Die Stadt Cloppenburg geht mit einem KI-gestützten Portal gegen leerstehende Gewerbeflächen vor. Eigentümer und Makler können freie oder bald frei werdende Immobilien dort kostenlos eintragen. Das Portal sucht dann überregional nach Handelsketten, die einen neuen Standort suchen, und spricht diese automatisch an. Die Stadt bezahlt das Projekt aus ihrer Wirtschaftsförderung, es ist zunächst auf ein Jahr angelegt. Vorgestellt wurde es beim zweiten Immo-Treffen im Ratssaal vor rund 30 Eigentümern, Maklern und weiteren Interessierten.
Wie das Matching funktioniert
Betrieben wird das Portal von der Firma „Hello Expansion“ aus Emden, vertreten beim Immo-Treffen von Timothy Keller und Michael Wagner. In ihrer Datenbank stehen nach eigenen Angaben mehr als 3200 Unternehmen mit mindestens zwei Filialen, die grundsätzlich weitere Standorte suchen.
Eigentümer hinterlegen Angaben wie Fläche, Adresse, Parkplätze, Fotos und Grundriss, auf Wunsch auch Mietvorstellungen oder Branchen, die sie ausschließen wollen. Das Team prüft dann Bebauungsplan, Baurecht und das Einzelhandelskonzept der Stadt und schaut, welche Geschäfte es im Umfeld schon gibt. Aus diesen Daten entsteht eine Liste passender Unternehmen, die das System automatisch anschreibt und bei Bedarf nachfasst. Der Eigentümer verfolgt den Stand in einem eigenen Dashboard. Zeigt ein Unternehmen Interesse, bekommt er die Kontaktdaten. Verhandlungen und Verträge bleiben seine Sache, „Hello Expansion“ tritt ausdrücklich nicht als Makler auf.

Filialisten als Frequenzbringer
Zunächst richtet sich das Angebot vor allem an Handelsketten. Davon soll auch der örtliche Einzelhandel profitieren: „Filialisten sind immer Frequenzbringer, auch für die umliegenden Geschäfte. Wichtig ist eine gute Mischung“, sagt Andy Albers, Leiter der städtischen Stabsstellen für Wirtschaftsförderung, Stadtmarketing, Kommunikation und Innovation. Cloppenburg sei die erste Kommune, die diesen Weg gehe.
Zusätzlich programmiert die Stadt eine interaktive Karte aller freien Gewerbeflächen, die bald online gehen soll. Dort können sich auch einzelne Unternehmen informieren, die sich ansiedeln oder umziehen wollen. Bereits gemeldete Immobilien werden automatisch übernommen. Beide Systeme laufen laut Stadt datenschutzkonform auf Servern in Deutschland.

Mehrere Eigentümer kündigten beim Treffen an, ihre Flächen zeitnah einzutragen. Einige zeigten sich auch offen dafür, ihre Immobilien an die Wünsche möglicher Mieter anzupassen.

