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Technologiestandort Lingen: 5 entscheidende Erfolgsfaktoren

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Technologiestandort Lingen: Das ist längst mehr als ein Etikett. Vom ersten IT-Netzwerk Anfang der 2000er-Jahre bis zur internationalen Microsoft-Partnerkonferenz IAMCP re:think2026 hat sich die Stadt zu einem eigenständigen Ökosystem aus Unternehmen, Hochschule und Community entwickelt. Markus Kottwitz, seit 26 Jahren im Microsoft-, Cloud- und Data-&-AI-Umfeld unterwegs und heute Partner Manager Microsoft bei der Dataciders GmbH, hat diese Entwicklung von Beginn an mitgeprägt und ordnet im Interview ein, wie aus Lingen ein funktionierendes Technologie-Ökosystem wird.

Technologiestandort Lingen: Vom IT-Netzwerk zum Ökosystem

Kottwitz kennt die Entwicklung aus erster Hand: 13 Jahre war er auf Kundenseite bei einem großen Versandhändler in Lingen tätig, seit weiteren 13 Jahren arbeitet er in Dienstleistungsunternehmen mit Schwerpunkt Data & AI, unter anderem in verschiedenen Führungspositionen. In dieser Zeit hat er die Lingener IT-Community intensiv begleitet.

Als prägende Meilensteine nennt er den Aufbau von IT-Emsland und den zugehörigen Community-Netzwerken Anfang der 2000er-Jahre, die erste große Community-in-Motion-Veranstaltung 2004 mit mehr als 450 Teilnehmenden, die Eröffnung des Campus Lingen der Hochschule Osnabrück 2012, die Planungen für den ICL – IT-Campus Lingen, den Beitritt der Stadt zum KI Park e.V. und Lingens Entwicklung zur aufstrebenden Smart City.

„Hier wird Zukunft nicht nur beobachtet, sondern aktiv gestaltet.“

Was ein funktionierendes Ökosystem braucht

Ein funktionierendes Ökosystem entsteht laut Kottwitz nicht allein durch Strukturen. Es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, Ideen einbringen und Dinge vorantreiben. Genauso wichtig ist die enge Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft, Forschung und Lehre. Wenn diese Bereiche gemeinsame Ziele verfolgen, entstehen Initiativen, die verbinden und langfristig Wirkung entfalten. Dafür braucht es Orte für Begegnung, konkrete Angebote und eine Kultur, die Offenheit, Pragmatismus und Umsetzungswillen fördert.

Die größten Chancen liegen in Menschen, kurzen Wegen und Umsetzung

Die größte Chance für die Region liegt für Kottwitz nicht allein in der Technologie, sondern in der Kombination aus Menschen, kurzen Wegen und konsequenter Umsetzung. In Lingen kommen Unternehmen, Hochschule, Verwaltung und Community schnell miteinander ins Gespräch. Ideen bleiben dadurch nicht lange theoretisch, sondern werden ausprobiert und weiterentwickelt – gerade bei Digitalisierung und KI ein großer Vorteil.

Der Mittelstand kann hier zeigen, wie neue Technologien praktisch wirken: in Prozessen, im Kundenkontakt, bei Auswertungen und in der täglichen Arbeit. Entscheidend ist nicht, möglichst groß zu wirken, sondern konkrete Lösungen zu schaffen, die Unternehmen, Mitarbeitenden und Bürgern nutzen. Wird dieser Weg konsequent weitergegangen, kann die Region weit über das Emsland hinaus als Beispiel für praxisnahe digitale Transformation wahrgenommen werden.

Warum persönliche Netzwerke trotz Digitalisierung entscheidend bleiben

Persönliche Netzwerke sind für Kottwitz einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren. Zwar lässt sich heute digital und weltweit zusammenarbeiten, doch Vertrauen, gemeinsame Ideen und tragfähige Kooperationen entstehen oft dort, wo Menschen sich persönlich begegnen. Ein gutes Beispiel ist die Community in Motion: Dass diese Veranstaltung seit 21 Jahren besteht und sich immer wieder weiterentwickelt, ist für ihn das Ergebnis engagierter Menschen, starker Partner und kontinuierlicher Unterstützung durch Michael Schnaider, die IT-Emsland, die Stadt Lingen und viele weitere Mitstreiter.

