Hannover. Die Ärztekammer Niedersachsen ruft anlässlich der Welt-Antibiotikawoche 2025 zu einem bewussteren Umgang mit Antibiotika auf. Präsidentin Dr. med. Martina Wenker mahnt, diese Medikamente nur gezielt einzusetzen, um die wachsende Bedrohung durch resistente Erreger einzudämmen.
Immer mehr resistente Erreger in Niedersachsen und weltweit
Laut dem aktuellen WHO-Bericht zur weltweiten Antibiotikaresistenz war 2023 jede sechste bakterielle Infektion auf resistente Erreger zurückzuführen. In Deutschland starben nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts im Jahr 2019 fast 10.000 Menschen infolge solcher Infektionen. Besonders bedrohlich ist der Trend bei gramnegativen Stäbchenbakterien, deren Resistenzlage sich weiter verschärft.
Dr. Wenker erklärt: „Wir haben gesehen, dass gezielte Maßnahmen bei Erregern wie MRSA helfen können. Doch die steigenden Zahlen zeigen, dass nationale Strategien wie DART 2030 noch nicht ausreichen.“
Händewaschen und gezielter Antibiotikaeinsatz als wichtigste Maßnahmen
Die Präsidentin der ÄKN appelliert an Bevölkerung und Ärzt*innen gleichermaßen: „Infektionen sollten möglichst durch einfache Hygienemaßnahmen wie gründliches Händewaschen vermieden werden. Ärztinnen und Ärzte müssen Antibiotika nur dann verschreiben, wenn es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine bakterielle Infektion handelt.“
Dabei sei es entscheidend, Medikamente mit einem möglichst schmalen Wirkspektrum einzusetzen, um weitere Resistenzen zu verhindern.
Phagen als Hoffnungsträger in der Forschung
Ein Lichtblick in der medizinischen Forschung sind laut Wenker sogenannte Bakteriophagen – Viren, die gezielt Bakterien angreifen. Einrichtungen wie das Nationale Zentrum für Phagen-Therapie an der Medizinischen Hochschule Hannover prüfen derzeit deren Einsatz als alternative Therapieform gegen multiresistente Keime.
„Gerade wenn Antibiotika nicht mehr wirken, könnten Phagen in Zukunft ein wichtiger Baustein der Behandlung sein“, so Wenker.
