Die Samtgemeinde Dörpen nimmt eine Vorreiterrolle im Emsland ein und startet als erste Samtgemeinde im EWE-Versorgungsgebiet den Planungsprozess für eine klimaneutrale Wärmeversorgung. Gemeinsam mit dem regionalen Energienetzbetreiber EWE NETZ verfolgt Dörpen das Ziel, eine umfassende Strategie zu entwickeln, die den individuellen Bedürfnissen der neun Mitgliedsgemeinden gerecht wird: Dersum, Dörpen, Heede, Kluse, Lehe, Neubörger, Neulehe, Walchum und Wippingen.
Dank einer Fördermittelquote von 90 % konnte das Projekt offiziell beginnen. Der einstimmige Beschluss des Gemeinderats betont die Notwendigkeit einer gemeinsamen Wärmeplanung auf Samtgemeindeebene, die gleichzeitig Synergien zwischen den Gemeinden nutzen und regionale Potenziale optimal ausschöpfen soll. „Unsere Vielfalt ist eine Stärke, die wir gezielt für eine klimaneutrale Wärmeversorgung einsetzen wollen“, so Samtgemeindebürgermeister Herrmann Wocken. Unterstützung kommt von EWE NETZ, das mit seiner Expertise in der kommunalen Energieversorgung den Prozess begleitet.
Wo stehen wir jetzt? – Die Bestandsaufnahme
Die erste Phase der Wärmeplanung ist die Bestandsaufnahme. Hier wird der Ist-Zustand der Energieversorgung in der Samtgemeinde Dörpen erfasst. Dazu gehören nicht nur Informationen über die bestehende Infrastruktur, sondern auch über die Gebäudetypen und deren Baualtersklassen. Dieser Schritt ist entscheidend, um die Potenziale für eine klimaneutrale Wärmeversorgung fundiert zu bewerten.
„Wir haben bereits wichtige Schritte im Bereich Klimaschutz unternommen, wie z. B. Wirtschaftlichkeitsberechnungen für PV-Anlagen auf kommunalen Gebäuden und den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge“, erklärt Alexander Herbers, Klimaschutzmanager der Samtgemeinde Dörpen. Ein weiteres Beispiel ist das Blockheizkraftwerk (BHKW), das durch Rohbiogas aus der Biomassevergärungsanlage der Mülldeponie des Landkreises versorgt wird. Dieses BHKW liefert Wärme und Strom für das Dünenbad und eine benachbarte Schule und spart dabei jährlich 400 Tonnen CO₂ ein.
Zukunftsweisende Möglichkeiten – Die Potenzialanalyse
In der zweiten Phase, der Potenzialanalyse, wird ermittelt, welche Möglichkeiten es gibt, die bestehende Energieinfrastruktur klimaneutral zu gestalten. Dabei werden technologische und natürliche Potenziale geprüft, darunter die Nutzung von Biomasse, Geothermie und Solarenergie. Durch den Einsatz dieser Ressourcen kann die Samtgemeinde Dörpen ihre Wärmeversorgung nachhaltig und klimafreundlich umstellen.
Ein besonders innovativer Aspekt ist der Einsatz des „Digitalen Zwillings“, einer fortschrittlichen Technologie, die eine exakte Abbildung der Samtgemeinde ermöglicht. „Mit dieser Software können wir den Energieverbrauch, die Energieträger und die erneuerbaren Potenziale transparent darstellen“, erklärt Julian Binczyk, Projektleiter für die Kommunale Wärmeplanung bei EWE NETZ. Dies erleichtert eine datenbasierte Planung und macht die Wärmewende effizienter und nachhaltiger.
Wege zur Wärmewende – Szenarienentwicklung
Die dritte Phase des Prozesses besteht in der Entwicklung von Zielszenarien. Diese Szenarien bieten verschiedene Modelle zur klimaneutralen Wärmeversorgung. Es wird geprüft, ob zentrale oder dezentrale Versorgungsformen geeigneter sind, welche Technologien sich langfristig bewähren und wie die Synergien zwischen den Mitgliedsgemeinden optimal genutzt werden können.
Der Fokus liegt dabei auf einer gerechten Balance zwischen technischer Machbarkeit und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. „Unser Ziel ist es, einen effektiven Fahrplan zu entwickeln, der sowohl den Klimaschutz voranbringt als auch die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger berücksichtigt“, sagt Gerd Niemann, Kommunalbetreuer von EWE NETZ.
Konkrete Maßnahmen – Der Fahrplan für die Zukunft
Die letzte Phase umfasst die Entwicklung eines detaillierten Maßnahmenkatalogs. Darin werden konkrete Projekte definiert, die zur Erreichung der klimaneutralen Wärmeversorgung beitragen. Die Samtgemeinde Dörpen verpflichtet sich, innerhalb von fünf Jahren mindestens fünf der vorgeschlagenen Maßnahmen umzusetzen.
Durch diese Maßnahmen sollen nicht nur der CO₂-Ausstoß reduziert, sondern auch neue Arbeitsplätze geschaffen und die Region als Vorreiter im Bereich Klimaschutz positioniert werden. Ein weiterer Vorteil der kommunalen Wärmeplanung ist die Schaffung von Transparenz und Planungssicherheit für Bürger und Unternehmen, die auf eine verlässliche und zukunftsfähige Energieversorgung angewiesen sind.
Klimafreundlich und zukunftssicher
Der neue Wärmeplan der Samtgemeinde Dörpen schafft Klarheit über die zukünftige Wärmeversorgung und gibt Orientierung für individuelle Entscheidungen. Gleichzeitig ermöglicht er den Bürgerinnen und Bürgern, selbstbestimmt zu entscheiden, wie sie ihre Wärmeversorgung gestalten wollen. „Wir schreiben niemandem vor, wie künftig geheizt werden muss. Stattdessen bieten wir eine fundierte Grundlage für die zukünftige Planung“, betont Julian Binczyk.
Die Samtgemeinde Dörpen ist somit ein Vorbild für andere Gemeinden, wie Klimaschutz und technische Machbarkeit erfolgreich in Einklang gebracht werden können.
Quellenangaben:
Samtgemeinde Dörpen: „Samtgemeinde Dörpen startet Wärmeplanung.“
Foto: Daniel Mäß