Der Verbund familienfreundlicher Unternehmen e. V. Oldenburger Münsterland zählt nun 200 Mitgliedsunternehmen. Als Jubiläumsmitglied wurde die Firma Kathe Holzbau aus Vechta aufgenommen, die seit 2018 von Franziska Lamping geleitet wird. Die Unternehmerin gilt als Beispiel dafür, wie sich Führungsverantwortung und Familienleben in einer traditionell männlich geprägten Branche verbinden lassen.
Vom kurzfristigen Chefwechsel zum Vorbild
Franziska Lamping übernahm die Leitung von Kathe Holzbau im Jahr 2018 kurzfristig und musste sich schnell in einer männlich dominierten Branche behaupten. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 50 Mitarbeitende und hat sich deutlich professionalisiert. Renate Hitz, Geschäftsführerin des Verbunds familienfreundlicher Unternehmen, würdigt Lamping als Vorbild: Sie zeige, dass Frauen Führungsverantwortung übernehmen und gleichzeitig Familie aktiv gestalten können.
Als 200. Mitglied wurde Kathe Holzbau kürzlich in den Verbund aufgenommen. Der Vorstand überreichte Lamping bei der Begrüßung einen Blumenstrauß – ein symbolischer Akt für ein Unternehmen, das Vereinbarkeit nicht nur predigt, sondern lebt.
Flexibilität statt Perfektion
Für Lamping bedeutet Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht, jeden Tag alles perfekt auszubalancieren. Stattdessen setzt sie auf Strukturen, die je nach Lebenssituation Flexibilität ermöglichen. Im Handwerk sei das nicht an jedem Arbeitsplatz gleichermaßen möglich – dennoch ließen sich Arbeitszeiten und Aufgaben dort individuell gestalten, wo es die betrieblichen Abläufe zulassen.
Wichtige Voraussetzungen dafür seien offene Kommunikation im Team, verlässliche Kinderbetreuung und eine Unternehmenskultur, die Mitarbeitende nicht vor die Wahl zwischen Beruf und Familie stellt. Klare Verantwortlichkeiten und Vertrauen in die Mitarbeitenden gehören für Lamping zu den zentralen Führungsprinzipien.
Vereinbarkeit ist keine reine Frauensache
Lamping betont, dass Vereinbarkeit nicht ausschließlich als Frauenthema verstanden werden dürfe. Erst wenn Familienarbeit selbstverständlich von Frauen und Männern gleichermaßen getragen werde, verbesserten sich auch die Chancen von Frauen auf Führungspositionen.
Anderen Frauen rät die Unternehmerin, berufliche und private Entscheidungen bewusst nach den eigenen Wünschen zu treffen und sich Verantwortung zuzutrauen – auch wenn noch nicht alle Rahmenbedingungen perfekt erscheinen. Unterstützung zu organisieren, Aufgaben zu teilen und Verantwortung abzugeben, sei kein Zeichen von Schwäche, sondern eine notwendige Voraussetzung, um Familie und Beruf langfristig miteinander zu verbinden.

