Die Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie in Norddeutschland hat mit einem deutlichen Nein begonnen. Am Freitag, 25. September 2026, übergab die IG Metall Küste ihre Forderungen vor dem Haus der Wirtschaft in Hamburg an den Arbeitgeberverband NORDMETALL. Dessen stellvertretender Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Schlaffke wies das Paket noch vor Ort als zu teuer zurück. Die erste Verhandlungsrunde ist nach Angaben der Gewerkschaft für den 8. Oktober 2026 in Hamburg angesetzt.
Fünf Prozent, Gewinnbeteiligung und Jobsicherheit
Die IG Metall Küste verlangt für die Beschäftigten und Auszubildenden fünf Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Hinzu kommen eine Gewinnbeteiligung in Unternehmen, denen es gut geht, Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung sowie eine soziale Komponente, die vor allem untere Entgeltgruppen und Azubis stärken soll. Bezirksleiter Daniel Friedrich begründet die Forderung mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten: Wer an der Tankstelle und beim Einkauf immer mehr bezahle, brauche nach seinen Worten mehr Geld auf dem Konto statt einer Debatte über Lohnzurückhaltung (Mitteilung der IG Metall Küste). Die Gewerkschaft verweist zudem darauf, dass die Lage in der Branche sehr unterschiedlich sei: Manche Betriebe verdienen gut, andere, etwa in der Autozulieferung, bauen Stellen ab.
Warum die Arbeitgeber auf die Kosten zeigen
Schlaffke hält dagegen, die Gewerkschaft verlange schlicht zu viel und übersehe die schwierige Lage vieler Betriebe. Bei Steuern und Bürokratie könnten die Tarifparteien wenig ausrichten, bei den Arbeitskosten aber schon. Zur Begründung nennt NORDMETALL eine bundesweite Kapazitätsauslastung von nur 83 Prozent. Nach Angaben des Verbands können neun von zehn Betrieben höhere Kosten nicht oder nur zum Teil an ihre Kunden weitergeben, und jedes vierte Unternehmen denke über eine Verlagerung von Produktion ins Ausland nach. Der Dachverband Gesamtmetall beziffert den Stellenabbau in der Metall- und Elektroindustrie seit 2019 auf fast 350.000 Arbeitsplätze.
Streitpunkt Gewinnbeteiligung
Besonders scharf fällt die Ablehnung bei der Gewinnbeteiligung aus. NORDMETALL lehnt eine tarifliche Regelung dazu grundsätzlich ab, weil sie profitable Firmen belaste. „Wer Erfolg bestraft, gefährdet den Flächentarifvertrag“, sagte Schlaffke. Auch die soziale Komponente mache die Produktion in Deutschland teurer und fördere so Verlagerungen. Als Alternative schlug er vor, dass Arbeitgeber und Gewerkschaft sich gemeinsam für niedrigere Sozialversicherungsbeiträge einsetzen. Zum Abschluss überreichte er den Gewerkschaftern eine Sanduhr als Zeichen dafür, dass dem Standort aus Arbeitgebersicht die Zeit davonläuft.
Ab November sind Warnstreiks möglich
Die Friedenspflicht endet laut IG Metall Küste am 31. Oktober 2026. Ab dem 1. November könnte die Gewerkschaft also zu Warnstreiks aufrufen, falls die Gespräche bis dahin kein Ergebnis bringen. Die Verhandlungen betreffen nach Angaben der IG Metall rund 130.000 Beschäftigte in der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie.
Was die Runde für Ostfriesland bedeutet
Das Verhandlungsgebiet umfasst Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und das nordwestliche Niedersachsen. Damit sind auch tarifgebundene Metall- und Elektrobetriebe in Ostfriesland betroffen: NORDMETALL betreut seine Mitglieder in Ostfriesland und Papenburg über eine Geschäftsstelle in Emden. Der Großteil des Emslands, die Grafschaft Bentheim und das Osnabrücker Land gehören dagegen zum Bereich von NiedersachsenMetall, wo separat verhandelt wird.

