Nach mehr als 39 Jahren in der Kreisverwaltung und sieben Jahren als Landrat ist Uwe Fietzek am Freitag, 30. Oktober 2026, offiziell verabschiedet worden. Rund 190 Gäste kamen dazu ins neue LernForum des Campus Berufliche Bildung und in die BBS in Nordhorn. Erste Kreisrätin Sandra Cichon überreichte ihm die Entlassungsurkunde. Mit dem Ende seiner Amtszeit im Oktober geht der 64-Jährige in den Ruhestand.
Vom Sachbearbeiter an die Spitze des Kreishauses
Fietzek fing als Sachbearbeiter in der Personalabteilung des Kreishauses an der Van-Delden-Straße an. Später leitete er unter anderem die Abteilungen Personal, Soziales und Gesundheit sowie Zentrale Dienste und Steuerung. Ab den frühen 2000er-Jahren gehörte er als Kreisrat und dann als Erster Kreisrat zum Verwaltungsvorstand, im November 2019 wurde er Landrat. Für eine weitere Wahlperiode stand er nicht zur Verfügung, es sei Zeit, dass jemand Jüngeres übernehme.
Was er heute anders entscheiden würde
Seine Amtszeit war von Krisen geprägt: Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und das Weihnachtshochwasser. Insgesamt sei die Grafschaft gut durch diese Zeit gekommen, sagt Fietzek. Die Schließung von Schulen, Kitas und Sporthallen während der Pandemie würde er allerdings nicht noch einmal anordnen, weil die Folgen für Jugendliche bis heute zu spüren seien. Auch die Ausgangssperre über Weihnachten habe ihn lange beschäftigt.
190 Millionen Euro für Gebäude, Schulen und Straßen
In seiner Amtszeit hat der Landkreis mehr als 190 Millionen Euro investiert, vor allem in die energetische Sanierung der Kreisgebäude und in die Infrastruktur. Marode Schulen, Straßen oder Brücken gebe es heute nicht, so Fietzek. Sein Lieblingsprojekt ist der Campus Berufliche Bildung, dessen LernForum gerade fertig geworden ist. Als Nächstes soll dort das Innovationszentrum vorankommen.
Zu seiner Bilanz zählen außerdem eine eigene Stabsstelle für Digitalisierung, die Zusammenlegung der Grafschafter Leitstelle mit der des Emslands samt gemeinsamem Neubau in Meppen, das Telenotarztsystem und eine Absichtserklärung mit der niederländischen Provinz Overijssel zur Zusammenarbeit bei Sicherheit und Verteidigung.
Was offen bleibt: Funklöcher, Eissporthalle, Sitzungssaal
Die Mobilfunklücken in der Grafschaft zu schließen, ist nach Fietzeks Worten an rechtlichen Vorgaben gescheitert. Ebenfalls nicht abgeschlossen ist der Verkauf des Geländes der Eissporthalle. Den Rückbau nach zwei Bürgerentscheiden hält er weiterhin für richtig, auch wegen der schwierigen Haushaltslage. Für die Kreisfinanzen verweist er auf das im Sommer einstimmig beschlossene Sparpaket über 15 Millionen Euro. Nicht geschafft hat er auch die Modernisierung des großen Sitzungssaals im Kreishaus.
Pläne für den Ruhestand
Künftig will Fietzek mehr Zeit mit seiner Familie, seinen Eltern und den Enkeln verbringen. Im Heimatverein Grafschaft Bentheim und im Vorstand der Emsländischen Landschaft bleibt er aktiv. In die Kreispolitik einmischen will er sich nicht.

