Lingen. Wie können Kinder lernen, mit Reizen, Frust und Ablenkung umzugehen? Antworten darauf gab der 12. Emsländische Fachtag Schulsozialarbeit im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH), bei dem rund 200 Fachkräfte zusammenkamen. Zentrale Botschaft: Selbstregulation ist eine Schlüsselkompetenz – und lässt sich gezielt fördern.
Die Neurowissenschaftlerin Dr. Sabine Kubesch vom INSTITUT BILDUNG plus aus Heidelberg eröffnete die Veranstaltung mit einem Vortrag zur Bedeutung der Selbststeuerung im Alltag von Kindern und Jugendlichen. Dabei betonte sie: „Selbstregulation ist keine Charakterfrage, sondern eine trainierbare Fähigkeit.“ Grundlage sei das Zusammenspiel exekutiver Funktionen im Gehirn – wie Impulskontrolle, Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen –, die nur durch Übung gestärkt werden könnten. Gerade in einer digitalen Welt, die auf schnelle Belohnungen setze, gewinne diese Fähigkeit zunehmend an Relevanz.
Selbstregulation bei Kindern fördern
Kubesch hob hervor, dass Plattformen wie TikTok oder Instagram auf Dopaminausschüttung setzten, also auf kurzfristige Motivation. Doch nachhaltige Zufriedenheit entstehe erst durch Serotonin, das nach Anstrengung freigesetzt werde. Deshalb seien Routinen, Bewegung, klare Regeln und ein verlässliches Erziehungsumfeld entscheidend. „Kinder müssen lernen, Frust auszuhalten und Belohnungen aufzuschieben“, erklärte Kubesch. Studien zeigten, dass dies für den späteren Erfolg wichtiger sei als der IQ.
Insgesamt elf Workshops sowie ein weiterer Fachvortrag von Christian Kuhnert vom Regionalen Landesamt für Schule und Bildung Osnabrück vertieften die Impulse aus der Wissenschaft mit praxisnahen Methoden. Themen wie Medienkompetenz, Krisenbewältigung, Demokratiebildung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Schulalltag wurden diskutiert. Die Teilnehmenden erhielten konkrete Werkzeuge für ihren Arbeitsalltag.
Warum Schulsozialarbeit ohne Austausch nicht funktioniert
LWH-Direktor Marcel Speker, Bildungsmanagerin Judith Hilmes und Emslands Erster Kreisrat Martin Gerenkamp eröffneten die Veranstaltung mit wertschätzenden Worten für die Teilnehmenden. Gerenkamp berichtete von einem Gespräch mit einer Schulsozialarbeiterin: Auf die Frage, wer die Schule betreue, während alle beim Fachtag seien, habe sie geantwortet: „Die Schule brennt auch ohne uns.“ Das unterstreiche, so Gerenkamp, sowohl die Bedeutung des Fachtags als auch die Belastung im Berufsalltag.
Organisiert wurde der Fachtag vom Ludwig-Windthorst-Haus in Kooperation mit der Bildungsregion Emsland. Für die inhaltliche Ausgestaltung sorgte ein engagiertes Planungsteam mit Fachkräften aus verschiedenen Bildungseinrichtungen der Region.

