Rhauderfehn/Papenburg. Der Fachkräftemangel in der Physiotherapie hat längst kritische Ausmaße erreicht – auch in Ostfriesland, dem Emsland und der Grafschaft Bentheim. Zwei Praxisbetreibende aus Rhauderfehn gehen nun neue Wege und wollen gezielt mexikanische Fachkräfte einstellen. Unterstützt werden sie dabei von der Wachstumsregion Ems-Achse, die die Initiative koordiniert.
„In Deutschland fehlen rund 60.000 Physiotherapeuten“, berichtet Knut Hofmayer, Physiotherapeut und Dozent aus Rhauderfehn. Gemeinsam mit Kollegin Petra Meyer nahm er an einer Delegationsreise nach Mexiko teil, organisiert von Projektmanagerin Stephanie Leigers. Ziel: Qualifizierte Fachkräfte für therapeutische Praxen in der Region gewinnen.
Die Eindrücke vor Ort waren eindeutig: In Mexiko dauert die Ausbildung vier Jahre, schließt mit einem Bachelor ab und verbindet Theorie und Praxis auf hohem Niveau. Die Studiengänge an Einrichtungen wie IPETH, Universidad Teleton und dem Centro Nacional de Rehabilitación überzeugten die Delegation mit moderner Ausstattung und klinischer Nähe. „In Ausstattung und Technik sind die Unis dort 25 Jahre voraus“, so Hofmayer.
Trotz hoher Qualifikation sehen sich die Bewerberinnen und Bewerber jedoch bürokratischen Hürden gegenüber: kostenpflichtige Defizitbescheide, langwierige Gutachterverfahren, teure Anpassungslehrgänge. Die Fresenius-Schule Leer plant ab 2026 als erste Einrichtung in Niedersachsen zertifizierte Kurse anzubieten.
Ein weiteres Problem: der Führerschein. In Deutschland nicht anerkannt, müssen die Fachkräfte für mehrere tausend Euro eine neue Fahrerlaubnis erwerben – ein Hindernis, das viele abschrecken könnte.
Die Ems-Achse will sich deshalb noch stärker politisch einbringen. „Wir brauchen flexiblere und schnellere Verfahren“, fordert Leigers. Die bisherigen Bemühungen zeigen jedoch Erfolg: Bereits 52 Bewerbungen liegen aus Mexiko vor – ein Hoffnungsschimmer für viele Praxen in der Region.
Quelle: Wachstumsregion Ems-Achse

