Ein Anruf von der angeblichen Polizei, ein freundlicher Spendensammler an der Tür, eine Geldanlage mit traumhafter Rendite: Die Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim warnt immer wieder vor denselben Maschen. Die Täter setzen auf Zeitdruck, Angst und Vertrauen, und sie haben es oft auf ältere Menschen abgesehen. Hier steht, welche Maschen in der Region zuletzt vorkamen und wie Sie sich schützen.
Das Wichtigste vorweg: Echte Polizeibeamte verlangen niemals Bargeld oder Wertgegenstände, auch nicht „zur Sicherheit“ oder „zur Überprüfung“. Wer unsicher ist, legt auf und wählt selbst die 110.
Falsche Polizisten: erst der Anruf, dann der Besuch
Die Geschichte am Telefon ist fast immer dieselbe: Einbrecher seien in der Nachbarschaft unterwegs, das Ersparte sei in Gefahr. Oder ein Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht und brauche jetzt eine Kaution. Kurz darauf steht ein angeblicher Polizist oder „Personenschützer“ vor der Tür und nimmt Geld und Schmuck mit.
So lief es im Februar 2026 in Meppen: Im Ortsteil Esterfeld übergab eine Seniorin einem Unbekannten eine Geldkassette. In Teglingen suchte ein falscher Beamter zusammen mit einem älteren Mann im Keller nach Bargeld und verschwand anschließend damit. Ähnliche Fälle gab es in Emsbüren und Nordhorn. Dass Misstrauen hilft, zeigt ein Fall aus Nordhorn-Stadtflur im März 2026: Eine Frau ließ sich ihren Schmuck nicht abnehmen, der Mann gab auf.
Typische Warnzeichen laut Polizei:
- ein angeblicher Notfall wie Unfall, Festnahme oder Einbruchsgefahr
- die Forderung nach Bargeld, Schmuck oder anderen Wertsachen
- hoher Zeitdruck
- eine scheinbar echte Polizeinummer im Display, die in Wahrheit gefälscht ist
Was hilft: sofort auflegen, selbst bei der Polizei oder den Angehörigen zurückrufen, und zwar über eine Nummer, die Sie kennen. Keine Auskünfte über Geld oder Wertsachen geben und nichts an Unbekannte übergeben. Auch ein versuchter Betrug gehört angezeigt.
Trickdiebe an der Haustür
Die zweite große Masche kommt ohne Anruf aus. Jemand klingelt mit einem plausiblen Anliegen, verwickelt die Bewohnerin in ein Gespräch, und eine zweite Person durchsucht währenddessen unbemerkt die Wohnung.
- Falsche Handwerker: In einer Wohnanlage an der Mehringer Straße in Emsbüren gaben sich im Juli 2025 zwei Männer als Heizungsableser aus. Sie lenkten eine 81- und eine 91-Jährige ab und stahlen jeweils ein Schmuckkästchen.
- Falsche Spendensammler: In Uelsen ließ eine 86-Jährige im Februar 2026 eine angebliche Spendensammlerin herein. Während des Gesprächs verschwand Schmuck im Wert von rund 2.500 Euro. In einem Supermarkt in Haselünne sammelte eine Frau mit einer Unterschriftenliste im Namen einer Hilfsorganisation, die in Deutschland gar keine solchen Sammlungen durchführt.
- Ablenkung beim Besuch: In Emlichheim besuchte im März 2026 eine Unbekannte eine 92-Jährige, eine zweite Person nahm Bargeld aus dem Nachtschrank.
Was hilft: keine Fremden in die Wohnung lassen und die Tür nur mit vorgelegter Sicherheitskette öffnen. Einen Dienstausweis verlangen und im Zweifel selbst bei der Firma anrufen, über eine bekannte Nummer. Seriöse Hilfsorganisationen kündigen Sammlungen an und können sich ausweisen. Bei Unsicherheit Nachbarn oder Angehörige dazuholen, bei Verdacht die 110 wählen.
Anlagebetrug: Gewinne, die nur auf dem Bildschirm existieren
Hier sind alle Altersgruppen betroffen. Die Täter melden sich über soziale Netzwerke, Messenger, Online-Werbung, E-Mail oder Telefon und geben sich als Finanzexperten aus. Sie werben für Aktien, Kryptowährungen wie Bitcoin, Rohstoffe oder Devisenhandel, oft auf professionell gemachten Seiten, die angeblich von Prominenten oder bekannten Medien empfohlen werden.
Der Ablauf laut Polizei: Zuerst wird ein kleiner Betrag investiert, etwa 250 Euro. Auf der gefälschten Plattform wachsen scheinbar hohe Gewinne, also folgt mehr Geld. Auszahlen lässt sich nichts, stattdessen werden angebliche Steuern oder Gebühren fällig. Die Täter sitzen meist im Ausland, das Geld ist dann kaum zurückzuholen. In der Region hat die Polizei bereits Schäden in teils fünfstelliger Höhe aufgenommen.
Was hilft: bei ungewöhnlich hohen Renditen misstrauisch werden und sich nicht drängen lassen. Anbieter prüfen, zum Beispiel bei der Finanzaufsicht BaFin. Kein Geld an unbekannte Plattformen oder auf Auslandskonten überweisen und keine Fernwartungssoftware installieren, nur weil ein Fremder darum bittet. Vor größeren Anlagen unabhängig beraten lassen, etwa bei der Hausbank.
Gefälschte Paketzettel mit QR-Code
Im Januar 2026 warnte die Polizei vor Flyern, die wie eine Benachrichtigung des Paketdienstes aussehen: „Sendung verpasst – kein Problem“, dazu ein QR-Code. Der führt auf gefälschte Seiten, die persönliche Daten, Zugangsdaten oder Zahlungsinformationen abfragen oder Schadsoftware aufs Handy bringen. Diese Masche heißt „Quishing“.
Was hilft: keine QR-Codes aus unerwarteten Schreiben scannen, auf unbekannten Seiten keine Daten eingeben und Paketfragen nur über die offizielle App oder Website des Paketdienstes klären.
Wenn es schon passiert ist
Wer Geld überwiesen oder Wertsachen übergeben hat, sollte sofort die eigene Bank informieren und Anzeige bei der Polizei erstatten, auch bei einem bloßen Versuch. Jeder Hinweis hilft den Ermittlern, Serien zu erkennen. Angehörige sollten gerade ältere Familienmitglieder gezielt auf diese Maschen ansprechen. Weitere Tipps gibt die Polizei unter polizei-beratung.de.
Aktuelle Fälle aus der Region
- Haren: Polizei sucht Zeugen nach Schockanrufen
- Falscher Polizist in Lingen aktiv – Zeugen dringend gesucht
- Falscher Polizeibeamter in Meppen – Zeugen gesucht
- Papenburg: Falscher Polizeibeamter gesucht
- Falscher Polizist in Nordhorn erbeutet Schmuck und Münzen
Dieser Ratgeber fasst Warnungen der Polizeiinspektion Emsland/Grafschaft Bentheim aus den Jahren 2025 und 2026 zusammen. Stand: Oktober 2026.

