Zum 1. September starten in Niedersachsen die ersten „Gemeinsamen Modellvorhaben“ für die Pflege – und zwar im Emsland und in der Grafschaft Bentheim. Die beiden Landkreise haben vom Land den Bewilligungsbescheid erhalten und gehen als erste Kommunen im Land an den Start.
Rund 1,7 Millionen Euro für zwei Landkreise
Für die Grafschaft Bentheim stehen rund 785.000 Euro an Fördermitteln von Land und Pflegekassen bereit, für das Emsland rund 946.000 Euro – zunächst bis Ende 2028, mit einer Option auf eine Fortführung bis 2029. Landesweit stellt das Land jährlich gut zwei Millionen Euro für solche Modellvorhaben bereit, die gesetzlichen und privaten Pflegekassen legen dieselbe Summe drauf.
Fachkräfte, Angehörige und Nachbarschaft sollen zusammenarbeiten
Ziel ist der Aufbau sogenannter sorgender Gemeinschaften, im Projekt „Connected Caring Communities“ genannt: Ehrenamtliche Unterstruktur wird mit professionellen Angeboten verknüpft, Pflegebedürftige erhalten ein individuelles Casemanagement durch eine feste Ansprechperson. Niedersachsens Sozialminister Dr. Andreas Philippi sagt dazu: „Im Emsland und in der Grafschaft Bentheim wird Neuland beschritten, weil unterschiedliche neue Ansätze für die pflegerische Versorgung miteinander kombiniert und zu einem Gesamtkonzept zusammengeführt werden.“
Über 36.000 Pflegebedürftige sollen profitieren
Nach Angaben der Landräte Uwe Fietzek (Grafschaft Bentheim) und Marc-André Burgdorf (Emsland) sollen mehr als 11.000 pflegebedürftige Menschen in der Grafschaft Bentheim und 25.750 im Emsland von dem Projekt profitieren. In beiden Landkreisen wird jeweils mehr als die Hälfte von ihnen zu Hause von Angehörigen versorgt, ohne Unterstützung durch einen Pflegedienst – für sie soll die neue Struktur vor allem eine Entlastung sein.
Aufbauend auf dem Projekt ReKo
Beide Landkreise hatten bereits 2019 mit dem Modellprojekt „Regionales Pflegekompetenzzentrum“ (ReKo) ein dezentrales Casemanagement an den Senioren- und Pflegestützpunkten aufgebaut, initiiert von der Gesundheitsregion EUREGIO e. V. gemeinsam mit der Universität Osnabrück und der DAK Gesundheit. Die Evaluation zeigte deutlich gestiegene Beratungszahlen und eine sicherere, bedarfsgerechtere Versorgung. Nach Auslaufen der Förderung aus dem Innovationsfonds finanzierten die Kommunen die Strukturen zunächst aus eigenen Mitteln – mit dem neuen Modellvorhaben soll daraus nun ein Gesamtkonzept werden, das auch Haus- und Facharztpraxen, Krankenhäuser, Sozialdienste und ehrenamtliche Angebote stärker vernetzt.

