Im ganzen Emsland können Menschen jetzt per Sirene vor Gefahren gewarnt werden. Der Landkreis hat den Ausbau seines digitalen Sirenennetzes abgeschlossen, 319 Anlagen stehen im Kreisgebiet. Den offiziellen Abschluss feierten Landrat Marc-André Burgdorf, Vertreter der Kommunen und des Herstellers am 30. Oktober 2026 an einer Mastsirene in Esterwegen. Fertig geworden war das Netz bereits im Juli.
Wann die Sirenen zu hören sind
Getestet werden die Sirenen zweimal im Jahr: bei der kreisweiten Sirenenübung am zweiten Donnerstag im März und beim bundesweiten Warntag am zweiten Donnerstag im September. Die nächsten Termine sind damit die kreisweite Übung am 11. März 2027 und der Warntag am 9. September 2027. Beim Warntag am 10. September 2026 waren erstmals alle 319 Sirenen dabei, 318 lösten alle vorgesehenen Signale korrekt aus.
Im Ernstfall steuert die Leitstelle Ems-Vechte die Sirenen zentral an, eine Auslösung vor Ort ist ebenfalls möglich. Neben den bekannten Warntönen können die Anlagen 15 vorbereitete Sprachdurchsagen abspielen, etwa zu Bränden, Unwettern, verunreinigtem Trinkwasser oder Stromausfall. Sirenen sind dabei nur ein Teil der Warnung: Hinzu kommen Warn-Apps und Lautsprecherdurchsagen. Ihr Vorteil ist die Weckfunktion, sie erreichen Menschen auch nachts und ohne Handy.
Auch bei Stromausfall einsatzbereit
Alle Sirenen haben eine Notstromversorgung und können auch bei einem Stromausfall bis zu 20 Tage lang ausgelöst werden. Die Anlage in Esterwegen, eine von 14 neuen Sirenen in der Samtgemeinde Nordhümmling, sitzt auf einem Mast und hat eine Leistung von 600 Watt. Als nächstes sollen alle Sirenen ein sogenanntes KomRe-Modul bekommen, das sie auch dann auslösbar macht, wenn der normale Übertragungsweg ausfällt. Bis Mitte 2027 kommt zudem eine Text-to-Speech-Funktion dazu: Dann lässt sich für den konkreten Ernstfall ein eigener Text schreiben, den die Sirene automatisch als Durchsage abspielt.
Thomas Aicher, Geschäftsführer der mit dem Ausbau beauftragten Safus GmbH, nannte die Sirenen die letzte Kommunikationsebene, die noch funktioniere, wenn alle anderen Warnmittel ausfallen. Jörg Schmedes, Samtgemeindebürgermeister in Nordhümmling und Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten im Landkreis, verwies auf die gewachsenen Unsicherheiten auf internationaler Ebene.
7,4 Millionen Euro für das Netz
Insgesamt kostete das Sirenennetz rund 7,4 Millionen Euro. Bund und Land steuerten rund 3,4 Millionen Euro an Fördermitteln bei, der Landkreis rund eine Million Euro, die Städte und Gemeinden trugen rund drei Millionen Euro selbst. Grundlage war ein Warnkonzept, das der Landkreis ab 2021 mit den Kommunen erarbeitet hat. Die Standorte wurden anhand von Beschallungsgutachten festgelegt. In zwei Vergabeverfahren 2022 und 2023 hat der Landkreis nach eigenen Angaben 278 Sirenen für rund 6,6 Millionen Euro ausgeschrieben, 2025 folgten in einem dritten Verfahren 42 weitere Sirenen für rund 866.000 Euro. Rechnerisch ergibt das 320 Sirenen, als Gesamtzahl nennt der Landkreis 319. Beide Angaben stammen so aus der Mitteilung des Landkreises. Die letzten zehn Sirenen in der Samtgemeinde Herzlake wurden 2025 mit Bundesmitteln gefördert.

