Blisterpackungen mit orangefarbenen und gelben Kapseln neben einem 10-Euro-Schein auf einer neutralen Oberfläche.

Arzneimittelpreise gesetzliche Krankenversicherung im Fokus der Kritik

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Berlin. Vor dem morgigen Pharma-Dialog im Kanzleramt warnt der AOK-Bundesverband vor wirtschaftlicher Bevorzugung der Pharmabranche zulasten der Beitragszahler. Vorstandsvorsitzende Dr. Carola Reimann fordert, Arzneimittelpreise in der gesetzlichen Krankenversicherung endlich stärker zu regulieren.

Hintergrund des Treffens ist das Ziel der Bundesregierung, die pharmazeutische Industrie in Deutschland zu einer „Leitwirtschaft“ zu entwickeln. Der Pharma-Dialog soll deshalb wachstumsförderliche Rahmenbedingungen für Produktion und Versorgung erörtern. AOK-Chefin Reimann begrüßt zwar grundsätzlich den Austausch, kritisiert jedoch: „Die Pharmabranche darf nicht von allen Effizienzanstrengungen im Gesundheitswesen ausgenommen werden.“ Sie warnt vor einer einseitigen Wirtschaftsförderung, die auf Kosten der GKV-Finanzen gehen könnte.

Arzneimittelpreise gesetzliche Krankenversicherung unter Druck

Reimann verweist auf konkrete Entlastungsmöglichkeiten: Eine kurzfristige Anhebung des Herstellerrabatts von 9 auf 16 Prozent würde der GKV sofort 1,8 Milliarden Euro bringen – ein Schritt, den die gutverdienende Branche laut AOK gut verkraften könnte. Die Bundesregierung müsse daher bei allen Förderüberlegungen die Belastung durch Arzneimittelkosten mitdenken.

Besonders kritisch sieht Reimann den Eindruck, dass der Staat die Branche durch ein hohes Preisniveau und reduzierten Wettbewerb in der gesetzlichen Krankenversicherung stützen wolle. Die AOK betont: „Für Absatzförderung und Standortsicherung ist nicht die GKV zuständig, sondern die Wirtschafts-, Außen- und Steuerpolitik.“

Starker Impuls für Biosimilars erwartet

Langfristig fordert die AOK eine nutzenbasierte Preisbildung und eine Weiterentwicklung des AMNOG-Verfahrens zur Nutzenbewertung von Arzneimitteln. Als positives Beispiel nennt Reimann das geplante G-BA-Vorhaben zur Substitution von Biosimilars in Apotheken. Dies könne milliardenschwere Effizienzreserven heben – besonders, wenn wie bei Generika eine Austauschpflicht eingeführt werde.

Pharma-Dialog darf Kostenfrage nicht aussparen

Abschließend betont der AOK-Bundesverband, dass die gesetzliche Krankenversicherung keine Industriepolitik betreiben dürfe. Stattdessen müsse sie weiterhin für eine bezahlbare Versorgung der Bevölkerung sorgen. Die Arzneimittelpreise in der gesetzlichen Krankenversicherung gehören deshalb zwingend auf die Agenda des Pharma-Dialogs – im Interesse aller Beitragszahler.

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