt EM-Silber
Es war einer dieser Tage, an dem einfach alles zusammenpasste, nicht nur sportlich. Sogar das Wetter spielte mit – golden leuchtete der Abendhimmel über dem Pariser Centre Olympique Aquatique und hüllte den Auftritt der deutschen Wasserspringer in die passenden Farben. Mit ihrem vor allem in dieser Souveränität völlig unerwarteten Sieg im 3m-Synchronspringen bescherten Lou Massenberg und Jonathan Schauer (beide SV Halle) dem Deutschen Schwimm-Verband e.V. (DSV) den nächsten Titel in der französischen Hauptstadt. Mit 423,84 Punkten lagen sie am Montag deutlich vor Evgenii Kuznetsov und Nikita Shleikher (NAB/408,99) sowie Stefano Belotti und Matteo Santoro (ITA/386,07).
Als „surreal“ bezeichnete Schauer den Gold-Coup, „da werde ich wahrscheinlich erst mal eine Nacht drüber schlafen müssen, um das wirklich zu kapieren.“ Immerhin war es die erste gemeinsame Saison für das Hallenser Paar auf internationaler Ebene. Auch Massenberg sprach von einem „perfekten Abend“. Geträumt hätten sie von einer Medaille, „weil wir auch beim Weltcup in Montreal schon gesehen haben, dass wir dazugehören und dass wir da mitspringen können, vor allem auf europäischer Ebene. Aber wir wussten auch, dass das Feld hier wirklich sehr eng ist und alle da sind, weil das eben der Jahreshöhepunkt ist. Dass wir dann hier die anderen Favoriten ausschalten und uns durchsetzen, ist einfach geil.“
Perfekte Synchronität und eiskalte Nerven als Erfolgsrezept
Bereits im vergangenen Jahr hatte bei der EM mit Moritz Wesemann und Timo Barthel ein deutsches Synchronpaar triumphiert – auch sie starten beide für den SV Halle. Der Titel bleibt damit also nicht nur im Lande, sondern sogar im gleichen Verein. Massenberg war im vergangenen Jahr an den dortigen Stützpunkt gewechselt, seitdem können sie täglich zusammen trainieren, was sich auch in Paris in einer beeindruckenden Synchronität bemerkbar machte. „Das ist unser großer Vorteil“, meinte Schauer. Schon recht früh im Verlauf des Abends lagen die Deutschen damit aussichtsreich im Rennen; während die Konkurrenz reihenweise patzte, zeigten sie sich von der großen Bühne scheinbar völlig unbeeindruckt und übernahmen so bereits zur Halbzeit des Wettkampfs die Führung, die sie in der Folge beständig ausbauten.
Trotzdem wollte insbesondere Jonathan Schauer noch nicht zu früh jubeln. Immer wieder deutete er während des Wettkampfes auf seinen Kopf, so als wolle er ausdrücken: Nerven bewahren! Eine Lehre vom diesjährigen Weltcup in Montreal (CAN): „Da haben wir uns nach dem vierten Sprung, dem dreieinhalb Delfin, ein bisschen zu doll gefreut, und dann sind danach ein paar Fehler passiert, die so nicht hätten passieren sollen. Deswegen habe ich auf den Kopf gezeigt, um zu sagen: Alles Kopfsache! Chill, damit wir fokussiert bleiben und nicht noch mal so Fehler passieren. Ich denke, das haben wir recht gut geschafft.“
Für den 21-Jährigen war es die erste internationale Medaille in der offenen Klasse. Der vier Jahre ältere Massenberg hat dagegen schon mehrere EM-Titel im Mixed sowie im Teamwettbewerb zu Buche stehen. Dieses Gold von Paris ist aber auch für ihn noch einmal besonders wertvoll. „Das war jetzt in einer olympischen Disziplin. Das war seit Jahren das Ziel, und dafür habe ich den besten Partner an meiner Seite“, sagte er. „Wir haben uns heute gegenseitig durchgepusht, sind ruhig geblieben und haben abgerufen, was wir konnten. Gold ist die Krönung.“
Zweites Silber für Turmspringerin Pauline Pfeif in Paris
Montage werden ja gern als unproduktiv verschrien, weil nach einem schönen Wochenende die Konzentration noch nicht wieder auf Topniveau gelangt. Beim Team Wasserspringen des DSV ist das aber nicht so, ganz im Gegenteil. Nach dem Triumph von Lou Massenberg und Jonathan Schauer konnten sie sich dort auch noch über eine Silbermedaille freuen. Wie schon bei den Weltmeisterschaften 2025 in Singapur und auch bei der EM im Vorjahr wurde Pauline Pfeif am Montag Zweite vom Turm.
Die 24-Jährige vom Berliner TSC kam nach fünf Sprüngen auf 305,30 Punkte, musste damit nur Maisie Bond (GBR/327,05) den Vortritt lassen. Bronze ging an Else Guurtje Praasterink (NED/305,15). Elena Wassen, die mit ihrer Vereinskollegin Pfeif zuvor schon ebenfalls EM-Silber im Turm-Synchronspringen erkämpft hatte, landete diesmal auf Rang zehn (275,85).
Nach einem starken dreieinhalbfachen Vorwärtssalto zu Beginn kam Hoffnung auf, dass Deutschland 16 Jahre nach Christin Steuer mal wieder eine Europameisterin vom Turm bekommen könnte. Doch wie schon im Vorkampf ließ Pfeif danach beim Delfinsalto einige Punkte liegen. Mit einem tollen Schraubensalto übernahm zwar noch einmal die Führung, fiel nach einem überzogenen Rückwärtssalto dann aber weit hinter Bond zurück. Mit einem sauberen Handstandsprung zum Abschluss sicherte sich Pfeif mit hauchdünnem Vorsprung dann Silber.
„Ich hatte mir Gold vorgenommen. Aber auch Silber muss man erst einmal gewinnen, ich bin also trotzdem stolz auf mich“, stellte Pfeif fest. Natürlich wissend, dass an diesem Abend vielleicht auch noch mehr drin gewesen wäre. Aber womöglich hatte sie sich nach dem WM-Erfolg im Vorjahr als beste Europäerin ein wenig zu viel Druck auferlegt. „Ich bin heute Morgen aufgestanden und war aufgeregter als sonst“, räumte die Berlinerin ein: „Ärgerlich, dass der vierte Sprung nicht so kam, wie ich es geübt habe.“
Enttäuschter klang dagegen Wassen: „Eine Medaille wäre auf jeden Fall drin gewesen, wenn ich den dritten Sprung nicht so verhauen hätte. Aber mir fehlt einfach noch ein bisschen Training“, sagte die 25-Jährige. Im vergangenen Jahr hatte sie aufgrund einer Handgelenks-Operation ausgesetzt, die EM war nun ihr erster internationaler Einzelwettkampf seit über zwei Jahren.
Die passenden Worte fand letztlich Chef-Bundestrainer Christoph Bohm am Ende dieses produktiven Montags: „Das war schon ein sehr geiler Tag. Wir haben viele Medaillen, das war als Ziel ausgegeben. So macht das Spaß.“

