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Eckart Conze: Frieden ist ein ständiger Prozess

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In der neuesten Folge des Podcasts Friedensreiter erläutert Historiker Eckart Conze, dass Frieden ein kontinuierlicher Prozess ist. Er warnt davor, Frieden als gegeben hinzunehmen und plädiert für diplomatische Anstrengungen.

Friedensverständnis der Gegenwart

Der Historiker Eckart Conze, Professor für Neueste Geschichte in Marburg, beleuchtet in der aktuellen Folge des Podcasts Friedensreiter, wie fragil der Frieden in Europa geworden ist. Mit dem Begriff „friedlos“ beschreibt er die gegenwärtige Lage und stellt klar: „Frieden ist kein stabiler Normalzustand. Er entsteht nicht von selbst, sondern nur durch mühsame politische Arbeit – und bleibt immer gefährdet.“

Historische Lessons Learned

Conze beginnt seine Analyse mit dem Westfälischen Frieden von 1648. Der Frieden von Münster und Osnabrück verdeutlicht, dass ein Krieg nicht einfach durch eine Unterschrift beendet wird, sondern das Ergebnis jahrelanger Verhandlungen und einen langsamen Vertrauensaufbau darstellt. „Frieden ist kein Moment, sondern ein Prozess“, so Conze weiter. Diese historische Perspektive bietet wichtige Lehren für die heutige Zeit. Frieden und Krieg sollten nicht als strikt getrennte Zustände betrachtet werden. Vielmehr erfordert Friedenspolitik, mit Widersprüchen umzugehen und auch Feinde einzubeziehen.

Die geopolitische Lage heute

In seiner Analyse zieht Conze Vergleiche zur Gegenwart und mahnt, dass die heutige geopolitische Lage nicht mit dem Kalten Krieg zu vergleichen sei. Damals herrschte ein gewisses gemeinsames Interesse an Stabilität, während heute Russland unter Wladimir Putin eine aggressive Außenpolitik verfolgt. Zudem ist die Welt heute multipolar, in der nicht nur Europa und die USA, sondern auch Russland, China und andere Akteure einen Platz haben. Conze warnt vor der Gefahr, Frieden durch bloßes Zureden zu erreichen, und hält es für einen Irrtum zu glauben, dass Sicherheit allein durch militärische Mittel gesichert werden kann. Die Aufgabe der heutigen Politik liege darin, Diplomatie mit Wehrhaftigkeit zu vereinen.

Conze sieht Europa in der Pflicht, als selbstständiger Akteur zu handeln, insbesondere wenn die USA sich zunehmend von der westlichen Wertegemeinschaft entfernen. Er gibt zu bedenken, dass die Verteidigung des Völkerrechts für Europa von zentraler Bedeutung ist und gerade für mittlere Mächte unverzichtbar bleibt.

Trotz der Herausforderungen, die er aufzeigt, bleibt Conzes Analyse nicht pessimistisch. Die Geschichte sei nicht friedlich, aber auch nicht friedensunfähig. Es habe immer Wege gegeben, um Gewalt einzudämmen und Ordnungen zu schaffen. Der Imperativ für die Gegenwart bestehe darin, Frieden nicht als einen erreichbaren Zustand, sondern als dauerhafte Aufgabe zu begreifen. Conzes Buch „Friedlos: Die Deutschen zwischen Kriegsgewalt und Friedenssuche. Von 1648 bis heute“ erscheint am 30. April im dtv-Verlag.

Der Podcast Friedensreiter setzt sich mit der Suche nach Wegen für den Frieden auseinander und ist ein Gemeinschaftsprojekt des Ludwig Windthorst-Hauses, der Katholisch-sozialen Akademie des Bistums Osnabrück sowie des Instituts für Theologie und Frieden in Hamburg.

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