KÖLN. Erstmals sind weltweit mehr Kinder und Jugendliche fettleibig als untergewichtig – das zeigt ein neuer Bericht von UNICEF. Hauptursache sei die allgegenwärtige Vermarktung stark verarbeiteter Lebensmittel, so die Kinderrechtsorganisation. Besonders betroffen sind einkommensstarke Länder, doch auch in Deutschland ist jedes vierte Kind übergewichtig.
Laut dem aktuellen „Child Nutrition Report 2025“ von UNICEF sind 391 Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 19 Jahren weltweit übergewichtig – 188 Millionen davon sogar fettleibig. Untergewicht betrifft dagegen nur noch 9,2 Prozent dieser Altersgruppe. Damit hat sich das Bild der weltweiten Fehlernährung deutlich verschoben. Die Folge: Gesundheitsrisiken und wirtschaftliche Belastungen nehmen zu, warnt UNICEF.
„Fettleibigkeit ist ein wachsendes Problem, das sich auf die Gesundheit und Entwicklung von Kindern auswirkt“, sagte Catherine Russell, Exekutivdirektorin von UNICEF. Insbesondere stark verarbeitete Lebensmittel verdrängen gesunde Alternativen wie Obst, Gemüse und Proteine. In Deutschland liegt der Anteil adipöser Kinder mit acht Prozent seit Jahren konstant, der Anteil übergewichtiger Kinder stieg von 24 Prozent (2000) auf 25 Prozent (2022).
Marketing beeinflusst Essverhalten
Ein zentrales Problem sieht UNICEF im aggressiven Marketing: Fast Food und stark verarbeitete Produkte sind nicht nur günstig und weit verbreitet, sondern werden auch gezielt in Schulen, Geschäften und über digitale Kanäle beworben. Kinder sind dieser Dauerwerbung oft schutzlos ausgeliefert.
Besonders dramatisch zeigt sich der Trend in pazifischen Inselstaaten wie Nauru oder den Cookinseln, wo über ein Drittel der Kinder fettleibig ist. Dort hat ein Wandel von traditioneller zu importierter, energiereicher Ernährung stattgefunden.
Prävention gegen lebenslange Folgen
Übergewicht im Kindesalter hat häufig lebenslange Folgen – von chronischen Krankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck bis hin zu psychosozialen Problemen wie Mobbing oder niedrigem Selbstwertgefühl. „Ohne Prävention steigen die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kosten“, heißt es im Bericht.
Ein positives Beispiel nennt UNICEF aus Mexiko: Dort wurde der Verkauf stark verarbeiteter Lebensmittel in Schulen verboten – eine Maßnahme, die über 34 Millionen Kinder betrifft. Auch in Europa fordern Experten verstärkte gesundheitspolitische Maßnahmen.
Relevanz für die Region
Auch im Emsland und der Grafschaft Bentheim ist Übergewicht bei Kindern ein wachsendes Thema. Schulen, Vereine und Kommunen sind gefragt, präventiv zu handeln – etwa durch gesunde Schulverpflegung oder Bewegungsangebote. Die Frage, wie sich Ernährungstrends lokal gestalten lassen, bleibt auch hier hochaktuell.

