In Niedersachsen ist fast jede fünfte Familie mit minderjährigen Kindern eine Alleinerziehendenfamilie, und deren Armutsrisiko ist hoch: 41,8 Prozent der Menschen in Alleinerziehenden-Haushalten galten 2025 als armutsgefährdet. Das geht aus dem Statistikteil der Handlungsorientierten Sozialberichterstattung Niedersachsen (HSBN) 2026 hervor, den das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) für das Sozialministerium erstellt hat. Schwerpunkt der 17. Ausgabe sind Alleinerziehende.
144.000 Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern
Insgesamt zählte das LSN 2025 in Niedersachsen 248.000 Alleinerziehende, das sind 22,6 Prozent aller Familien. 144.000 von ihnen lebten mit Kindern unter 18 Jahren zusammen, ein Anteil von 18,3 Prozent an allen Familien mit minderjährigen Kindern. In 84 Prozent dieser Fälle ist die Mutter alleinerziehend, in 16 Prozent der Vater.
Alleinerziehende sind im Schnitt älter als Eltern in Paarfamilien. 28,0 Prozent der alleinerziehenden Mütter sind zwischen 45 und 54 Jahre alt, bei Müttern in Paarfamilien sind es 24,3 Prozent. Bei den alleinerziehenden Vätern liegt der Anteil dieser Altersgruppe bei 41,5 Prozent, gegenüber 30,7 Prozent in Paarfamilien.
Seltener im Job, aber häufiger in Vollzeit
Alleinerziehende Mütter mit minderjährigen Kindern sind seltener erwerbstätig als Mütter in Paarfamilien: 71,5 gegenüber 78,7 Prozent. Wer arbeitet, tut das aber häufiger in Vollzeit. Von den alleinerziehenden Müttern, die ihre Stelle tatsächlich ausübten, also nicht in Elternzeit oder Mutterschutz waren, arbeiteten 31,8 Prozent Vollzeit, in Paarfamilien 26,4 Prozent. Alleinerziehende Väter sind zu 83,3 Prozent erwerbstätig, davon 80,1 Prozent in Vollzeit.
Fast jede vierte Alleinerziehendenfamilie lebt vor allem von Transferleistungen
Für 63,9 Prozent der Alleinerziehenden ist die eigene Arbeit die Haupteinnahmequelle, bei Paarfamilien für 76,7 Prozent. 23,4 Prozent der Alleinerziehenden leben überwiegend von staatlichen Leistungen wie Arbeitslosengeld oder Bürgergeld.
Bildung senkt das Armutsrisiko deutlich, beseitigt es aber nicht. Selbst bei hohem Qualifikationsniveau, also einem Abschluss im tertiären Bereich wie einem Studium, liegt die Armutsgefährdungsquote in Alleinerziehenden-Haushalten noch bei 26,5 Prozent.
Ab wann ein Haushalt als armutsgefährdet gilt
Armutsgefährdet ist, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung zur Verfügung hat. In Niedersachsen lag diese Schwelle 2025 für eine alleinlebende Person bei 1.327 Euro im Monat, für einen Elternteil mit einem Kind unter 14 Jahren bei 1.725 Euro und für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 2.787 Euro.
Was die Zahlen nicht zeigen
Grundlage sind Erstergebnisse des Mikrozensus 2025, die Endergebnisse können noch abweichen. Der Mikrozensus erfasst nur, wer in einem Haushalt lebt. Ob sich ein zweiter Elternteil außerhalb des Haushalts an Betreuung oder Unterhalt beteiligt, etwa im Wechselmodell, bildet die Statistik nicht ab. Den vollständigen Statistikteil mit regionalen Auswertungen stellt das niedersächsische Sozialministerium online zum Download bereit.

