Die Zahl der Netzanschlussanträge für große Batteriespeicher ist in Deutschland auf einem neuen Höchststand. Nach einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft unter Übertragungsnetzbetreibern und 17 großen Verteilnetzbetreibern liegen Anfragen für Speicher ab einer Leistung von einem Megawatt inzwischen bei über 720 Gigawatt. Eine Dimension, die das heutige Energiesystem deutlich übersteigt.
Zum Vergleich: Die angefragte Leistung entspricht mehr als dem Zweieinhalbfachen der derzeit installierten Erzeugungsleistung aller deutschen Kraftwerks- und Erneuerbaren-Anlagen. Bereits zugesagte Netzanschlüsse für Batteriespeicher liegen bei mindestens 78 Gigawatt. Diese Zahl übersteigt schon heute die in den Netzentwicklungsplan-Szenarien für 2037 und 2045 vorgesehenen Werte.
Der Verband sieht dringenden Handlungsbedarf. Laut BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae drohen andere Netzkunden ins Hintertreffen zu geraten, da Netzkapazitäten in den hohen und mittleren Spannungsebenen zunehmend knapp werden. Neben Rechenzentren, großen Wärmepumpen und industriellen Abnehmern wächst der Bedarf durch Ladeinfrastruktur und steigende Stromverbräuche weiter an.
Speicher gelten zwar als wichtiges Element für die Stabilität des Energiesystems, weil sie Lastspitzen abfedern und die Versorgungssicherheit verbessern. Doch nach Einschätzung des BDEW müssen sie stärker in das Gesamtsystem eingebettet werden. Der Verband fordert daher eine schnelle Überarbeitung der Kraftwerksnetzanschlussverordnung. Große Batteriespeicher ab 100 Megawatt sollen künftig ausgenommen werden, während Pumpspeicherkraftwerke weiterhin unter die Verordnung fallen sollen.
Zudem plädiert der Verband für transparentere und effizientere Vergabeverfahren. Das bisher praktizierte First-come-first-served-Prinzip wird den aktuellen Kapazitätsengpässen nach Ansicht des BDEW nicht mehr gerecht. Stattdessen sollten volkswirtschaftliche Kriterien berücksichtigt werden, ergänzt durch flexible Netzanschlussmodelle oder Reservierungsmechanismen.
Der BDEW arbeitet derzeit an einem umfassenden Instrumentenmix, der sowohl den Hochlauf neuer Technologien ermöglicht als auch auf die beschränkten Netzkapazitäten reagiert.

