Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium hat das im Rahmen der Woche der Gerechtigkeit zum Anlass genommen, um bei einer Fachtagung unter dem Motto „Zugang. Teilhabe. Gerechtigkeit. – Frauen gestalten Agrarpolitik in Niedersachsen“ über Herausforderungen und Chancen für Frauen in der Landwirtschaft zu diskutieren.
Weniger Landbesitz, weniger Betriebsleitungen
Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen sind weltweit rund 38 Prozent der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft Frauen, gleichzeitig sind aber weniger als 15 Prozent der Landbesitzenden Frauen. Auch in Deutschland zeigt sich laut Ministerium Handlungsbedarf: Nur 24 Prozent der Frauen, die in der Landwirtschaft arbeiten, besitzen einen Teil oder das gesamte Eigentum an Flächen und Gebäuden, und nur rund elf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe werden von Frauen geleitet.
Was das geplante Agrarstrukturgesetz ändern soll
Das geplante Niedersächsische Agrarstrukturgesetz soll den Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen künftig vorwiegend bäuerlichen Betrieben zugutekommen lassen, die diese selbst bewirtschaften, davon sollen auch Frauen profitieren, die einen Betrieb führen, gründen oder übernehmen wollen. Zu den geplanten Eckpunkten zählen unter anderem ein Vorrang von Landwirtinnen und Landwirten beim Flächenzugang, eine schärfere Preismissbrauchsregelung gegen Bodenspekulation, mehr Möglichkeiten, bei starker Flächenkonzentration einen Verkauf zu versagen, sowie eine stärkere Berücksichtigung regionaler Bezüge. Zudem soll das Vorkaufsrecht des Siedlungsunternehmens künftig zur Preisreduzierung genutzt werden können und die doppelte Grunderwerbsteuer bei Ausübung eines Vorkaufsrechts entfallen. Über eine Zustimmungspflicht für sogenannte Share Deals an Gesellschaften mit ländlichem Grundbesitz soll außerdem der Einfluss branchenfremder Großinvestoren begrenzt werden. Frauen sollen zudem stärker in den Grundstücksverkehrsausschüssen vertreten sein.
„Die Stärkung des Zugangs von Frauen, Junglandwirtinnen und Existenzgründerinnen zu Boden ist elementar für die Sicherung bäuerlicher Betriebe, die nachhaltige Landbewirtschaftung und eine vielfältige Agrarstruktur vor Ort“, sagt Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte. Das Agrarstrukturgesetz könne helfen, bestehende Barrieren abzubauen und Frauen als gleichberechtigte Partnerinnen in der Landwirtschaft zu stärken.
Anika Berner, Co-Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Niedersachsen/Bremen, betonte, junge Landwirtinnen und Existenzgründerinnen stünden häufig vor besonderen Hürden, die abgebaut werden müssten. Dr. Barbara Hartung vom Landesfrauenrat Niedersachsen sprach von struktureller Chancengleichheit als Voraussetzung dafür, das Innovationspotenzial von Frauen wirksam werden zu lassen.
Organisiert wurde die Fachtagung vom Landwirtschaftsministerium gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Niedersachsen/Bremen, der Konföderation der evangelischen Kirchen in Niedersachsen und dem Landesfrauenrat Niedersachsen. Durch den Abend führte Maren Ihnen, Geschäftsführerin der AbL in Niedersachsen.

