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Titelbild der 36. Folge des Podcasts Friedensreiter mit Volker Resing

Volker Resing im Podcast „Friedensreiter“: „Streit aushalten ist besser, als gegen die Ränder zu kämpfen“

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Nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wirbt der Journalist Volker Resing dafür, politische Konflikte wieder innerhalb der demokratischen Mitte auszutragen, statt sich gemeinsam gegen die Ränder zu stellen. „Streit aushalten ist besser, als gegen die Ränder zu kämpfen“, sagt der Chefredakteur der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ in der 36. Folge des Podcasts „Friedensreiter“ aus Lingen.

Warum Resing die Spaltungsdiagnose skeptisch sieht

Dass die Ränder zulegen und die Mitte schrumpft, deutet Resing nicht automatisch als Beleg für eine gespaltene Gesellschaft. Begriffe wie Spaltung und Polarisierung hätten „gewisse Karrieren“ gemacht, ohne dass noch geprüft werde, was sie eigentlich beschreiben. Streit gehöre zur Demokratie: Sie sei „nicht die Organisation derer, die sich mögen, sondern die Organisation derer, die sich nicht mögen“, und müsse trotzdem das Zusammenleben regeln.

Wer Andersdenkende moralisch abwerte oder ihnen die Gesprächsfähigkeit abspreche, mache den Raum für Auseinandersetzung enger. Politische Urteile entstünden nicht nur aus Sachargumenten, sondern auch aus Gefühlen und aus dem eigenen Alltag. Wer etwa hohe Spritpreise im Portemonnaie spüre, erlebe Politik ganz praktisch. Solche Sorgen als irrational abzutun, vertiefe nach Resings Einschätzung die Entfremdung.

Medien unter Aufmerksamkeitsdruck

Einen Teil der Verantwortung sieht Resing bei den Medien. Der Wettbewerb um Reichweite, verschärft durch Influencer und Podcasts, belohne Zuspitzung und Krisenerzählungen. Zugespitzt formuliert er es so: Würde der Kanzler in Berlin eine Woche lang nicht „stürzen“, verlören die Medien dort eine Million Euro. Auch den sogenannten Haltungsjournalismus hält er für eine Folge dieses Drucks.

Was Kirchen beitragen könnten

Gerade Kirchen könnten nach Resings Auffassung Räume bieten, in denen Konflikte tatsächlich ausgetragen werden, weil sie klare Positionen mit der Anerkennung des Gegenübers verbinden könnten. Allerdings sieht er in einer schrumpfenden, unter Druck stehenden Kirche auch den Wunsch nach Konsens, und ist nicht sicher, ob das klug ist. Ein Gespräch müsse nicht in Einigkeit enden, entscheidend sei, dass Streit möglich bleibe.

Ein Podcast aus Lingen und Hamburg

„Friedensreiter“ ist ein gemeinsames Projekt des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH), der Katholisch-sozialen Akademie des Bistums Osnabrück in Lingen, und des Instituts für Theologie und Frieden (ithf) in Hamburg. Durch die Gespräche führen LWH-Direktor Marcel Speker-Underbrink und Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld, stellvertretender Leiter des ithf. Der Name erinnert an die Kuriere, die bei den Friedensverhandlungen zum Ende des Dreißigjährigen Krieges zwischen Münster und Osnabrück pendelten. Zu den bisherigen Gästen gehörte unter anderem Bundespräsident a.D. Christian Wulff. Die Folgen erscheinen als Video auf YouTube und auf den gängigen Podcast-Plattformen, alle Links unter linktr.ee/friedensreiter.

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