Wie viel Wirkung persönliche Kontakte entfalten können, zeigt sich für Kottwitz auch an der IAMCP re:think2026: Dank seines über viele Jahre aufgebauten Netzwerks konnte er den IAMCP e.V. für Lingen gewinnen. Damit findet im September eine der wichtigsten Microsoft-Partnerveranstaltungen im deutschsprachigen Raum mit mehr als 250 Unternehmen und über 500 Teilnehmenden in der Stadt statt – getragen von der engen Zusammenarbeit zwischen Hochschule Osnabrück, Stadt Lingen und IAMCP e.V.

„Digitalisierung funktioniert über Technologie. Innovation entsteht durch Menschen.“

KI im Mittelstand: viel Gerede, zu wenig Umsetzung

Beim Thema KI werde aus Kottwitz‘ Sicht noch zu häufig über Technologie gesprochen und zu selten über konkrete Probleme, die sich damit lösen lassen. Die größte Chance im Mittelstand liege nicht im nächsten Chatbot, sondern darin, Mitarbeitende zu entlasten, Wissen verfügbar zu machen und Prozesse zu beschleunigen: bei Angeboten, Dokumentationen, Kundenanfragen, Auswertungen oder der Suche nach internem Wissen. Viele Unternehmen redeten über KI, aber noch zu wenige hätten sie fest im Arbeitsalltag verankert – oft fehle der Schritt in die Umsetzung, dabei reichten häufig überschaubare Anwendungsfälle, um schnell Erfahrungen zu sammeln.

Was Unternehmen nach seiner Erfahrung am häufigsten vom konsequenten Einsatz neuer Technologien abhält, ist selten fehlendes Investitionskapital oder die Technologie selbst. Die größte Hürde ist oft der fehlende klare Einstieg: Viele wissen, dass Cloud, Data und KI wichtig sind, sind aber unsicher, wo sie beginnen sollen, welche Anwendungsfälle wirklich tragen und wie sich der Nutzen messen lässt. Fachkräftemangel, Know-how und regulatorische Anforderungen spielen zwar eine Rolle, entscheidend ist für Kottwitz aber die Verbindung zum Geschäftsnutzen: Solange neue Technologien nur als IT-Thema betrachtet werden, bleibt die Umsetzung häufig stecken. Erfolgreich wird es, wenn daraus eine klare Unternehmensaufgabe wird – mit einem pragmatischen ersten Schritt statt der perfekten Gesamtlösung.

„Die KI-Revolution gewinnen nicht diejenigen, die am meisten darüber sprechen, sondern diejenigen, die jetzt starten, lernen und ihre Mitarbeitenden mitnehmen.“

Hochschule und Fachkräfte: Wer bleibt nach dem Studium in der Region?

Hochschule und Nachwuchskräfte sind für Kottwitz entscheidend für die Zukunft der Region. Gerade bei Digitalisierung, Data und KI wird der Bedarf an qualifizierten Fachkräften weiter steigen, weshalb diese Themen aus seiner Sicht noch stärker in Studium und Ausbildung verankert werden sollten – künftig branchenübergreifend, nicht nur in der Informatik. Mindestens genauso wichtig ist für ihn die Frage, wie junge Menschen nach Studium oder Ausbildung in der Region gehalten werden können. Das gelinge nur gemeinsam: Landkreis, Stadt, Hochschule und Wirtschaft müssten sichtbar machen, welche Chancen der Standort bietet – hohe Lebensqualität, kurze Wege, attraktive Arbeitgeber, bezahlbarer Wohnraum, Familienfreundlichkeit sowie ein vielfältiges Kultur- und Freizeitangebot. Digitale Arbeit sei heute nicht mehr an Großstädte gebunden; internationale Projekte ließen sich genauso gut von Lingen aus gestalten.

Wie konkret Betriebe an der Ems-Achse beim Thema Fachkräfte schon umsteuern, zeigt der Beitrag Ausbildungsmarketing: Was Betriebe an der Ems-Achse jetzt ändern müssen.

