Sprengstoffdelikte und der Missbrauch von Pyrotechnik nehmen in Europa zu und stellen Polizei und Justiz vor neue Herausforderungen. Bei einer Fachkonferenz in Osnabrück haben deutsche, niederländische und schweizerische Behörden deshalb gemeinsame Strategien gegen diese Bedrohung beraten. Grundlage ist das neue EU-Projekt ISF LUMEN Expanded, dessen Teilprojekt „Explosives“ von der Polizeidirektion Osnabrück geleitet wird.
Experten aus mehreren Ländern beraten über Sprengstoffkriminalität
Die Polizeidirektion Osnabrück hat internationale Sicherheitsbehörden zu einer zweitägigen Fachkonferenz eingeladen. Vertreter der Polizei aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg kamen ebenso zusammen wie Vertreter des Bundeskriminalamts, des Zollkriminalamts sowie niederländischer und schweizerischer Polizei- und Justizbehörden. Anlass war der Kick-off des EU-Teilprojekts „Explosives“ im Rahmen des größeren Vorhabens ISF LUMEN Expanded, das von der EU mit mehreren Millionen Euro gefördert wird und unter Gesamtleitung des Landeskriminalamts Baden-Württemberg steht.
Hintergrund der Konferenz ist eine wachsende Bedrohungslage: Organisierte Kriminelle greifen zunehmend brutaler zu Sprengstoffen, etwa bei Geldautomatensprengungen. Verschärft wird die Situation durch das Phänomen „Violence as a Service“, bei dem Minderjährige über digitale Plattformen für Gewalttaten und Sprengstoffanschläge angeworben werden. Auch das seit 1. August geltende Feuerwerksverbot in den Niederlanden dürfte laut Einschätzung der Behörden zu Ausweichbewegungen im deutsch-niederländischen Grenzraum führen.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Fokus
Polizeipräsident Friedo de Vries betonte auf der Konferenz die Notwendigkeit einer abgestimmten internationalen Strategie: „Kriminalität macht an Staatsgrenzen nicht Halt – unsere Sicherheitsarchitektur darf es erst recht nicht.“ Ziel sei es, Kriminellen den Zugriff auf Explosivstoffe vollständig zu verwehren.
Auch der niederländische Polizeichef Martin Sitalsing von der Politie Eenheid Noord-Nederland nahm teil. Er verwies auf Sprengstoffdepots im Grenzgebiet, über die Material nach Deutschland geschmuggelt werde. Eine neue internationale Taskforce solle hier künftig mehr Handhabe schaffen.
Landespolizeidirektor Bernd Gründel hob die Bedeutung des frühzeitigen Informationsaustauschs hervor. Bestehende Kommunikationsstrukturen mit den niederländischen Partnern ermöglichten es, Entwicklungen wie das neue Feuerwerksrecht zeitnah einzuschätzen und entsprechend zu reagieren.
Einheitliche Regeln und mehr Kontrollen gefordert
Im Zentrum der Beratungen standen konkrete rechtliche und operative Maßnahmen. Diskutiert wurden einheitliche europäische Regelungen für den Umgang mit Explosivstoffen und Pyrotechnik, die Einführung von Rückverfolgungssystemen für pyrotechnische Gegenstände nach dem Vorbild ziviler Sprengstoffe sowie verstärkte, gemeinsame Kontrollen von Polizei, Zoll und Ordnungsbehörden im Grenzgebiet – insbesondere rund um den Jahreswechsel.
Die beteiligten Behörden waren sich einig, dass nur ein ganzheitlicher Ansatz aus Ermittlung, Prävention und gesetzlichen Anpassungen der veränderten Bedrohungslage gerecht werden kann. In den kommenden Jahren sollen die gemeinsamen Ermittlungs- und Abwehrmaßnahmen im Rahmen von ISF LUMEN Expanded gezielt ausgebaut werden. Neben der Bekämpfung von Sprengstoffkriminalität und Geldautomatensprengungen umfasst das Projekt auch Maßnahmen gegen Callcenter-Betrug, organisierte Kfz-Kriminalität und gruppenbezogene Gewaltkriminalität in Europa.

