Herzinfarkt, Schlaganfall, schwere Atemnot, schwere Verletzungen und Sepsis: Bei diesen fünf Krankheitsbildern, in der Notfallmedizin „Big Five“ genannt, entscheidet oft die Zeit bis zur Behandlung über den Ausgang. Darauf hat das Team der Zentralen Notaufnahme des St.-Josefs-Hospitals Cloppenburg bei einem Patientenforum hingewiesen. Die wichtigste Botschaft von Chefärztin Dr. Sonja Römer und ihren Kolleginnen: Wer die Warnzeichen bemerkt, sollte nicht abwarten, sondern sofort den Rettungsdienst unter 112 rufen.
Die Warnzeichen im Überblick
Herzinfarkt: Die Beschwerden sind nicht immer eindeutig, betonte Nicole Henn, pflegerische Leiterin von Notaufnahme und Endoskopie. Schon beim Verdacht sollte man die 112 wählen. Die Leitstelle stellt gezielte Fragen und hilft, Ruhe zu bewahren. Liegen wichtige medizinische Unterlagen griffbereit, sollte man sie dem Rettungsdienst mitgeben.
Schlaganfall: Oberärztin Dr. Jasemin Dannheim nannte Zeichen, die auch Laien erkennen: plötzlicher Schwindel oder Gleichgewichtsprobleme, Doppelbilder, ein hängender Mundwinkel, ein Arm, der sich nicht oben halten lässt, sowie verwaschene oder unverständliche Sprache. In der Klinik klärt dann vor allem die Bildgebung, was genau dahintersteckt.
Atemnot: Etwa jeder fünfte Patient kommt nach Angaben von Oberärztin Dr. Bernadette Bröring-Wolf mit akuter Luftnot in die Notaufnahme. Ursachen reichen von Lungenentzündung, Lungenembolie und Asthma bis zu einer Herzschwäche oder einer verschlechterten COPD. Je nach Befund helfen Sauerstoff oder eine Atemunterstützung über eine Maske.
Schwere Verletzungen: Am Beispiel eines Verkehrsunfalls schilderte Oberärztin Milana Nikitina, wie im Schockraum nach festen internationalen Standards gearbeitet wird. Die schwer verletzte Patientin aus dem Fallbeispiel wurde nach Ganzkörper-CT, Operation und Intensivbehandlung später auf die Normalstation verlegt.
Sepsis: Die lebensbedrohliche Reaktion des Körpers auf eine Infektion kann Organe schwer schädigen. Warnsignale sind nach Dr. Römer Verwirrtheit, auffällige oder erschwerte Atmung, ein sehr schneller Puls und das Gefühl, schwer krank zu sein. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, chronisch Kranke und Neugeborene.
Warum manche länger warten
In der Notaufnahme wird nicht nach Ankunftszeit behandelt, sondern nach Dringlichkeit. Direkt nach der Aufnahme schätzt das Team ein, wie eilig die Behandlung ist. Römer warb angesichts voller Notaufnahmen um Geduld bei Wartezeiten und wies darauf hin, dass für viele Beschwerden die Hausarztpraxis oder der ärztliche Bereitschaftsdienst die bessere Anlaufstelle sei.

