Tempo 100 auf dem E-Bike: Polizei verschärft Fatbike-Kontrollen im Emsland und der Grafschaft

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Ein 16-Jähriger auf einem Offroad-E-Bike, das rund 100 km/h schafft. Ein 17-Jähriger auf einem E-Scooter, der mehr als 50 km/h läuft. Beide Fahrzeuge waren nicht versichert, beide wurden sichergestellt – kontrolliert in der Nacht zum 20. August in Schüttorf. Der 16-Jährige hatte zudem keine Fahrerlaubnis, die er für ein solches Fahrzeug gebraucht hätte.

Die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim kontrolliert deshalb seit Wochen verstärkt schnelle Zweiräder. Bei einem Sonderdienst am 27. August im südlichen Emsland und in der Grafschaft stellten die Beamten vier Straftaten und zwölf Verkehrsordnungswidrigkeiten fest.

Warum „Fatbike“ nichts über die Rechtslage sagt

Der Begriff beschreibt keine eigene Fahrzeugklasse. Ursprünglich meint er schlicht Fahrräder mit besonders breiten Reifen. Viele der Fahrzeuge, die inzwischen unterwegs sind, haben mit einem Fahrrad aber wenig gemein.

Für die rechtliche Einordnung zählt nicht das Aussehen und nicht die Werbung, sondern die Motorleistung, die mögliche Höchstgeschwindigkeit und die Bauart. Ein Pedelec gilt als Fahrrad, solange der Motor nur unterstützt und die Unterstützung bei 25 km/h endet. Fahrzeuge, die selbstständig beschleunigen oder deutlich schneller fahren, können rechtlich Kraftfahrzeuge sein. Dann braucht es je nach Art des Fahrzeugs eine Betriebserlaubnis oder Zulassung, eine Versicherung und eine Fahrerlaubnis.

Ohne Helm bei 80 km/h

Besonders kritisch sieht die Polizei, dass solche Zweiräder häufig ohne Helm und ohne Schutzkleidung gefahren werden. Wer mit 50, 80 oder gar 100 km/h unterwegs ist, bewegt sich nicht mehr im Bereich eines gewöhnlichen Fahrrads – gerade Jugendliche unterschätzten das Risiko oft. Gefährdet seien nicht nur die Fahrenden selbst, sondern auch Fußgänger und Radfahrer.

„Bei diesen Kontrollen geht es nicht darum, jungen Menschen den Spaß an ihren Fahrzeugen zu nehmen“, sagt Christopher Degner, Pressesprecher der Polizeiinspektion. „Uns geht es um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Wer mit einem leistungsstarken Fahrzeug unterwegs ist, trägt eine große Verantwortung – für sich selbst, aber auch für andere.“

Was Eltern vor dem Kauf prüfen sollten

Die Polizei appelliert an Eltern, sich vor Kauf oder Nutzung mit den technischen Daten und der rechtlichen Einordnung zu befassen. Bei Fahrzeugen aus dem Internet oder aus dem Ausland klaffen Werbung, tatsächliche Leistung und Zulässigkeit im Straßenverkehr mitunter auseinander. Dass etwas wie ein E-Bike oder ein E-Scooter aussieht, sagt nichts darüber aus, was es technisch kann.

„Wir möchten verhindern, dass junge Menschen oder ihre Eltern erst nach einem Unfall oder nach einer Polizeikontrolle feststellen, welche Folgen die Nutzung eines solchen Fahrzeugs haben kann“, sagt Degner. „Im Zweifel sollte vor der Nutzung im öffentlichen Verkehrsraum geklärt werden, welche Vorschriften für das jeweilige Fahrzeug gelten.“

Die Kontrollen sollen fortgesetzt werden. Fragen zur Einordnung eines Fahrzeugs beantwortet die Polizei nach eigenen Angaben auch vorab.

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