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Stadtbibliothek Osnabrück im digitalen Zeitalter: „Die Medien sind die Grundlage, aber nicht der alleinige Grund“

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Digitale Realität

Bücher und Informationen sind heute rund um die Uhr digital verfügbar, trotzdem hat die Stadtbibliothek Osnabrück mehr Besucherinnen und Besucher als je zuvor. Carolin Busch, Lektorat und stellvertretende Leitung der Stadtbibliothek, erklärt im Interview, warum eine öffentliche Bibliothek heute vor allem ein Ort ist, an dem man sein darf, ohne etwas kaufen zu müssen, welche Rolle der Bücherbus mit seinen 37 Haltestellen dabei spielt und wie es gelingt, mit einer Silent Reading Party ein volles Haus zu bekommen.

Eine Bibliothek, die nur verleiht, was ohnehin online steht, hätte es schwer. Die Stadtbibliothek Osnabrück hat sich in den vergangenen Jahren deutlich breiter aufgestellt: Neben der klassischen Ausleihe gehören Schulungen zur Recherchekompetenz, ein wachsendes Veranstaltungsprogramm, digitale Angebote wie E-Books und Streaming sowie der Bücherbus zum Alltag des Hauses am Markt. Im Interview mit Regionalupdate.de spricht Carolin Busch über die veränderte Aufgabe öffentlicher Bibliotheken im digitalen Zeitalter, über Angebote, die überraschend gut angenommen werden, und über die Pläne für die kommenden Jahre.

Warum eine Bibliothek heute mehr ist als ein Ausleihort

Bücher, Zeitungen und Informationen sind heute rund um die Uhr digital verfügbar. Welche Aufgabe hat eine öffentliche Bibliothek vor diesem Hintergrund heute noch, und wie hat sich diese Aufgabe verändert?

Dass Informationen digital verfügbar sind, heißt nicht, dass sie für alle auch zugänglich sind, erklärt Busch. Vieles liege hinter Bezahlschranken, sei unübersichtlich, von Werbung durchsetzt oder nicht redaktionell aufbereitet. Die Stadtbibliothek gestaltet und finanziert deshalb ein ausgewogenes Angebot aus physischen und digitalen Medien, berät und gibt Orientierung. Mit Schulungen zur Recherchekompetenz unterstützt sie zudem dabei, sich in der Informationsflut zurechtzufinden und Quellen selbst einschätzen zu können.

Welche Angebote werden heute besonders stark genutzt, und gab es Entwicklungen, die Sie selbst überrascht haben?

Stark nachgefragt sind seit Jahren die Bildungsprogramme in Kooperation mit Schulen und Kitas, etwa Klassenführungen, Rallyes und Bilderbuchkinos, ebenso das Sprachlernangebot „Spaß-mit-Deutsch“ für zugewanderte Menschen. Überrascht hat selbst das Team, wie gut das gewachsene Veranstaltungsprogramm ankommt: Eine „Silent Reading Party“, bei der man sich trifft und gemeinsam für sich liest, stößt auf große Resonanz. Auch der Sommer-Lese-Club „Jugend liest und schreibt“ hat wieder über 300 Kinder und Jugendliche erreicht. „Wir merken immer wieder, dass es Externe überrascht: Kinder und Jugendliche lesen, in den Ferien, freiwillig, zum Vergnügen“, so Busch.

Begegnungsort und digitale Teilhabe

Bibliotheken werden zunehmend auch als Orte der Begegnung, des Lernens und des Aufenthalts verstanden. Wie wichtig ist diese Funktion inzwischen für die Stadtbibliothek Osnabrück?

Diese Funktion sei elementar, sagt Busch. Es brauche in der Stadt einen Ort, an dem sich Menschen physisch treffen können, ohne dass von ihnen erwartet wird, dabei etwas zu konsumieren. Niemand werde gefragt, ob er Bücher ausleihen, auf den Marktplatz schauen oder lernen möchte. „Manchmal kommen Menschen auch einfach nur, um unter Menschen zu sein.“

Welche Rolle übernimmt die Stadtbibliothek bei digitaler Teilhabe und Medienkompetenz?

Die Bibliothek setzt nach eigenen Angaben auf beiden Ebenen an: Sie bietet E-Books und E-Audios zum Ausleihen auf eigenen Endgeräten, die Streaming-Plattform „filmfriend“ sowie WLAN im ganzen Haus. Auch verwaltungsseitig wird digitalisiert, etwa können Ausweisgebühren inzwischen online bezahlt werden. Bei der Vermittlung von Medienkompetenz setzt das Haus auf praktische Formate: eine Smartphone-Sprechstunde, Aufklärung über Fake News für Kinder und Jugendliche, Workshops zum Fotografieren mit dem Smartphone sowie Vorträge zu Datenschutz im Netz.

Der Bücherbus als Bindeglied zur Stadtgesellschaft

Mit dem Bücherbus kommt die Bibliothek direkt in verschiedene Teile des Stadtgebiets. Welche Bedeutung hat dieses Angebot heute, und welche Menschen erreichen Sie damit besonders?

Der Bücherbus fährt inzwischen 37 Haltestellen im gesamten Stadtgebiet an und richtet sich vor allem an Seniorinnen und Senioren sowie Familien mit kleineren Kindern, denen der Weg zur Zentrale am Markt sonst zu weit wäre. Gleichzeitig mache der Bus neugierig auf Menschen, die die Bibliothek sonst gar nicht aktiv gesucht hätten: „Man stolpert quasi über den Bus im eigenen Stadtviertel“, so Busch. Nicht zuletzt sei der Bücherbus Teil des Bildungsangebots, wenn Schulklassen und Kitagruppen dort direkt vor Ort die Bibliothek kennenlernen.

Ein Ort, den die Menschen selbst mitgestalten

Wie wird sich die Stadtbibliothek Osnabrück weiterentwickeln, und was muss eine moderne Stadtbibliothek künftig leisten?

Mit der neuen Kinderbibliothek in der Krahnstraße geht eine Neugestaltung der Bereiche für Jugendliche und Erwachsene im Haupthaus einher. Bei dieser Umgestaltung will die Bibliothek ihre Besucherinnen und Besucher aktiv einbeziehen und nach deren Wünschen fragen. Eines ist für Busch schon jetzt klar: Es werde künftig noch mehr darum gehen, einen Ort mit hoher Aufenthaltsqualität für die Stadtgesellschaft zu gestalten, an dem man sich trifft, austauscht und weiterbildet. „Die Medien sind die Grundlage, aber nicht der alleinige Grund, die Stadtbibliothek aufzusuchen.“ Die Stadtbibliothek wolle ein Ort sein, den die Menschen in Osnabrück ganz selbstverständlich als ihren eigenen verstehen, von dem sie etwas mitnehmen, ein Buch, eine Idee, eine neue Bekanntschaft, und den sie zugleich selbst mitgestalten.

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