Gebäudeenergiegesetz Reform 2025: Energieverbände fordern Kurswechsel

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Berlin. Die bevorstehenden Beratungen zur Reform des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) werfen erneut ein Schlaglicht auf zentrale Weichenstellungen der deutschen Energiepolitik. Vor dem Hintergrund steigender Unsicherheiten bei Investitionen in klimafreundliche Wärme- und Energieinfrastruktur fordern führende Energieverbände wie der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) und Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft eine klare Linie: Ein verlässlicher Rahmen sei unerlässlich, um Planungssicherheit für Haushalte, Unternehmen und Kommunen zu schaffen.

Wärmewende braucht klare Regeln

Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, betonte die Dringlichkeit: „Wir brauchen unbedingt einen klaren Fahrplan für eine klimafreundliche Wärmeversorgung und keine weitere Verunsicherung.“ Die Investitionsentscheidungen, die Eigentümer, Versorger und Kommunen heute träfen, wirkten sich auf Jahrzehnte aus. Deshalb sei ein konsistentes Regelwerk mit langfristiger Förderstrategie unabdingbar.

Das derzeitige Gebäudeenergiegesetz sorge jedoch für Unsicherheit. Der BDEW fordert daher eine schnelle und koordinierte Novellierung, die Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Praxistauglichkeit verbindet. Nur so könne die Wärmewende zu einem volkswirtschaftlich tragfähigen Projekt werden, das auch für Bürgerinnen und Bürger finanzierbar bleibt.

Gebäudeenergiegesetz: Hürde oder Hebel?

Die Energieverbände sehen das GEG nicht nur als rechtlichen Rahmen, sondern als möglichen Hebel – oder eben auch als Bremse – auf dem Weg zur klimaneutralen Energieversorgung. In einer gemeinsamen Stellungnahme betonen BDEW, DVGW und Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft, dass die aktuellen Vorgaben des GEG den Einsatz neuer Gase wie Wasserstoff und Biomethan behinderten.

„Das Gebäudeenergiegesetz mit seinen detaillierten Wasserstofffahrplänen schränkt die Entwicklung der Verteilnetze und die Wärmewende unnötig ein“, kritisiert Dr. Timm Kehler, Vorstand des Verbands Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft. Gefordert seien einfache, wettbewerbliche Regeln, die neue Gase nicht ausschließen, sondern aktiv fördern.

Die geplanten Anpassungen müssten technologieoffen und praxisnah sein. Nur so könnten neue Gase als Bestandteil der Wärmeversorgung im Gebäudesektor genutzt werden – eine zentrale Voraussetzung für einen flexiblen, resilienten Energiemix der Zukunft.

H₂ready-Kraftwerke als Schlüsseltechnologie

Ein weiteres zentrales Thema ist der beschleunigte Ausbau steuerbarer Kraftwerkskapazitäten. Die Verbände fordern schnellstmögliche Ausschreibungen für sogenannte H₂ready-Gaskraftwerke, die künftig einspringen sollen, wenn erneuerbare Energien wie Wind und Sonne nicht ausreichen.

Dr. Kirsten Westphal, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDEW, erklärte: „Bei der Infrastruktur ist der Grundstein mit dem bestehenden Gasnetz, dem im Aufbau befindlichen Wasserstoffkernnetz und geplanten Wasserstoffspeichern bereits gelegt.“ Wichtig sei nun, Investitionssicherheit zu schaffen, etwa durch einen staatlich abgesicherten Kapazitätsmarkt.

Der aktuelle Versorgungssicherheitsbericht der Bundesnetzagentur bestätige den Bedarf an steuerbaren Kraftwerken. Diese Anlagen fungieren gleichzeitig als Ankerkunden für das Wasserstoffnetz, wodurch Infrastruktur, Erzeugung und Nachfrage gemeinsam wachsen können.

Neue Gase stärken Industrie und Mittelstand

Die Verbände betonen, dass neue Gase wie Wasserstoff und Biomethan nicht nur für die Versorgungssicherheit, sondern auch für die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands entscheidend seien. „Bezahlbare Energie ist die Voraussetzung für Wachstum, Wohlstand und die Sicherung von Arbeitsplätzen“, so Prof. Dr. Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des DVGW.

Damit sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein Markt entwickeln könne, müssten regulatorische Hemmnisse wie die Strombezugskriterien für Elektrolyseure und der Wegfall der Netzentgeltbefreiung fallen. Auch die Anerkennung von kohlenstoffarmem Wasserstoff – etwa blauem oder türkisem – sei notwendig, um den Markthochlauf zu beschleunigen.

Reform mit Blick auf die Region

Was bedeutet die Gebäudeenergiegesetz Reform 2025 für Regionen wie das Emsland, Münster oder Osnabrück? Auch dort stehen Stadtwerke, Handwerksbetriebe und Wohnungsbaugesellschaften vor Investitionen in Infrastruktur und Versorgungssysteme. Ohne klare gesetzliche Vorgaben besteht das Risiko von Fehlinvestitionen, Verzögerungen und steigenden Kosten – mit direkten Folgen für die regionale Wirtschaft und Bevölkerung.

Viele Kommunen arbeiten bereits an der Umstellung ihrer Wärmeversorgung. Doch Unsicherheiten bei Förderbedingungen oder gesetzliche Einschränkungen für den Einsatz neuer Technologien behindern die Umsetzung. Die Reform des GEG könnte hier entscheidende Impulse liefern – vorausgesetzt, sie schafft Vertrauen, Transparenz und praktikable Lösungen.

Verbände appellieren an Koalition

Mit Blick auf den Koalitionsausschuss am 26. November 2025 fordern die Verbände einen breiten politischen Konsens. „Unser Ziel muss sein, Stabilität zu schaffen und Investitionen zu ermöglichen, nicht Unsicherheit zu verstärken“, so Kerstin Andreae. Auch wirtschaftspolitisch gehe es um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland – ein Ziel, das nur mit verlässlicher Energiepolitik erreichbar sei.

Der Appell ist deutlich: Eine pragmatische, technologieoffene und ökonomisch sinnvolle Neufassung des Gebäudeenergiegesetzes ist ein zentrales Element für die Energiewende. Sie kann helfen, Investitionen auszulösen, neue Technologien zu etablieren und zugleich die Resilienz der Energieversorgung zu erhöhen – für eine klimaneutrale Zukunft, die auch regional spürbar wird.

Einbindung der Öffentlichkeit und Ausblick

Wie sich die geplante Reform konkret auf Haushalte, Mieterinnen und Mieter sowie Eigentümer in der Region auswirkt, wird auch von der konkreten Ausgestaltung abhängen. Klar ist: Neue Gase und H₂ready-Technologien bieten Chancen für eine zukunftssichere Energieversorgung. Entscheidend wird sein, ob die Politik den Mut aufbringt, Rahmenbedingungen langfristig tragfähig zu gestalten.

Weitere Informationen zur Veranstaltung und zu den Positionen der Verbände bietet der Transformationspfad Neue Gase auf der Website des BDEW.

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