Zehn Waschbären leben seit Kurzem im Tierpark Nordhorn. Am Freitag, 9. Oktober 2026, hat der Familienzoo den zweiten Teil seiner historischen Tierscheune „Heckmann“ in der Vechtewelt eröffnet. Damit hält der Tierpark eine Tierart, die in Deutschland und der gesamten Europäischen Union als invasiv eingestuft ist. Genau diesen Widerspruch will der Zoo zum Thema machen.
Eine Art, die Naturschützern Sorgen macht
Der Waschbär stammt ursprünglich aus Nordamerika. In Deutschland breitet er sich seit Jahrzehnten aus und kann heimische Arten und Ökosysteme beeinträchtigen. Seit 2016 steht er auf der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten, die auf Grundlage der EU-Verordnung 1143/2014 geführt wird. Für Arten auf dieser Liste gelten europaweit strenge Beschränkungen, unter anderem bei Haltung, Zucht und Handel.
Der Tierpark nutzt die neue Anlage deshalb ausdrücklich für Umweltbildung. Besucher sollen dort erfahren, was „invasiv“ eigentlich bedeutet und welche Folgen gebietsfremde Arten für heimische Lebensräume haben können. „Wir bewahren regionale Geschichte, vermitteln Wissen über Haustierhaltung und schaffen gleichzeitig Verständnis für aktuelle Naturschutzthemen wie invasive Arten“, sagt Tierparkleiter Dr. Nils Kramer.

Innen „Omas Waschküche“, draußen „Omas Garten“
Das Innengehege ist einer alten Waschküche nachempfunden. Durch ein Fenster können Besucher die Tiere beobachten. Draußen schließt sich „Omas Garten“ an, eine Außenanlage mit einer kleinen Kletterscheune, einem Kompost, Weinfässern als Rückzugsorten und einem Teich, in dem die Waschbären nach typischer Art mit den Vorderpfoten den Grund abtasten können. Die Handwerker des Tierparks haben die Außenanlage in den vergangenen Wochen fertiggestellt.

Eine 150 Jahre alte Scheune aus Bookholt
Die Tierscheune selbst ist ein Stück Nordhorner Stadtgeschichte. Das rund 150 Jahre alte Gebäude stand ursprünglich im Stadtteil Bookholt. Vor einigen Jahren wurde es abgetragen, eingelagert und mit seinen Originalbauteilen im Vechtehof des Tierparks wieder aufgebaut. Hartmut Heckmann, der die Scheune dem Tierpark überlassen hat, erinnerte bei der Eröffnung an seine Kindheit darin: Auf dem Heuboden bauten die Kinder Höhlen, ein alter Holzhandwagen von damals ist heute in der Scheune ausgestellt.
Den ersten Teil der Scheune hatten bereits vor den Sommerferien Cuy-Meerschweinchen bezogen. In Teilen Südamerikas werden die Tiere seit Jahrhunderten als Nutztiere gehalten und können bis zu drei Kilogramm schwer werden. Zusammen mit den Waschbären soll die Scheune zeigen, wie unterschiedlich Menschen und Tiere miteinander leben, vom Nutztier bis zur eingeschleppten Art.

Wer das Projekt bezahlt hat
Der Wiederaufbau der Scheune wurde mit 150.000 Euro aus LEADER-Mitteln der Europäischen Union gefördert. Die Bingo-Umweltstiftung Niedersachsen gab 27.000 Euro für die Umweltbildung, der Förderverein des Familienzoos 65.000 Euro für den Innenausbau und die Außenanlage. Bürgermeister Thomas Berling hob bei der Eröffnung hervor, dass das Projekt historisches Gebäude, Stadtgeschichte und neue Nutzung miteinander verbinde.
Über den Einzug der Waschbären und ihren ersten Ausflug ins Freigehege hatte regionalupdate.de bereits berichtet: Zehn Waschbären ziehen ein: Tierpark Nordhorn eröffnet neue Anlage am 9. Oktober. Die Eröffnung des ersten Scheunenteils im Juni 2026: Tierpark Nordhorn: Neue Tierscheune eröffnet.

