Hannover. Anlässlich des Welt-Polio-Tags am 24. Oktober warnt die Ärztekammer Niedersachsen vor einer möglichen Ausbreitung der Kinderlähmung in Deutschland – trotz bislang fehlender dokumentierter Krankheitsfälle. Der Grund: Im Abwasser mehrerer Städte wurden Polioviren nachgewiesen, die vom Schluckimpfstoff aus dem Ausland abgeleitet sind.
„Bei einem ausreichenden Impfschutz besteht kein Gesundheitsrisiko“, betont Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen. Sie verweist auf Daten des Robert Koch-Instituts (RKI), das eine mögliche Übertragung in Deutschland inzwischen für wahrscheinlich hält. Besonders problematisch: Viele Infektionen verlaufen symptomlos – Polio sei deshalb schwer zu erkennen, aber hochansteckend.
Poliovirus im Abwasser: Impflücken bei Kleinkindern
In Deutschland wird seit 1998 ausschließlich der Totimpfstoff verwendet. In vielen Ländern hingegen kommt noch der orale Lebendimpfstoff zum Einsatz – ein Umstand, der zur Ausscheidung abgeschwächter Viren führen kann. Das RKI hat solche Viren bereits in Abwasserproben aus mehreren Städten nachgewiesen.
Die Impfquote bei Kleinkindern ist laut RKI besorgniserregend: Nur rund 21 Prozent der Einjährigen und 77 Prozent der Zweijährigen in Deutschland verfügen über einen vollständigen Impfschutz. Besonders Risikopersonen mit geschwächtem Immunsystem sollten ihren Impfstatus überprüfen.
„Es sollte jeder einen ausreichenden Impfschutz gegen Polio haben“, mahnt Wenker. Die Kinderlähmung kann in schweren Fällen das Rückenmark angreifen und zu dauerhaften Lähmungen führen. Eine Therapie gibt es nicht – nur die Impfung bietet wirksamen Schutz.
Weitere Informationen zum Thema und zu den aktuellen RKI-Bewertungen sind auf rki.de abrufbar.
Quelle: Ärztekammer Niedersachsen. Foto: ÄKN