Das Emsland im Wettbewerb mit Hamburg, Berlin und München

Auch als Technologiestandort Lingen müsse sich das Emsland anders positionieren als klassische Großstadtstandorte, sagt Kottwitz – allerdings nicht, indem sie Großstädte kopiert. Das Emsland solle seine eigenen Stärken selbstbewusst ausspielen: kurze Wege, verlässliche Beziehungen und eine hohe Lebensqualität. Unternehmen, Hochschule, Verwaltung und Initiativen könnten hier schnell zusammenfinden, was Entscheidungen einfacher und Umsetzung realistischer mache. Projekte wie der ICL – IT Campus Lingen, der KI Park e.V., die Community in Motion oder die IAMCP re:think2026 zeigten, welches Potenzial vorhanden ist: Innovation brauche nicht zwingend eine Metropole, sondern engagierte Menschen, gute Ideen und den Willen zur Umsetzung.

Gleichzeitig biete die Region etwas, das für Fachkräfte immer wichtiger werde: die Verbindung von Karriere, Innovation, Familie, Wohnen, Kultur und Freizeit. Das Emsland gewinne diesen Wettbewerb nicht über Größe, sondern über Verlässlichkeit, Gemeinschaft und Lebensqualität.

Blick nach vorn: Lingen in fünf Jahren

Wer heute genau vorhersagen wolle, wie die Region in fünf Jahren aussehen müsse, unterschätze die Geschwindigkeit des technologischen, wirtschaftlichen und politischen Wandels, sagt Kottwitz. KI, Digitalisierung, Geopolitik und Arbeitswelt veränderten sich so dynamisch, dass vor allem Anpassungsfähigkeit gefragt sei. Sein Zielbild: Der ICL – IT Campus Lingen, der KI Park e.V., die Hochschule, die Stadt und die Unternehmen haben gemeinsam ein Innovationsökosystem aufgebaut, das überregional wahrgenommen wird. Erfolg wäre für ihn, wenn sich weitere Technologieunternehmen bewusst für Lingen entscheiden, weil sie hier Know-how, Talente, starke Verbindungen und Umsetzungswillen finden – und wenn Studierende und Auszubildende hier nicht nur lernen, sondern ihre berufliche und persönliche Zukunft sehen.

Sein persönlicher Wunsch für die Lingener IT- und Technologie-Community: die Offenheit, den Zusammenhalt und den Umsetzungswillen bewahren, die sie seit vielen Jahren prägen, und dass Unternehmen, Hochschule, Stadt, Initiativen und engagierte Menschen weiter eng zusammenarbeiten.

„Mein Wunsch ist, dass Lingen ein Ort bleibt, an dem Menschen nicht lange fragen, ob etwas möglich ist, sondern gemeinsam daran arbeiten, es möglich zu machen.“

FAQ

Was macht Lingen aktuell zu einem Technologiestandort?

Der Technologiestandort Lingen lebt von Unternehmen aus dem Microsoft-, Cloud- und Data-&-AI-Umfeld, vom Campus Lingen der Hochschule Osnabrück, vom geplanten ICL – IT Campus Lingen, vom KI Park e.V. und von aktiven Netzwerken wie IT-Emsland. Entscheidend ist laut Markus Kottwitz vor allem, dass diese Akteure eng zusammenarbeiten.

Welche Bedeutung hat die IAMCP re:think2026 für Lingen?

Mit der IAMCP re:think2026 findet im September eine der wichtigsten Microsoft-Partnerveranstaltungen im deutschsprachigen Raum mit über 250 Unternehmen und mehr als 500 Teilnehmenden in Lingen statt – ein Beispiel dafür, dass auch außerhalb großer Metropolen Veranstaltungen mit bundesweiter Aufmerksamkeit entstehen können.

Wie können mittelständische Unternehmen im Emsland von Künstlicher Intelligenz profitieren?

Am meisten bringt KI dort, wo sie Mitarbeitende konkret entlastet: bei Angeboten, Dokumentationen, Kundenanfragen, Auswertungen oder der Suche nach internem Wissen. Wichtiger als große Pilotprojekte ist laut Kottwitz ein überschaubarer, klar definierter Anwendungsfall als erster Schritt.

Was unterscheidet das Emsland von Technologiestandorten wie Hamburg oder München?

Statt Größe setzt das Emsland auf kurze Wege, verlässliche Beziehungen und eine hohe Lebensqualität. Unternehmen, Hochschule, Verwaltung und Initiativen finden hier schneller zusammen, was Entscheidungen und Umsetzung erleichtert.

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